ÖBB-Catering: Do & Co steigt definitiv aus

ÖBB Catering
Henry am Zug
Do&Co
ÖBB Catering
Henry am Zug
Do&Co

Attila Dogudan hat keinen Appetit mehr auf ÖBB-Catering.

Der Caterer Do & Co liegt seit einiger Zeit im Clinch mit den Gewerkschaften wegen der Einhaltung von Arbeitszeitregeln bim ÖBB-Catering. Inzwischen wurde die Kooperation aufgekündigt und wird nur noch weitergeführt, bis die Nachfolge geregelt ist. An einer Neuausschreibung will Do & Co definitiv nicht mehr teilnehmen.

Die Geschichte von Attila Dogudans Catering-Unternehmen Do & Co und den ÖBB ist die einer zerflossenen Liebe. Das vor vier Jahren unter der Marke "Henry am Zug" mit großen Erwartungen und viel Engagement gestartete Teamplay zwischen dem Catering-Spezialisten und den Bundesbahnen ist an den Reibereien und Regeln des Alltags gescheitert.

Ende März hatte Dogudan genug von den ewigen Reibereien, die sein Engagement verursacht hatte. Das Arbeitsinspektorat hatte den Caterer wegen Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz mit Klagen eingedeckt. Verwaltungsstrafen in der Höhe von 1,3 Millionen Euro waren die Folge, die Dogudan nicht tragen und unternehmerisch nicht verantworten wollte (trend berichtete).

"Bei einer Neuausschreibung sind wir nicht dabei", erklärte Dogudan nun bei der Bilanzpressekonferenz das definitive Ende der Affäre. Henry am Zug sei "unter der Gürtellinie diskreditiert" und öffentlich schlecht dargestellt worden. Da es nicht so funktioniere wie ursprünglich vereinbart, "ist es besser, wenn wir uns zurückziehen". Weiter machen würde man nur, wenn ein Wunder eintreten würde. Aber Dogudan glaubt nicht an Wunder.

Der Hintergrund, also die Vorgeschichte ist ein Lehrbeispiel für den Wildwuchs der österreichischen Bürokratie. Der Vorgänger von Henry am Zug, das Unternehmen e-express, hatte einen betrieblichen Kollektivvertrag, den die Gewerkschaft nach dem Wechsel des Caterers kündigte. Do & Co schloss daraufhin eine neue Betriebsvereinbarung ab. Sowohl nach dem früheren KV als auch nach der Betriebsvereinbarung wäre die Arbeitsorganisation von Henry am Zug legitim gewesen. Weil der KV aber nicht mehr galt und der Arbeitsinspektor die von Gewerkschaftsvertretern unterschriebene Betriebsvereinbarung nicht anerkannte, lagen Verstöße gegen die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden vor. Von Do & Co wurde in der Folge ein neuer Kollektivvertrag verlangt, den das Unternehmen aber per se gar nicht abschließen konnte. Kollektivvertragsverhandlungen sind Sache der Wirtschaftskammer mit der Gewerkschaft.

Rückzug vom Zug

Bei e-express war es unter anderem üblich gewesen, dass rund 100 Mitarbeiter aus Ungarn für die Züge beschäftigt wurden, die in Budapest starten. Do & Co wollte das weiterführen und. In der Ausschreibung wurde sogar ausdrücklich verlangt, dass ein Teil der Mitarbeiter ungarisch spricht. Dann aber wurde kritisiert, dass die Ungarn zu ungarischen Arbeitsbedingungen bei der österreichischen Bahn arbeiten. Was laut Dogudan zuvor jahrelang üblich war war plötzlich verpönt. "Wir haben zur Kenntnis genommen, dass dies nicht mehr erwünscht ist", so Dogudan. Inzwischen seien keine Ungarn mehr an Bord. Insgesamt "haben wir kapiert, dass es so nicht funktioniert und nehmen zur Kenntnis, dass wir falsch agiert haben". Da sei es aber besser, "dass wir uns zurückziehen". "Um ehrlich zu sein, die Art wie damit ungegangen worden ist, schreckt ein Unternehmen wie unseres ab".

Mit den ÖBB habe es die ganze Zeit gutes Einvernehmen gegeben, betont Dogudan. Geld verdient habe Henry am Zug nur in einem Jahr. Aber die Vereinbarung sei auf eine langfristige Zusammenarbeit ausgelegt gewesen. "Die Ungereimtheiten sind nicht auf unserm Mist gewachsen". Er fühlt sich verpflichtet, eine geordnete Übergabe zu machen, die es "in ein paar Wochen oder Monaten spätestens" geben soll. Derzeit streiten Gewerkschaft und Wirtschaftskammer noch, in welche Fachgruppe Catering am Zug überhaupt fällt - und damit unter welchen Kollektivvertrag. Dogudan sieht sich in der Gastronomie beheimatet. "Dass wir uns in der Sektion Schiene anmelden sollen, ist meiner Meinung nach für ein Wirtshaus zu viel", sagt er, sonst müsste er für seine fliegenden Köche ja auch eine Lizenz als Luftfahrtunternehmen beantragen.

Wirtschaft

Casinos-Affäre: Hauptaktionär Sazka will Sidlo abberufen

Geld

"Gewinnschätzungen werden in erschreckender Konstanz revidiert"

Wirtschaft

Proteste gegen Werksschließungen und Jobabbau bei Contiental

Wirtschaft

Brau Union übernimmt Mehrheit an Brauerei Fohrenburg