Oberbank-Chef Gasselsberger: "Schwächere Konjunktur heißt höheres Risiko" [Interview]

Oberbank-Chef Gasselsberger: "Schwächere Konjunktur heißt höheres Risiko" [Interview]

Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger

Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank, sagt, dass die Banken in den letzten Jahren enorm profitiert haben, sich die Lage aber normalisieren wird. Von der Regierung hält er viel.


  • Oberbank ist weiterhin auf Rekordkurs
  • Der Kampf gegen Fintechs und Google & Co
  • Der Expansionskurs in Deutschland
  • Die Oberbank-Kultur
  • Die neue Mitarbeiterstiftung
  • Franz Gasselsberger zu den "Brocken" der neuen Regierung

trend: Die Oberbank hat heuer zum neunten Mal hintereinander das beste Neunmonatsergebnis ihrer Geschichte präsentiert. Wird es auch wieder das beste Jahresergebnis?
Franz Gasselsberger: Das Jahr ist noch nicht vorbei. Aber ich nehme schon an, dass wir das Vorjahr wieder erreichen oder leicht übertreffen werden. Wir sind nach drei Quartalen super unterwegs.

Und im nächsten Jahr ...
Gasselsberger: Ich glaube, das Jahr 2019 bringt ganz andere Rahmenbedingungen. Wir haben es schon mit einer Abschwächung der Wirtschaft zu tun. Ich rede nicht von Krise oder Rezession, aber die Zuwachsraten werden in allen Bereichen geringer ausfallen: beim BIP, beim Export und bei den Unternehmenskrediten. Außerdem steigen die Prognoserisiken - siehe Brexit, Handelskriege, Italien oder weltweite Gesamtverschuldung. Wenn das eine oder andere Thema eskaliert, hätte das weitere negative Auswirkungen.

Unternehmenskredite wurden 2018 sehr gut nachgefragt. Ist der Höhepunkt überschritten?
Gasselsberger: Die Ausrüstungsinvestitionen in Österreich sind in den letzten beiden Jahren um 4,5 bzw. 4,6 Prozent gewachsen. Das und die Nachfrage aus dem Wohnbau- und Immobilienbereich hat dazu geführt, dass das Kreditwachstum schon im Halbjahr bei 6,6 Prozent lag, doppelt so hoch als in der Eurozone. Das wird so auf Dauer nicht aufrecht zu erhalten sein. Wir befinden uns ja am Ende eines sehr langen und reifen Hochkonjunkturzyklus. Die Banken profitieren im Moment ungemein von der günstigen Risikosituation. Auch das Kreditrisiko wird sich wieder normalisieren. Wenn sich die Konjunktur abschwächt, wird es höher. Die Aufsicht bejammerte ursprünglich die zu zögerliche Kreditvergabe durch die Banken, jetzt sorgt man sich da und dort schon wieder um die etwas zu lockere Kreditvergabe.

Könnte es bei Immobilienkrediten zu gröberen Verwerfungen kommen, wenn die Zinsen wieder steigen?
Gasselsberger: Die Zinsen werden nicht derart steigen, dass hier größere Auswirkungen zu erwarten sind. Möglicherweise wird es 2019 am Geldmarkt zur Rücknahme der Negativzinsen kommen, aber es wird langsam gehen.

Das Privatkundengeschäft der Banken ist im Umbruch. Die Bawag P.S.K. etwa kooperiert mit Handelskonzernen wie Mediamarkt. Planen Sie auch was in diese Richtung?
Gasselsberger: Nein, die Filiale bleibt unsere zentrale Vertriebsschiene gegenüber dem Kunden. Wir haben natürlich auch einen starken Fokus auf digitale Angebote, aber als Instrument der Kundenbindung, nicht, um Kosten zu reduzieren. Bei Vermögensveranlagung, Wohnraumfinanzierung und Vorsorge gibt es auch künftig keine Alternative zum persönlichen Gespräch. Jenen Banken, die derzeit so massiv digitale Themen betonen, geht es vor allem um Kosten, weil sie viele Privatkunden mit nicht so günstiger Ertragslage haben. In der Situation sind wir nicht, wir verdienen auch in diesem Segment gutes Geld. Den Online-Konsumkredit werden wir zwar kommendes Jahr bringen, aber die Nachfrage ist da immer noch sehr gering.

Und Oberbank-Kredite in den Filialen von Handelsketten?
Gasselsberger: Da geht es um Konsumkredite zwischen 1.000 und 2.500 Euro. Ganz ehrlich, das möchten wir nicht. Solche letztlich teuren Abstattungskredite sind nicht unser Geschäft.

Ab 2019 müssen Banken - wenn der Kunde zustimmt - ihre Daten auch Dritten zur Verfügung stellen, was für digitale Newcomer ein großer Vorteil ist. Wie bereitet sich Oberbank darauf vor?
Gasselsberger: Wir haben da einen offensiven Zugang, weil wir glauben, dass die Chancen, neue Kunden zu gewinnen, für uns größer sind als die Risiken, welche zu verlieren. Ich bin schon sehr gespannt, wie beweglich der Markt sein wird. Datenschutz ist für viele Kunden sehr wichtig. Ich könnte mir vorstellen, dass es Zurückhaltung gibt, Dritten, zu denen man keine enge Verbindung hat, Zugang zu den eigenen Daten einzuräumen.

Plant die Oberbank, ganz gezielt Kunden anderer Institute abzuwerben?
Gasselsberger: Im Moment hat das keine Priorität. Wir beobachten einmal die Marktentwicklung.

Und wenn Amazon, Google oder Apple einmal ernsthaft in diesen Markt drängen, hat die klassische Filialbank auch noch eine Chance?
Gasselsberger: Man muss sich im Klaren sein: Ein ernsthaftes Bedrohungspotenzial gibt es im Zahlungsverkehr und rund um das Konto, weil neue Bezahldienste die Kunden sehr gut kennen. Unsere Antwort müssen eigene, sehr komfortable Digitallösungen sein. Im Kredit- und Veranlagungsbereich sehe ich keine Bedrohung. Es ist auch um die Fintechs etwas ruhiger geworden, weil auch die ein Geschäftsmodell brauchen, wo es sie etwas verdienen.

Noch einmal zurück zum Kommerzgeschäft. Sie haben einen Fokus auf die Tourismusbranche angekündigt. Sind nicht gerade Hotels oft Wackelkandidaten mit zu wenig Eigenkapital?
Gasselsberger: Die Branche zeichnet sich durch eine unheimliche Konjunkturstabilität aus und ist eine Lokomotive für den ländlichen Bereich. Als Bank kann man hier reüssieren, wenn man selbst eine hohe Eigenkapitaldecke und entsprechendes Know-how hat. Es braucht andere Mitarbeiter als den klassischen Industrieberater. Wir konzentrieren uns auf Vier- und Fünf-Sterne-Betriebe, möglichst eigentümergeführt, in denen nachhaltig Geld verdient wird. Das ist unsere Zielgruppe. In den letzten Jahren wurden mehr als 600 Millionen Euro an Tourismusfinanzierung vergeben. Und in Deutschland kümmern sich die Banken nicht um den Tourismus - was für die Oberbank sehr gut ist.

Geht die Expansion in Deutschland auch sonst weiter?
Gasselsberger: Wir werden dort nächstes Jahr von 34 auf 43 Filialen kommen. Ein Schwerpunkt ist Baden-Württemberg, weil sich dort sehr viel tut, was die Kunden mit einem gewissen Argwohn sehen, etwa Fusionsgerüchte um Commerzbank und Deutsche Bank oder Rückzug der Volksbanken. Deswegen haben wir die Möglichkeit, viele gute Filialleiter und anderes Personal zu bekommen, was ich sonst als größte Eintrittshürde gesehen hätte. Die Herausforderung ist, die Leute in die Oberbank-Kultur zu integrieren. Darauf verwenden wir sehr viel Energie. Die alte Kultur muss auf der Festplatte gelöscht, die neue draufgespielt werden.

Und was zeichnet die Oberbank-Kultur aus?
Gasselsberger: Engagement und Leidenschaft, Nachhaltigkeit und Kontinuität in der Geschäftspolitik, wertschätzender Umgang mit Kunden und Mitarbeitern. Und natürlich unsere Vision: Wahrung der Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. 2019 feiern wir 150 Jahre Oberbank. Ich möchte nicht wie beim Haus Rothschild irgendwann lesen müssen: Die Oberbank war eine erfolgreiche Bank.

Ist Absicherung der Unabhängigkeit auch der Hauptgrund für die aktuelle Gründung einer Mitarbeiterstiftung?
Gasselsberger: Es gibt drei Gründe: Wir wollen die Mitarbeiter, die derzeit vier Prozent halten, als strategischen Aktionär stärken. Zweitens braucht die Personalabteilung Hard Facts, um gute Leute engagieren zu können. Und schließlich ist das für die Mitarbeiter eine zusätzliche Pensionssäule.

Die Überregulierung wird bei Weitem nicht mehr so laut bejammert wie noch vor zwei Jahren. Haben sich die Banken arrangiert?
Gasselsberger: Das Jammern bringt ja nichts. Die mittleren und großen Banken haben ihre Overheads aufgestockt, um die Vorgaben erfüllen zu können. Viele Regularien haben geholfen, mehr Eigenkapital aufzubauen. Freiwillig wäre das nicht passiert. Banken mit einer Bilanzsumme bis fünf Milliarden Euro haben gewisse Erleichterungen bekommen. Für die Oberbank wird es nicht leichter, da mache ich mir keine Illusionen. Wir werden im Gegenteil irgendwann in Richtung "Significant Bank" kommen, das gilt ab 30 Milliarden Bilanzsumme.

Hat sich durch die Aufstockung der Overheads Ihre Cost-Income-Relation verschlechtert?
Gasselsberger: Sie wäre noch besser, ist aber auch so top. Wir werden heuer in der Gegend von 48 bis 50 Prozent liegen. Wir haben immer noch zwei Drittel unserer Leute im Vertrieb.

Wie beurteilen Sie die Arbeit der neuen Regierung für den Wirtschaftsstandort?
Gasselsberger: Sie ist aus Sicht der Wirtschaft positiv, die Banken haben sehr kompetente Gesprächspartner, und die Regierung kommt schnell zu Entscheidungen. Aber die großen Brocken stehen ja noch aus.

Die da konkret wären?
Gasselsberger: Spannend wird, wie die Gegenfinanzierung für die Steuerreform ausschaut, wie es mit vermögensbezogenen Steuern ausschaut - da sagt ja sogar das Wifo, dass wir am unteren Ende in Europa sind. Oder: Kommt etwas bei umweltbezogenen Steuern? Bei diesen Fragen wird man sehen: Was traut man sich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass viel riskiert wird, weil die Regierung ja ein super Image hat. Sie wird versuchen, der Bevölkerung in der Breite möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Mit Bedauern sehe ich, dass man die Pensionsreform nicht angehen wird.

Glauben Sie an die angekündigte Belebung des heimischen Kapitalmarktes?
Gasselsberger: Ich nehme schon an, dass die Steuerreform auch kapitalmarktrechtliche Aspekte haben wird. Es wird hoffentlich etwas kommen, das ein Signal für den Vermögensaufbau darstellt.


Zur Person

Franz Gasselsberger , 59, verbrachte sein gesamtes Berufsleben bei der Oberbank AG. 1983 trat er in die Geschäftsstelle Wels-Neustadt ein, später wechselte er nach Salzburg. 1998 wurde Gasselsberger in den Vorstand berufen, seit 2005 ist er Generaldirektor. Der oberösterreichische Topmanager sitzt im Aufsichtsrat der Amag und der Voestalpine - an beiden Unternehmen werden Anteile gehalten - sowie im Kontrollgremium der Lenzing AG. Sein größtes Ziel ist, die Oberbank unabhängig zu halten.


Das Interview ist der trend.PREMIUM-Ausgabe 50-52/2018 vom 14. Dezember 2018 entnommen.

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