OECD: Weltweites Wachstum bleibt robust

OECD: Weltweites Wachstum bleibt robust

Die OECD erwartet für 2018 eine weitere Beschleunigung des Wirtschaftswachstums, wenngleich das erste Quartal nicht ganz so deutlich ausgefallen ist. Die Handelskonflikte trüben allerdings die Aussichten auf ein noch stärkeres Wachstum. Für Österreich wurden die Zahlen ebenso nachgebessert. 2019 wird der Anstieg jedoch einiges unter dem Zuwachs des Jahres 2018 liegen.

Paris/Berlin. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) senkt ihre Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum heuer wegen des schwachen ersten Quartals leicht von 3,9 auf 3,8 Prozent. Für 2019 sagt sie aber wieder eine minimale Beschleunigung auf 3,9 Prozent voraus.

Dafür sollen vor allem die Regierungen mit ihrer Ausgaben- und Steuerpolitik sorgen. "Drei Viertel aller OECD-Länder verfolgen derzeit einen expansiven fiskalpolitischen Kurs", sagte OECD-Chefvolkswirt Alvaro Santos Pereira. Auch die lockere Geldpolitik der Notenbanken schiebe die Konjunktur an.

"Trotz all dieser guten Nachrichten sind die weltweiten Aussichten von großen Risiken überschattet", warnte Pereira. "An vorderster Stelle geht es um die Gefahr einer Eskalation der Handelsspannungen." Seit Beginn der weltweiten Finanzkrise 2007 seien in den 20 führenden Industrie- und Schwellenländern mehr als 1.200 neue Handelsbeschränkungen eingeführt worden. "Da die Weltwirtschaft heute wesentlich stärker integriert und vernetzt ist als in der Vergangenheit, könnte eine weitere Eskalation der Handelsspannungen die wirtschaftliche Expansion deutlich bremsen und zu Störungen in den wichtigen globalen Wertschöpfungsketten führen", betonte der Ökonom. Auch steigende Ölpreise und ein rascherer Anstieg der Zinsen könnten den Aufschwung bremsen.

Arbeitslosigkeit so tief wie 1980

Die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten wird nach Prognose der OECD bis Ende des kommenden Jahres auf den tiefsten Stand seit 1980 fallen. "Das starke Wachstum, das wir aktuell beobachten, geht in vielen Ländern auch mit einer kräftigen Arbeitsplatzschaffung einher", sagte OECD-Chefvolkswirt Pereira.

Dadurch soll die Arbeitslosenquote in den 35 Mitgliedsländern auf fünf Prozent fallen. 2017 lag sie noch bei knapp sechs Prozent.

Die Wachstumsprognose wurde für Österreich erneut angehoben. 2018 dürfte die heimische Wirtschaft um 2,7 Prozent wachsen, im November 2017 waren die Pariser Experten noch von einem 2,5-prozentigen Plus ausgegangen. Für 2019 sagt die OECD nun einen Anstieg von 2,0 (1,8) Prozent voraus.

Im Jahr 2017 dürfte das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) überhaupt um 3,1 Prozent gewachsen sein. "Dank eines günstigen Zusammenspiels nationaler und internationaler Einflussfaktoren erreichte das Wachstum in Österreich ein so hohes Niveau wie es seit dem kräftigen Aufschwung im Anschluss an die weltweite Finanzkrise nicht mehr verzeichnet worden war", erklärte die OECD in ihrer Frühjahrsprognose. Ende 2017 scheine der Konjunkturzyklus seinen Höhepunkt erreicht zu haben, "das strukturelle Wachstum bleibt jedoch robust".

Das Wirtschaftswachstum werde von einer starken Nachfrage im In- und Ausland getragen. Heuer stützten nach Ansicht der OECD die robuste Beschäftigung und die Lohnzuwächse den privaten Konsum. Letzteres ist vor allem auf die Stuereform der Vorgänger-Regierung von SPÖ/ÖVP zurückzuführen, die die Einkommen der Konsumenten entlastet habe.

Die aktuelle Regierung von ÖVP/FPÖ wird von der OECD zu einem Ausbau der Ganztagsschul- und Kinderbetreuungsplätze am Land aufgerufen. Dies hat steht allerdings im Widerspruch zu dem, was die neue Regierung sich vorgenommen hatte. Die OECD kritisiert, dass es nach wie vor zu wenig Ganztagsschul- und Kinderbetreuungsplätze gibt. Die würde vor allem die Erwerbstätigkeit von Frauen bremsen.

Generell steige die Erwerbsbeteiligung, insbesondere von Frauen und Älteren. Die Arbeitslosenquote dürfte 2018 auf 5,1 Prozent und 2019 weiter auf 4,9 Prozent zurückgehen, nach 5,5 Prozent 2017.

Die Kerninflation in Österreich ist nach wie vor höher als im Euroraum, was die OECD teils auf höhere Preise in Wirtschaftsbereichen zurückführt, die mit dem boomenden Tourismus in Zusammenhang stehen. Die Teuerung dürfte heuer und nächstes Jahr weiter anziehen. Für 2018 rechnet die OECD mit einer Kerninflation (Verbraucherpreise ohne Essen, Energie, Alkohol und Zigaretten) von 2,2 Prozent, 2019 werden 2,4 Prozent erwartet, nach 2,1 Prozent im Jahr 2017. Den harmonisierten Verbraucherpreisindex sieht die OECD 2017 bei 2,2 Prozent, 2018 bei 2,1 Prozent und 2019 bei 2,3 Prozent.

Die Sparquote der privaten Haushalte dürfte sich nach Schwankungen infolge der 2016 in Kraft getretenen Steuerreform stabilisieren. Dieses Jahr dürften die Haushalte 6,6 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Seite legen, kommendes Jahr 6,2 Prozent, nach 6,4 Prozent im Vorjahr.

Das Staatsdefizit sinkt weniger stark als angesichts des kräftigen Wirtschaftswachstums zu erwarten wäre, bemerkt die OECD. Die Regierung solle ihre öffentlichen Ausgaben eindämmen, insbesondere soll die Verwaltung effizienter werden und bei Staatsfirmen soll weniger ausgegeben werden. Auch "Spending Reviews", also Analysen, die zeigen, welche Aus- und Aufgaben noch zeitgemäß und nötig sind, sollen wie angekündigt stärker genutzt werden, so die OECD.

Diese Einsparungen sollten dazu dienen, die Auswirkungen der geplanten Steuerentlastungen auf das strukturelle Haushaltssaldo auszugleichen.

Staatschulden sinken schneller

Die Staatsschuldenquote dürfte dank der Konjunkturbelebung und der Abwicklung der Aktiva von Bad Banks rascher sinken als die Fiskalregeln vorsehen. Die Schuldenquote nach Maastricht-Kriterien wird für 2017 bei 78,2 Prozent des BIP, für 2018 bei 76,3 Prozent und für 2019 bei 74,1 Prozent gesehen. Nach den Maastricht-Vorgaben sind maximal 60 Prozent des BIP erlaubt.

Wenn die öffentlichen Ausgaben effizienter gestaltet sind, sollten die freiwerdenden Mittel in den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und Ganztagsschulen gesteckt werden, so die OECD. Weiters soll die Regierung die Einführung digitaler Technologien in Unternehmen und privaten Haushalten fördern - durch die Subventionierung von Programmen für lebenslanges Lernen. Auch solle die digitale Infrastruktur aufgerüstet werden. "Durch eine rasche Umsetzung der 'Digital Roadmap' Österreichs mit zeitlichen und quantitativen Zielvorgaben könnte die Akkumulation von Wissenskapital beschleunigt werden", meint die OECD.

Weiters soll die Regierung nach Meinung der OECD Wagniskapital und andere Formen der Beteiligungsfinanzierung stärker fördern. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seien derzeit in erster Linie auf Bankkredite angewiesen.

Die heimische Wirtschaftstätigkeit dürfte insgesamt dynamisch bleiben. "Die Einkommen der privaten Haushalte werden weiterhin von einem robusten Beschäftigungsaufbau profitieren und das Reallohnwachstum wird ein positives Vorzeichen erhalten." Eine Steigerung der Exportmarktanteile würde der Investitionstätigkeit und dem Wachstum Auftrieb geben. Umgekehrt könnte die Konkurrenz aus Osteuropa die heimische Exportleistung schmälern. "Sollten die Reformanstrengungen nachlassen, könnte das Wachstum enttäuschen, dagegen könnten die Investitionstätigkeit und der Verbrauch bei anhaltend gutem Konsum und Geschäftsklima kräftiger als erwartet ausfallen."

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