ÖBB-Chef Matthä: "Steuerreform für mehr Kostenwahrheit"

ÖBB-Chef Andreas Matthä erwartet sich durch die Steuerreform mehr Kostenwahrheit für die Bahn. Der Güterverkehr sei derzeit benachteiligt, der Straßenverkehr viel zu billig.

ÖBB-Chef Andreas Matthä

ÖBB-Chef Andreas Matthä

ÖBB-Chef Andreas Matthä erhofft sich durch die bevorstehende Steuerreform Lenkungseffekte in Richtung Kostenwahrheit für die Bahn. Die von der EU vorgeschlagene CO2-Bepreisung mit einem Emissionshandelssystem für Gebäude und Verkehr solle mehr Geld für den Bahnausbau bringen. Der Schienengüterverkehr sei derzeit benachteiligt, denn der Straßenverkehr sei "viel zu billig", betont Matthä. Für den Klimaschutz sollte Güterverkehr vom Lkw auf die Bahn verlagert werden.

Konkret sollen 25 Prozent der Mittel aus dem von der EU-Kommission vorgeschlagenen "Fit for 55"-Programm für den Bahnausbau und die Digitalisierung verwendet werden, fordert Matthä. Mit dieser Forderung ist die Bundesbahn im Einklang mit den anderen europäischen Bahnen. Was die Höhe einer CO2-Bepreisung betrifft, begrüßt der ÖBB-Chef den Vorschlag der europäischen Investitionsbank (EIB) von 250 Euro pro Tonne CO2 bis zum Jahr 2030.

Güterverkehr verlagern

Der Schienengüterverkehr spiele eine zentrale Rolle bei der Verringerung der Treibhausgasemissionen in Europa und müsse daher im Sinne des Klimaschutzes weiter ausgebaut und modernisiert werden, so der ÖBB-Chef. Rund 30 Prozent der CO2-Emissionen in Österreich entfallen auf den Verkehr - mit steigender Tendenz. Im Güterverkehr zähle der Transit-Lkw zu den Hauptemittenten: Er verursache in Österreich rund 40-mal mehr an CO2-Ausstoß als die Bahn. Der Klimaschutz müsse ernst genommen werden, fordert der Bahnmanager: "Die Alarmglocken schrillen sehr laut." Die Bahn sei gegenüber dem Lkw derzeit benachteiligt, denn viele Kosten des Lkw-Verkehrs müsse letztlich der Steuerzahler und nicht der Kunde zahlen. Die Bahn hingegen zahle für jeden Zentimeter Maut und Gebühren.

Derzeit beträgt der Schienenanteil am Gesamtgüterverkehr in Österreich 28 Prozent - "ein europäischer Spitzenwert", erläutert Rail Cargo-Vorstandssprecher Clemens Först. Allerdings sei der Wert vor 10 Jahren noch bei knapp einem Drittel gelegen, der Anteil der Schiene am Gesamtgüterverkehr gehe also zurück. Die ÖBB-Rail Cargo halte in diesem Markt einen Marktanteil von knapp zwei Drittel. Auf europäischer Ebene ist der Schienenanteil geringer als in Österreich, er beträgt nur 18 Prozent. Auch hier sei der Bahnanteil "stagnierend bis leicht fallend". Die ÖBB-Rail Cargo sei auf EU-Ebene die Nummer Zwei im Gütertransport, nach dem Marktführer Deutsche Bahn Cargo. "Wir sind der zweitgrößte Bahnlogistiker in Europa und in 18 Ländern präsent, unser Radius reicht bis nach China", erläuterte Först.

Initiative der ÖBB

Der ÖBB-Güterverkehrssparte will nun gezielt neue Kunden ansprechen, ihre Transportwege von der Straße auf die Bahn zu verlagern. Der Neukunde wird im mittelständischen Bereich geortet, er brauche einen einfachen Einstieg in das System Güterbahn, so Först: Unter dem Link "smartlink.railcargo.com" werden Informationen zu den verschiedenen Bereichen angeboten. "TransNET" stelle das Netzwerk der derzeit 60 Transferverbindungen dar, womit die großen Industriezentren und Häfen Europas über die Schiene verbunden werden. Hier können die Kunden der ÖBB Rail Cargo fahrplanmäßige oder individuelle Transferverbindungen auswählen.

Die Bundesbahnen wollen bis 2030 ihre Mobilität klimaneutral anbieten. Dazu gehöre der Ersatz der Dieselbusse durch alternative Antriebe und die Umrüstung der internen Fahrzeugflotte. Auch für Strecken, wo es derzeit keine Elektrifizierung gibt, sollen Verschublokomotiven geschaffen werden, die mit Batterien betrieben werden. Der Strom für die Züge und Bahnhöfe stamme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien.

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