Viel Vergangenheit und noch mehr Zukunft

Der Wirtschaftsraum Leoben, Bruck und Mürzzuschlag hat eine lange Industrietradition – und aktuell eine große Dynamik. Ein Round Table mit Vertretern renommierter Unternehmen über Chancen, Potentiale und auch Defizite dieser außergewöhnlichen Wirtschaftsregion. [Das Gespräch fand noch vor der Corona-Krise, dem Erlass zur Einhaltung eines Mindestabstandes und Einschränkungen hinsichtlich Zusammentreffens von Personen statt.]

Round Table: Regionalmanagement Obersteiermark Ost - vlnr: Arne Johannsen, Trend-Moderator; Erwin Zarfl, AT&S; Harald Egger, Pankl Racing Systems; Claus Oresnik, Pengg Austria; Christian Becskei, KNAPP; und Claus Mittendorfer, Voestalpine Böhler Edelstahl

Stahl und viel Tradition – das sind die Stichworte, an die man bei Leoben und Kapfenberg als Erstes denkt. „Eine besondere, spürbare Dynamik“ – das fällt Claus Mittendorfer zu dieser Region ein. Er ist einer der Teilnehmer, die auf Initiative des Regionalmanagements Obersteiermark Ost bei einem Round Table des Magazins trend über Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten dieses Wirtschaftsraumes diskutierten. Und Mittendorfer muss es wissen: Er ist kaufmännischer Geschäftsführer der Voestalpine Böhler Edelstahl, eines der großen Arbeitgeber der Region. Und er hat Vergleichsmöglichkeiten, da er schon an vielen verschiedenen Standorten im In- und Ausland tätig war. „Neben der Dynamik schätze ich hier vor allem die große Innovationskraft und das Ausbildungsniveau“, betont er.


Die Zusammenarbeit der Unternehmen mit den Hochschulen ist einer der Erfolgsfaktoren der Region.

Harald Egger, Pankl Racing Systems


Harald Egger, Pankl Racing Systems

Harald Egger, Pankl Racing Systems

Diese Innovationskraft kommt nicht aus dem Nichts. „Es gibt eine Reihe von Weltmarktführern in dieser Region und eine intensive Zusammenarbeit mit den hier ansässigen Bildungseinrichtungen“, erläutert Harald Egger, Head of Human Resources bei Pankl Racing Systems. Für ihn ist diese Kombination „sicher einer der Erfolgsfaktoren der Region“.

Wie diese Zusammenarbeit mit der Montanuniversität Leoben, den Fachhochschulen oder auch dem Polymer Competence Center Leoben konkret aussieht? Das geschieht auf mehreren Ebenen, erklärt Erwin Zarfl, Director Human Resources beim Leiterplatten-Hersteller AT&S: „Unsere Forschungsabteilung in Leoben arbeitet eng mit diesen Institutionen zusammen an Zukunftsthemen. Dadurch bekommen wir auch Kontakt zu jungen Menschen, denen wir dann Praktikumsstellen anbieten können. Und über das Netzwerk der Universität sind wir gerade dabei, Kooperationen mit indischen und chinesischen Universitäten aufzubauen.“ Sein Fazit: „Eine sehr befruchtende Zusammenarbeit.“

Das ist mehr als eine subjektive Wahrnehmung. Viele Studien belegen, dass der enge Austausch mit Unis und FHs zu einem wesentlichen Standortfaktor geworden ist. Harald Egger unterstreicht das: „Alle Seiten profitieren von dieser Zusammenarbeit: Die Bildungseinrichtungen bekommen Zugang zu praxisrelevanten Themen; die Unternehmen frühzeitigen Kontakt zu potentiellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und die jungen Menschen können in der Praxis austesten, ob sie in die Unternehmen passen.“

Der Erfolgsfaktor Kooperation spiegelt sich auch in Zahlen wider. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der östlichen Obersteiermark pro Einwohner hat sich in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt, liegt allerdings immer noch leicht unter dem österreichischen Durchschnitt. Nach Graz und Umgebung ist die Region der zweitstärkste Wirtschaftsraum der Steiermark, das durchschnittliche Wirtschaftswachstum beträgt rund drei Prozent pro Jahr, die industrielle Wertschöpfung beachtliche 47,2 Prozent. Die Steiermark insgesamt ist mit einer F&E-Quote von knapp 5,2 Prozent das Bundesland mit dem höchsten Investment in Innovationen.


Die intakte Natur und die damit verbundenen Freizeitmöglichkeiten sind für Bewerber ein starkes Motiv, hierherzukommen.

Claus Oresnik, Pengg Austria


Claus Oresnik, Pengg Austria

Claus Oresnik, Pengg Austria

Doch um attraktiv für Fachkräfte zu sein, braucht es mehr als passende Jobs. Stichwort Work-Life-Balance. „Genau damit können wir in der Obersteiermark punkten“, weiß Claus Oresnik, Geschäftsführer von Pengg Austria, aus der Praxis. „Gerade für Bewerber aus dem städtischen Bereich oder für internationale Fachkräfte sind die intakte Natur hier und die damit verbundenen Freizeitmöglichkeiten ein ganz wesentliches Motiv.“ Wanderwege, Mountainbike-Strecken und Skigebiete liegen praktisch vor der Haustür. Hinzu kommt, dass das Wohnen in der östlichen Obersteiermark noch leistbar ist – wozu die Gemeinden durch neue Baugrundstücke und Wohnungsneubau einiges beigetragen haben.


Die Menschen hier sind freundlich und gehen schnell aufeinander zu. Das erleichtert die Integration der Familien.

Christian Becskei, KNAPP


Christian Becskei, KNAPP

Christian Becskei, KNAPP

Zudem bemühen sich die Unternehmen permanent, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. „Dazu gehört, gerade auch bei internationalen Mitarbeitern, das Einbeziehen der Familien“, betont Christian Becskei, Head of Human Resources beim Logistik- und Automatisierungsspezialisten Knapp am Standort Leoben. Denn auch Partner brauchen Jobs, die Kinder Hort- oder Schulplätze. Dazu gibt es eine Reihe von Initiativen, die das Einleben erleichtern. So bieten Leoben und Kapfenberg spezielle Willkommensservices und das Regionalmanagement Obersteiermark Ost hat in Kooperation mit dem Club International eine Expat-Beratung eingerichtet. Becskei sieht auch in diesem Punkt große Vorteile für die östliche Obersteiermark: „Die Menschen hier sind freundlich, und in einem eher ländlich geprägten Raum geht man schneller aufeinander zu. Integration funktioniert da besser, was gerade unsere Mitarbeiter aus südlichen Ländern wie Spanien und Portugal sehr schätzen.“


Eine englischsprachige Schule in der Region wäre sehr wünschenswert.

Erwin Zarfl, AT&S


Erwin Zarfl, AT&S

Erwin Zarfl, AT&S

Allerdings scheint auch in der Obersteiermark nicht immer die Sonne. Und das bezieht sich keineswegs nur aufs Wetter. Wie in praktisch allen ländlichen Regionen ist die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs ein zentrales Thema, obwohl es hier in den vergangenen Jahren deutliche Verbesserungen gegeben hat. Der besondere Wunsch der Manager-Runde ist aber noch ein anderer. Die Region benötige eine englischsprachige Schule, formuliert es Erwin Zarfl stellvertretend, „das hören wir nicht nur häufig von internationalen Mitarbeitern, sondern auch von österreichischen, die sich für ihre Kinder ein entsprechendes Angebot wünschen.“ Zusätzlich zum Angebot des Europagymnasiums in Leoben wäre dies eine wertvolle Zukunftsinvestition.

Um dem akuten – oder zumindest wachsenden – Fachkräftebedarf zu decken, bauen die steirischen Unternehmen aber nicht nur auf eine attraktive Region. Junge Menschen für die Technik zu begeistern, so lautet ein Rezept. „Wir gehen in Schulen und Kindergärten und haben gemeinsam mit der Stadt Kapfenberg eine spezielle Modellstadt entwickelt, um Kindern und Jugendlichen zu zeigen, wie Wertschöpfung entsteht“, erläutert Claus Mittendorfer, „Ziel ist es, als Industrie stärker sichtbar zu sein und Flagge zu zeigen.“ Auch Knapp engagiert sich gemeinsam mit anderen Unternehmen an Schulen. „Es geht darum, Spaß an der Technik zu vermitteln“, betont Christian Becskei, „die Kleinen beschäftigen sich noch gerne mit Physik und Chemie, das treibt man ihnen ja später leider aus.“


Mittlerweile sind 25 Prozent der neuen Lehrlinge in technischen Ausbildungen weiblich. Das ist ein neuer, erfreulicher Trend

Claus Mittendorfer, Voestalpine Böhler Edelstahl


Claus Mittendorfer, Voestalpine Böhler Edelstahl

Claus Mittendorfer, Voestalpine Böhler Edelstahl

Das Engagement zeigt durchaus Wirkung: Bei der Voestalpine steigt die Zahl der weiblichen Lehrlinge. „Seit zwei Jahren sind unter den neuen Auszubildenden in technischen Berufen mindestens 25 Prozent weiblich“, berichtet Claus Mittendorfer. Um zukünftige Jobs brauchen sie und ihre männlichen Kollegen sich keine Sorgen zu machen. „Das Fantastische an dieser Region ist doch, dass es so viele große und kleine Unternehmen gibt“, sagt Claus Oresnik, „wer mit seinem Job unzufrieden ist, muss praktisch nur auf die andere Straßenseite gehen und findet dort einen neuen.“ Bedeutet konkret: Die östliche Obersteiermark bietet nicht nur Berge und intakte Natur, sondern auch eine fast hundertprozentige Arbeitsplatz-Sicherheit.

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