Oberbank: Nach Rekordjahr weiter auf Expansionskurs

Oberbank Generaldirektor Franz Gasselsberger

Oberbank Generaldirektor Franz Gasselsberger

Oberbank Generaldirektor Franz Gasselsberger will nach dem achten Rekordjahr in Folge die nächsten Expansionsschritte setzen. Ohne dabei das Profil einer Regionalbank aufzugeben.

"Ich bin Oberösterreicher. Ich deute nichts an. Wenn ich etwas sagen will, dann sage ich das auch. Und was ich sage, meine ich auch so wie es gesagt ist." Die Antwort des Oberbank-Generaldirektors auf die Frage eines Journalisten, ob er mit seinen Ausführungen auch eine weitere Kapitalerhöhung für die Oberbank angedeutet habe ("Nein, es wird keine Kapitalerhöhung geben", betont er explizit), spricht Bände: Franz Gasselsberger, der seit nunmehr 20 Jahren im Vorstand und davon nun auch schon 13 Jahre Generaldirektor der Bank mit Zentrale in Linz ist, mag es nicht, wenn um den heißen Brei herumgeredet wird. Er steht für eine geradlinige, offene Kommunikation. Nach außen und nach innen - zu den Filialleitern und Mitarbeitern. Und auch zu den Kunden.

Gasselsberger steht damit in persona für einen Stil, den er auch von den mittlerweile über 2.000 Mitarbeitern seines Hauses einfordert - den "Oberbanker-Stil". "Es müssen alle Oberbanker werden", definiert er daher auch als größte Herausforderung bei dem anhaltenden Wachstumskurs des Geldinstituts: Während andere Banken unter hohem Kostendruck stehen und Filialen schließen, ist die Oberbank seit Jahren auf Expansionskurs und baut ihr Filialnetz Zug um Zug aus.

Im Jahr 2017 wurden sechs weitere Filialen eröffnet. Die Regionalbank hat ihre Fühler von Oberösterreich aus bereits nach Niederösterreich, Wien, Salzburg und über die Staatsgrenzen hinaus nach Ungarn, in die Slowakei, nach Tschechien, Bayern, Thüringen und Hessen gestreckt. 2018 sollen die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt hinzukommen. Insgesamt sollen zehn bis zwölf neue Filialen eröffnet werden. Zu Jahresende wird das Filialnetz auf gut 170 Zweigstellen angewachsen sein.

Mehr Filialen, mehr Mitarbeiter, mehr Kunden

"Filialen zu gründen, nicht zu schließen, Mitarbeiter aufzubauen, nicht abzubauen ist in Zeiten wie diesen keine Selbstverständlichkeit", betont Gasselsberger. Zupass kommt den Oberösterreichern bei dem Ziel, "altes Geschäft in neuen Regionen aufzubauen", dass es im Gegensatz zu anderen Branchen im Bankenbereich aufgrund der anhaltenden Konsolidierung derzeit keinen Facharbeitermangel gibt. Auch wenn Gasselsberger nicht jeder als Mitarbeiter recht ist. "Wir brauchen keine Investmentbanker, wir brauchen Corporate- und Private-Banker", sagt er. Mitarbeiter, die zur Oberbank passen, die ihre Kunden persönlich kennen und sie auch persönlich betreuen.

Es ist dem Bankenchef daher auch wichtig, Mitarbeiter langfristig an die Bank zu binden. Ein Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm, in dessen Rahmen im Jahr 2018 und 2019 jeweils Aktien im Wert von fünf Millionen Euro an die Mitarbeiter ausgegeben werden - mit der Verpflichtung, diese Aktien bis zu ihrer Pensionierung zu halten - ist daher gleich ein doppeltes Commitment, das praktisch auch einer langjährigen Arbeitsplatzgarantie gleichkommt.

Ein besonderes Commitment gibt es übrigens auch für die Aktionäre: Sie werden aufgrund des Ergebnisses mit einer gegenüber dem Vorjahr um fast 40 Prozent höheren Dividende bedacht. Die Ausschüttung wird von 65 Cent auf 90 Cent je Aktie erhöht. Um die Aktionäre zu "umgarnen", wie der Oberbank-Generaldirektor betont

Altes Geschäft und new business

"Altes Geschäft in neuen Regionen aufbauen", das bedeutet für Gasselsberger auch, in die regionalen Hauptstädte zu gehen. "Wir gehen nicht nach Frankfurt und setzen uns in den 27. Stock eines Hochhauses. Dort möchte ich nicht begraben sein", erklärt er. Stattdessen stehen Städte wie Hanau, Fulda oder Mainz auf der Liste - Städte, die der Oberbank-Chef mit Sankt Pölten oder Wels vergleicht. Wo man einander noch kennt. Dort nah bei den Kunden und den Filialleitern zu sein ist für den Oberbank-Chef der Schlüssel zum Erfolg.

Wobei sich die Oberbank den Mitteln der Digitalisierung aber keineswegs verschließt, sondern betont, dass erhebliche Investitionen in neue Technologien getätigt werden. "Für uns ist die Digitalisierung aber kein Mittel, um Kosten oder Mitarbeiter einzusparen, sondern um unseren Kunden ein besseres Service zu bieten und sie besser an uns zu binden", betont Gasselsberger. Auch das passt zur Strategie, altes Geschäft in neuen Regionen - eben der digitalen Welt - aufzubauen und zu bedienen.

Oberbank-Kennzahlen 2016/2017
in Mio. € 2017 2016 +/- in %
Überschuss vor Steuern 238,9 219,1 9,0
Überschuss nach Steuern 200,5 181,3 10,6
Bilanzsumme 20.830,6 19.158,5 8,7
Kundenkredite 14.760,3 13.777,9 7,1
Primäreinlagen 13.394,7 13.008,9 3,0
Cost-Income-Ratio 49,9 % 50,8 % -0,87 %-P.
Kernkapitalquote 17,03 % 16,27 % 0,76 %-P.
Filialen 161 155 2
Quelle: Unternehmensangaben

Ein Erfolg wäre es für ihn übrigens schon, wenn im laufenden Jahr das Rekordergebnis des Geschäftsjahres 2017 wiederholt werden kann, meint Gasselsberger. Was angesichts der Zahlen (siehe Tabelle) nachvollziehbar scheint, angesichts der guten Wirtschaftslage und der günstigen Cost-Income-Ratio der Bank von 49,90 Prozent allerdings sehr tief gestapelt ist. der österreichische Bankenmarkt weist im Durchschnitt eine Cost-Income-Ratio von 66 Prozent auf und das gute Ergebnis des Jahres 2017 ist wie der oberste Oberbanker selbst anführt kein Strohfeuer, sondern der vorläufige Höhepunkt einer seit 2009 anhaltenden Entwicklung. In den acht Geschäftsjahren seither konnte die Bank ihren Jahresüberschuss pro Jahr um durchschnittlich 11,2 Prozent steigern.

Treiber der guten Entwicklung waren im Geschäftsjahr 2017 vor allem das starke Kreditwachstum, sowohl im Geschäftskunden- als auch im Privatkundenbereich, der Anstieg der betreuten Kundengelder, die Niedrigzinsen und die Optimierung des Filialnetzes.

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