Oberbank kurbelt weiter an der Expansion bis in den Iran

Oberbank kurbelt weiter an der Expansion bis in den Iran

Generaldirektor Franz Gasselsberger will die Oberbank Schritt um Schritt in neue Höhen führen - ohne noble Banktürme zu erklimmen.

Die Linzer Oberbank setzt im Gegensatz zu anderen Banken auf Expansion und schreibt satte Gewinne. Neben neuen Filialen setzt Oberbank-Chef Franz Gasselsberger auch auf die Digitalisierung, die nicht nur von jungen Kunden gefordert wird. Die Regionalbank will im Iran den nächsten "großen Wurf" landen.

Die Bankenbranche ist im Umbruch. Ein Großteil der Banken setzt massiv den Rotstift beim Filialnetz an, Regionalbanken fusionieren oder werden geschluckt und in der Bankenbranche wird zudem Personal in Massen abgebaut. Die Linzer Oberbank geht den entgegen gesetzten Weg. Und das nicht erst seit kurzem. "Die Expansion ist noch nicht zu Ende", betont Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank im Gespräch mit trend.at. "Wir werden weiterhin expandieren." Schrittweise und überlegt, in etwa so, als würde der passionierte Bergsteiger Gasselsberger einen 6000 Meter hohen Berggipfel besteigen.

Das erfreuliche Halbjahresergebnis scheint dem Linzer Banker recht zu geben. Einmal mehr wurde hat die Bank den Gewinn gesteigert - um 15,6 Prozent auf 101,6 Mio. Euro. Für 2017 rechnet der Generaldirektor mit einem Ergebnis auf dem Niveau des Top-Ergebnisses aus dem Vorjahr, "eventuell wird es sogar etwas mehr". Bestenfalls könnte das Ergebnis knapp über dem Vorjahr liegen, gibt sich Gasselsberger etwas bescheiden und mit Vorsicht.

Im Jahr 2016 betrug der Jahresüberschuss vor Steuern 219,1 Mio. Euro (plus 14,4 Prozent), nach Steuern 181,3 Mio. Euro (plus 8,9 Prozent).

Der vorsichtige Ausblick des Oberbank-Chefs auf das gesamte Jahr 2017 hat zwei Gründe: Im Vorjahr hat das Geldhaus ein Rekordergebnis erzielt. Nach mehreren OGH-Urteilen zu Negativzinsen könnte der Oberbank noch zusätzliche Belastungen heuer aufs Ergebnis drücken. Betroffen sind 23.000 Kredite mit einem Kreditvolumen von 1,3 Milliarden Euro, bei denen es noch zu Rückvergütungen kommen kann. 6,3 Millionen Euro könnten hierfür fällig werden.

Die regionale Aufstellung

Die Erfolgsformel der Oberösterreicher scheint einfach: Regionalbank bleiben, aber nicht nur im Inland, sondern in Ländern in der Nachbarschaft, wo es in "gesättigten Märkten einen starken Mittelstand und somit für uns als Bank noch genug Chancen gibt", so Gasselsberger. Und bei den Kosten sieht sich die Oberbank im Vergleich zur Konkurrenz mit einer Cost-Income-Ratio von rund 51 Prozent weit unter dem Schnitt der Konkurrenz, die es im Durchschnitt auf 70 Prozent bringt.

Die Vorgangsweise bei der Ausweitung des Filialnetzes ist dabei stets dieselbe. Die Linzer Bank eröffnet in den aufstrebenden Regionen an neuen Standorten Filialen mit bis zu sieben Mitarbeitern, später wird sukzessive die Belegschaft auf etwa die doppelte Kopfzahl, auf bis zu 15 Bankangestellte erhöht. Fokusmärkte außerhalb Österreichs sind Deutschland, Tschechien, die Slowakei oder Ungarn.

In Deutschland stehen die Zeichen weiter auf Expansion. Zu den bestehenden 28 Standorten sollen noch zwei weitere Filialen gegründet werden. Nach Bayern, Hessen, einem Pilotprojekt in Ulm in Baden-Württemberg folgten kürzlich Dependancen in Thüringen. "Der Raum Erfurt ist eine aufstrebende Region mit einem starken Mittelstand", betont Gasselsberger das Credo seiner Strategie.

Weitere Filialen sind aber eher in Thüringen und Hessen geplant. Die Expansion nach Thüringen sei wegen der Nähe zu den Filialen in Oberfranken in Bayern nur die logische Konsequenz gewesen, um Filialen in Erfurt und Jena zu gründen.

Die Jobangebote via Internet deuten darauf hin, dass insbesondere in der Region Jena und Erfurt die Expansion beschleunigt werden soll. Insgesamt hat die Oberbank 65 Jobs im Angebot, davon zwei Drittel in Deutschland.

Im Osten von Frankfurt hat die Bank erst kürzlich eine Filiale in der 93.000 Einwohner zählenden Stadt Hanau eröffnet. "Hessen ist in unserem Fokus", sagt Gasselsberger. "Im 22. Stock eines Büroturms in Frankfurt hat die Oberbank nix zu suchen", zeigt der Oberbank-Generaldirektor die Grenzen der Expansion auf. Die Linzer Bank bleibt in der Umgebung der Metropolen, wie etwa in Hanau im Osten oder Darmstadt südlich von "Mainhattan".

Im klassischen Mittelstands-Land Baden-Württemberg wird noch sondiert. "In Ulm haben wir einen Testballon steigen lassen", sagt Gasselsberger. Ulm ist derzeit die einzige Filiale in Baden-Württemberg.

Der Marsch in den Osten

Auch in Tschechien sollen heuer noch zu den 22 Filialen noch zwei weitere dazu kommen. "Tschechien ist im Aufschwung und bringt es auf ein starkes Wachstum von rund vier Prozent", betont Gasselsberger. Und auch das viel geschmähte Ungarn ist weiterhin für den Oberbanker erste Wahl: "Es wird da sehr viel Schlechtes berichtet, was ich aber nicht bestätigen kann." Die Bankenabgabe ist der Höhe nach erträglich, "damit kann ich leben, sie ist überschaubar". Das Geschäft läuft auch in Ungarn recht gut. Im Gegensatz zu anderen Banken, die sich in Ungarn mit Fremdwährungskrediten eine blutige Nase geholt haben, ist die Oberbank von "diesem Thema" nicht betroffen. Bis Jahresende will die Oberbank zu den bestehenden zehn Filialen immerhin noch vier weitere Bankfilialen eröffnen. Bis zum Jahr 2020 sind in Ungarn insgesamt 20 Standorte geplant.

In Österreich soll ebenso die Zahl der Bankfilialen erhöht werden - von derzeit 98 in Österreich auf über Hundert. Bis im Frühjahr 2018 sollen alleine in Wien zwei weitere Filialen zu den bestehenden 25 Standorten eröffnet werden.

Der Blick über die Berge

Die Regionalität wird mit den Geschäftskunden auf internationale Ebene gehoben. Die Oberbank hat jüngst neben einer dänischen Bank als erstes europäisches Geldinstitut ein Rahmenabkommen mit dem Iran vereinbart. Dabei handelt es um Finanzierungen (in Euro) über mehr als zwei Jahre für Projekte gleich mehrerer österreichischer Unternehmen. Die Projekte sind durch die Oesterreichische Kontrollbank zu 99 Prozent gedeckt.


"Der Iran wird ein ganz großes Ding"

Einzig fehlt noch die Zusage unter Unterfertigung der Iraner. "Wir hoffen, dass der Vertrag im Herbst unter Dach und Fach gebracht wird", hofft Gasselsberger. Einziger Haken an den Geschäften mit dem Iran sei derzeit, dass die Entscheidungswege bei den Partnern im Iran noch etwas länger dauern. "Derartige Entscheidungen werden von mehreren Personen als Gruppe gefällt. Und das dauert dann halt ein wenig länger", sagt Gasselsberger. Und dort gibt es, vorsichtig ausgedrückt, ein wenig Kompetenzgerangel, "wer für was zuständig ist". Die Projekte der der heimischen Unternehmen mit dem Iran seien ausfinanziert, die Produkte bereits so gut wie fertig und könnten heuer geliefert werden. "Es warten alle nur noch auf die Zustimmung der Iraner."


Wir machen die Digitalisierung nicht wie alle anderen um Kosten zu sparen

Die Sanktionen der EU und der USA sieht der Banker derzeit wenig problematisch: "Wir halten die Richtlinien exakt ein." Der Oberbank-General freut sich indes bereits auf die neuen Geschäftsbeziehungen: "Das wird der große Wurf - für uns als Bank und es kann auch für Österreich die Chance sein." Der Iran ist laut Gasselsberger ein immenser Markt mit hervorragenden Chancen für Österreichs Wirtschaft. "Da müssen wir dran bleiben."

Digital als Zusatzservice

Aber nicht nur, was Zukunftsmärkte anbetrifft, sondern auch zur Digitalisierung und Online-Banking anbetrifft hat der Oberbank-Chef einen Matchplan. Vor den aufstrebenden Fintechs, die das Bankgengeschäft auf den Kopf stellen wollen, aber auch der klassischen Bankenkonkurrenz mit ihren forcierten Online-Aktivitäten fürchtet sich Gasselsberger indes nicht. "Wir machen die Digitalisierung nicht wie alle andere Banken, um Kosten zu sparen, indem Services auf den Kunden abgewälzt werden, die bisher die Banken angeboten haben. Wir bieten die digitalen Services an zur Kundenbindung und für den Komfort", sagt Gasselsberger. Und die Nachfrage sei "sehr groß, nicht nur bei den jungen Kunden".

"Unser Strategie ist auf beides ausgelegt - auf das Filialgeschäft und die Digitalisierung", betont der Oberbank-Chef. Bei der Digitalisierung hat die Oberbank zuletzt "größere Investitionen" getätigt. Wie hoch der Investitionssumme war, wollte Gasselsberger nicht sagen.

Auch die Oberbank werde den digitalen Vertriebsweg freilich weiter ausbauen und entwickeln. "Wir machen da Schritt um Schritt", so der Banker.

Welcher der 6000er soll es sein?

Abseits des Bankengeschäfts frönt Gasselsberger freilich "zum Ausgleich" seinem Hobby Bergsteigen. Bescheidet sich der Oberbank-Chef geschäftlich beim Mittelstand, will er hingegen sportlich in den Bergen hoch hinaus. Unter einem 6000er scheint es Gasselsberger nicht mehr zu machen.

Der 59-Jährige kam erst kürzlich aus dem Tibet zurück, wo er gemeinsam mit seiner Frau seinen fünften 6000er-Gipfel bestiegen hatte.

"Da gehen Sie hin mit den Bergführern und die Fragen: Welcher der 30 6000er soll's denn sein?" Für nächstes Jahr ist die nächste Gipfelbesteigung bereits eingeplant.

Vorher trainiert der passionierte Bergsteiger und Läufer auf den Linzer Marathon im Frühjahr 2018. "Ich laufe aber nur den halben, für den ganzen Marathon habe ich zu wenig Zeit zum Training." Allerdings: Den Halbmarathon scheint Gasselsberger genauso im kontrollierten Eiltempo anzugehen, wie die Expansion seiner Oberbank. Für die Halbdistanz braucht der Banker etwas mehr als 90 Minuten - für einen Hobbyläufer seiner Altersgruppe eine beachtliche Zeit.


Die Linzer Regionalbank

Die börsennotierte Oberbank (AT0000625108) hat im ersten Halbjahr 2017 wieder den Gewinn gesteigert - vor Steuern um 17,7 Prozent auf 123,1 Mio. Euro und nach Steuern um 15,6 Prozent auf 101,6 Mio. Euro. Das Rekordergebnis des Vorjahres mit einem Jahresüberschuss vor Steuern von 219,1 Mio. Euro (plus 14,4 Prozent) und nach Steuern 181,3 Mio. Euro (plus 8,9 Prozent) soll heuer wieder erreicht oder sogar leicht übertroffen werden.

Vor allem durch die Zuwächse bei den Kundenkrediten und den Kundeneinlagen wuchs die Bilanzsumme der Oberbank um 7,1 Prozent und kam damit erstmals über die 20 Mrd-Grenze (exakt: 20,046 Mrd. Euro). Die Primäreinlagen haben um 4,1 Prozent auf 13,2 Mrd. Euro zugenommen, die Wertpapiere auf den Kundendepots um 9,7 Prozent auf 13,9 Mrd. Euro.

Das Kreditvolumen wuchs seit Mitte 2016 um 6,9 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro. Damit halte der Trend an, dass das Kreditvolumen des Geldinstituts auch im ersten Halbjahr 2017 stärker gewachsen ist als der österreichische Gesamtmarkt (plus 2,1 Prozent) und der Euroraum (plus 4,6 Prozent). Von der allgemein positiven wirtschaftlichen Entwicklung zeigte sich der Bankenchef doch "überrascht", da die "externen Rahmenbedingungen wie Brexit, Trump und die Wahlen in Frankreich" dies nicht unbedingt hätten erwarten lassen.

Trotz einer umsichtigen Vorsorgepolitik der Oberbank waren zuletzt mehr Vorsorgen aufzulösen als neu zu bilden. Damit ergab sich aus den Risikovorsorgen ein Ertrag von 2 Mio. Euro nach einem Aufwand von 17,2 Mio. im ersten Halbjahr 2016.

Die Oberbank (2.036 Mitarbeiter, 156 Filialen) ist die größte Regionalbank der 3-Banken-Gruppe. Bis zum Jahr 2020 will die Oberbank das Filialnetz nochmals um etwa 20 auf 175 Filialen erweitern.

An allen drei Banken (Oberbank, BKS, BTV) hält die UniCredit Bank Austria wesentliche Aktienpakete. Die Regionalbanken sind zudem untereinander verflochten. Ein Drittel der Aktien der börsennotierten Oberbank befinden sich im Streubesitz.

Der Kurs der Stammaktie der Oberbank hat im Jahresabschnitt um 36,1 Prozent zulegen können, die Vorzugsaktie notiert sogar um 51 Prozent über dem Vorjahreskurs.


Die KTM-Fahrrad-Chefinnen: Johanna Urkauf (29) ist seit 2018 Geschäftsführerin beim größten Fahrrad-und E-Bike-Hersteller Österreichs. Carol Urkauf-Chen (62) zieht aber vorerst weiterhin die Fäden im Unternehmen.

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