Oberbank-Chef Gasselsberger: "Keine Normalisierung in Sicht"

Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger ist weiterhin auf Erfolgskurs. 2018 konnte die Oberbank zum neunten Mal in Folge ein Rekordergebnis verbuchen. Für 2019 ist er weiter optimistisch, angesichts der globalen Wirtschaftslage allerdings vorsichtiger.

Oberbank Generaldirektor Franz Gasselsberger

Oberbank Generaldirektor Franz Gasselsberger

Alle Neune. Oder "nine-in-a-row", wie Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger sagt. Zum neunten Mal in Folge kann sich der Bankendirektor über ein Rekordergebnis in der Jahresbilanz freuen.

Das ist in der Bankenwelt außergewöhnlich. Bei der Oberbank, deren 150. Bestandsjubiläum im Jahr 2019 gefeiert wird, ist aber einiges anders als normal.

Während andere Banken Sparpakete schnüren konnte die Oberbank im Vorjahr ihr Ergebnis zum wiederholten Male in allen relevanten Punkten verbessern. Vor Steuern stiegen der Gewinn und der Provisionsüberschuss um jeweils 13,2 Prozent. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 270,5 Millionen Euro vor Steuern. Das Zinsergebnis konnte um knapp zehn Prozent verbessert werden, die Kapitalausstattung gestärkt werden und dank der konsequenten Kostenpolitik liegt die Cost-Income-Ratio bei knapp 49 Prozent - deutlich über dem Gesamtmarkt (Details siehe Tabelle).


Oberbank Geschäftsergebnis

in Mio. EUR 2018 2017 +/- in %
Überschuss vor Steuern 270,5 238,9 13,2 %
Überschuss nach Steuern 225,6 200,5 12,5 %
Bilanzsumme 22.212,6 20.830,6 6,6 %
Kundenkredite 15.883,0 14.760,3 7,6 %
Primäreinlagen 14.244,0 13.394,7 6,3 %
Cost-Income-Ratio 48,92 % 49,90% -0,98 %-P.
Kernkapitalquote 17,77 % 17,03 % 0,74 %-P.
Anzahl der Filialen 170 161 9
Angaben: Oberbank

Alles paletti? Beinahe. So zufrieden Bankenchef Gasselsberger mit dem Verlauf des Jahres 2018 auch ist: Im letzten Quartal 2018 ging das Kreditwachstum spürbar zurück, und zwar sowohl im Corporate- Bereich als auch am Privatkundensektor und die ersten beiden Monate des Jahres 2019 haben die Anfangs-Dynamik des Jahres 2018 ebenfalls vermissen lassen. "Das Kreditwachstum war 2018 von Anfang an euphorisch. Das ist es jetzt nicht mehr", kommentiert Gasselsberger die Entwicklung. Er rechnet daher nicht damit, das Rekordergebnis 2018 nochmals verbessern zu können. Trotz der ungebrochenen Expansion der Bank.

Niedrigstzinsen kurbeln das Geschäft an

Die Entwicklung der Kreditnachfrage steht in direktem Zusammenhang mit der Zinsentwicklung. 2018 wurde sie von Jahresbeginn an durch die anhaltend niedrigen Zinsen angefeuert. Die Diskussion um mögliche Zinsschritte der EZB hat ihr dann aber im Jahresverlauf einen bis jetzt andauernden Dämpfer verpasst. Obwohl diese Diskussion zumindest vorerst wieder Geschichte ist und der Ober-Oberbanker bereits wieder ein Anziehen der Kreditnachfrage auf Privat- und Unternehmensseite registriert hat, ist das Jahr 2019 langsamer angelaufen.

Doch nun könnte das Kreditgeschäft wieder anziehen. Eine Änderung in der Zinsenwelt schließt Gasselsberger jedenfalls mittlerweile aus. "Von einer Normalisierung der Zinsen kann keine Rede sein", sagt er, "2019 wird das Umfeld schwieriger, die Notenbanken ob in den USA, in China oder in Europa sind bereits wieder im Krisenmodus." Eventuell könne die Entwicklung auch zu einer Rezession führen - das werde sich aber erst im dritten oder vierten Quartal zeigen.

Vom Rezessions-Gespenst will sich Gasselsberger jedenfalls nicht abhalten lassen, weiterhin auf Expansion zu setzen. Er verfolgt damit im Banken-Sektor, wo man Expansion fast nur noch von Start-ups, nicht aber von Universalbanken wie der Oberbank kennt, weiterhin eine außergewöhnliche Strategie. Auf die Frage "Wie macht das der Gasselsberger?" gibt er eine Antwort in drei Punkten: Erstens habe die Oberbank kein Kostenproblem, zweitens sei sie mit in Summe 180 Filialen, davon aktuell 43 in Deutschland, nicht überfilialisiert und drittens bietet die Oberbank allen Filialen sowohl das Privatkunden- als auch das Firmenkunden-Geschäft an, was es den Filialen erleichtert, erfolgreich zu wirtschaften.


Oberbank Aktie

Die Oberbank-Aktie (ISIN AT0000625108) hat in den letzten fünf Jahren eine makellose Entwicklung vollzogen und alle Untiefen der internationalen Börsen unbeschadet und unbeeindruckt überstanden. Das Papier ist seither von 50 auf einen historischen Höchststand von gut 94 Euro gestiegen. Der Gewinn per anno liegt über fünf Jahre bei 13,6 Prozent, über drei Jahre bei 19,5 Prozent.

Oberbank-Akite; ISIN AT0000625108; 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen auf den Chart klicken.

Oberbank-Akite; ISIN AT0000625108; 5-Jahres-Entwicklung. Für aktuelle Kursinformationen auf den Chart klicken.


Hinzu kommt ein in den vergangenen Jahren konsequent durchgezogenes Cost-Cutting-Program, das es der Bank heute ermöglicht, die Digitalisierung nicht als weiteres Instrument zur Kostensenkung, sondern zur Kundenbindung zu nutzen.

Mit Tradition zum Erfolg

Die Digitalisierung hat es mit sich gebracht, dass Bankkunden mündiger und besser informiert sind, dass viele Bankgeschäfte an sieben Tagen der Woche rund um die Uhr auch vom Smartphone abgewickelt werden. Dennoch sieht Gasselsberger etwa bei Themenbereichen wie der Wohnbau-Finanzierung, bei der Geldanlage oder bei der Vorsorge immer noch keine Alternative zum Beratungsgespräch in der Bank. "Man darf die digitale Entwicklung nicht übersehen, aber auch nicht zu schnell sein", erklärt Gasselsberger seine Position. Geeignete Mitarbeiter zu finden und sie zu Ober-Bankern zu machen ist daher für ihn ein zentraler Punkt bei der weiteren Expansion.

In den deutschen Bundesländern Sachsen und Baden-Württemberg gab es für die Bank mit Zentrale in Linz im vergangenen Jahr ein besonders günstiges Umfeld und wechselbereites Personal, weshalb dort gleich mehrere neue Filialen eröffnet wurden. "Ich wollte nie nach Freiburg gehen, hatte das nie auf dem Plan", sagt Gasselsberger, und doch wurde dort im Jahr 2018 eine erste Oberbank-Filiale eröffnet.

Auch in Hinblick auf das international wieder schwierigere Konjunkturumfeld ist das Kreditgeschäft für die Oberbank weiterhin wichtig, gewinnbringend und obendrein Business mit Zukunft - auch in Hinblick auf die Wohnbaufinanzierung. "Junge Leute können die benötigten Eigenmittel nicht mehr darstellen. Bei der Finanzierung muss die ganze Familie zusammenhelfen und trotzdem werden die Einheiten kleiner", weiß Gasselsberger. Stark steigend ist in dem Zusammenhang auch die Nachfrage nach Fixzinskrediten, der mittlerweile bei 30 bis 40 Prozent liegt. "Es ist wichtig, das Zinsänderungs-Risiko abzusichern, denn billiger wird es nicht", sagt Gasselsberger, der auch im Zusammenhang mit Wohnraumfinanzierung traditionell denkt: "Es ist eine Lebensinvestition, dessen muss man sich bewusst sein."

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