"Obama bedankte sich bei mir. Hier wartet man umsonst."

Peter Mitterbauer, CEO Miba

Peter Mitterbauers Miba zählt zu den zehn größten Autozulieferern Österreichs und ist mit 2.400 Mitarbeitern alleine in Österreich ein bedeutender Arbeitgeber.

Peter Mitterbauer, Chef des Autozulieferer-Riesen Miba in Oberösterreich, geht im Interview mit trend.at hart mit österreichischen Politikern ins Gericht, erzählt wie es ist, als österreichisches Unternehmen Geschäfte in China zu machen, was ihm in den USA imponiert und wie der Zulieferer Autoherstellern hilft Sprit zu sparen.

Sie haben auf trend.at in einem Kommentar geschrieben, dass Diesel sauberer als Elektroautos sind. Noch nie gab es auf unserem Portal auf einen Artikel so viele Leserreaktionen wie auf diesen. Ist die Debatte bereits zu emotional, um darüber sachlich diskutieren zu können?

Mitterbauer: Wir sollten die Debatte tatsächlich wieder auf eine sachlich-technische Ebene zurückführen. Denn die Forderung nach der Senkung der Kohlendioxide als oberste Priorität greift zu kurz. Man muss beim Ausstoß eines Antriebs den gesamten ökologischen Fußabdruck sehen. Elektroautos, die derzeit als große Alternative propagiert werden, speisen 50 Prozent des Strombedarfs in der EU aus umweltschädlichen Rohstoffen Kohle, Gas und Öl. Wenn man daher der Umwelt etwas Gutes tun will, sollte man einen Diesel kaufen. Ich sage, das nicht weil, wir zehn Prozent unseres Umsatzes mit der Produktion von Teilen für den Dieselmotor erzielen, sondern aus vollster Überzeugung.


Österreich ist in Europa das Kompetenzzentrum für den Dieselmotor schlechthin. Da steht derzeit viel auf dem Spiel.

Die Zuliefererbranche zittert trotzdem, vor allem vor dem geplanten Fahrverbot für Dieselautos in deutschen Großstädten. Alleine bei deutschen Autozulieferern sind 50.000 bis 390.000 Jobs vom Diesel abhängig.

Mitterbauer: Da steht viel auf dem Spiel. In Österreich hängen 450.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt an der Automobilbranche. Die Kompetenz für Verbrennungsmotoren liegt in Europa, Österreich ist sogar das Kompetenzzentrum für den Dieselmotor schlechthin. Wenn wir hier nicht weiterforschen, geben wir unsere Kompetenz aus den Händen. Bei Elektroantrieben dominieren derzeit die Koreaner und die Chinesen.


Noch großes Einsparpotential beim Verbrennungsmotor

Manche Hersteller behaupten, dass nach den großen Einsparungen bei schädlichen Ausstößen für Verbrennungsmotoren in den vergangenen Jahren, das Einsparungspotential deutlich geschrumpft ist.

Mitterbauer: Das sehe ich anders. Da gibt es noch reichlich Einsparmöglichkeiten sowohl was Effizienz, Sauberkeit als auch Geräuschreduktion betrifft. Auch der Einsatz von synthetischem Kraftstoff, wie Biogas, das wurde bisher kaum diskutiert. Aber auch die Elektromobilität bietet viel Innovationspotential. So benötigen Hybrid-Güterlokomotiven, die mit unseren Gleitlagern ausgestattet sind, um 25 Prozent weniger Treibstoff. Bei Elektroautos gelingt es uns mit unserer Technik die Stromzufuhr optimal zu regeln. Um die Entwicklung in diesem Bereich voranzutreiben, haben wir ein E-Mobility Innovation Lab gegründet.

Peter Mitterbauer, CEO Miba

Peter Mitterbauer, CEO Miba

Für Autohersteller als auch für Zulieferer spielt die Musik zunehmend in Asien. Bei der weltweit größten Automesse, die vor kurzem im Shanghai stattfand, haben die Chinesen viel versprechende Modelle, auch Elektroautos, in hoher Qualität vorgeführt. Gelingt es ihnen als Zulieferer ihre Produkte auch an chinesische Autohersteller zu verkaufen?

Mitterbauer: Wir beliefern zwar mit unseren zwei Werken in China in erster Linie europäische Hersteller, aber auch zahlreiche chinesische Autobauer, darunter auch große Konzerne wie Geely.


Unser Technologievorsprung ist in absehbarer Zeit nicht einholbar

Wie sehr ist Ihnen die Konkurrenz aus China bei Innovationen auf den Fersen?

Mitterbauer: Wir verfügen über einen großen Technologie-Vorsprung und sehen nicht, dass man uns in absehbarer Zeit einholen kann. Aber wir versuchen natürlich unsere Technologie zu schützen und achten darauf, dass das Wissen nicht unsere Werkstore verlässt. Ein Vorteil ist auch, dass wir im Gegensatz zu Autohersteller, als Zulieferer nicht verpflichtet sind mit chinesischen Konkurrenten Joint-Ventures einzugehen.


In China sind nur fünf unserer Mitarbeiter keine Chinesen.

Wie schwer ist es bei Geschäftsabschlüssen und im Arbeitsalltag mit chinesischen Geschäftspartnern zu kommunizieren? Hat man als ausländischer Anbieter einen großen Nachteil gegenüber lokalen Produzenten?

Mitterbauer: Da gibt es keinen Unterschied, zumal unsere Mitarbeiter bis hinauf ins Management dort nahezu ausschließlich aus Chinesen bestehen. In China haben wir beispielsweise nur fünf Mitarbeiter, die keine Chinesen sind. Auch in unseren anderen 16 Standorten im Ausland dominieren lokale Mitarbeiter. Ich glaube, dass das ein wichtiger Erfolgsfaktor unseres Unternehmens ist. Auch der Wissenstransfer ist uns ein Anliegen. So bieten wir Uniabsoloventen ein 18-monatiges Traineeprogramm in drei unterschiedlichen Standorten an, die überall sein können, außer in ihrem Heimatland. Ein Projekt, das sich bewährt.


Die chinesischen Mitarbeiter sind extrem interessiert und ehrgeizig

Wie beurteilen Sie chinesische Mitarbeiter?

Mitterbauer: Als extrem interessiert, willig und ehrgeizig. Wir verfügen dort über eine stabile gute Mannschaft.
Die Löhne in China sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Lohnt es sich, abgesehen davon, dass Sie nahe an den europäischen Autoherstellern, die vor Ort produzieren sein wollen, dort aus finanzieller Sicht überhaupt noch zu produzieren?

Mitterbauer: Das stimmt zwar, aber das Lohnniveau liegt noch immer deutlich unter jenem Österreichs. Dasselbe gilt auch für die Slowakei. Ein Facharbeiter mit fünf Jahren Berufserfahrung verdient in der Slowakei 15.000 Euro pro Jahr, in Österreich sind es im Schnitt zwischen 50.000 und 55.000 Euro. Selbst wenn die Löhne viel stärker steigen, würde dasselbe Lohnniveau wie in Österreich erst vielen Jahren erreicht sein.


Ohne das Wachstum im Ausland wären neue Jobs in Österreich nicht möglich

Lohnt es sich da überhaupt noch in Österreich zu produzieren?

Mitterbauer: Wir brauchen beides und bekennen uns zum Standort Österreich. So haben wir seit dem Jahr 2010 in Österreich 450 Mitarbeiter aufgenommen, obwohl wir 95 Prozent unserer Waren exportieren. 55 Prozent unseres Umsatzes produzieren wir hier. Österreich ist daher nach wie vor wichtig. Aber ohne das Wachstum im Ausland wäre das hohe Beschäftigungsniveau an unseren Standorten in Österreich nicht möglich.

Peter Mitterbauer, CEO Miba

Peter Mitterbauer, CEO Miba


Grundverständnis dafür, dass wir Arbeitsplätze schaffen, fehlt in Österreich

Was vermissen Sie als Industriebetrieb mit Ihren rund 2.400 Mitarbeitern in Österreich und damit als großer Arbeitergeber hierzulande in der Politik?

Mitterbauer: Ein Grundverständnis dafür dass wir Arbeitsplätze schaffen. Wir haben auch Werke in den USA und ich habe im vergangenen Jahr den damaligen Präsidenten Obama getroffen. Das erste was er zu mir gesagt hat, war: ´Thank you for investing in USA´. Das kostet nichts, aber es hat mir etwas bedeutet. Man merkt, dass die Wertschätzung für Unternehmer in Amerika eine ganz andere ist als in Österreich. Hier wartet man auf so eine Geste umsonst. Es ist jedoch auch hier wichtig Industrie und Gesellschaft ganzheitlich zu sehen. Das eine kann ohne das andere nicht. Wohlstand wird durch die Industrie geschaffen. Darüber sollte man sich im Klaren sein und das auch politisch zum Ausdruck bringen.


Hatte weder mit Faymann noch mit Kern tiefgehende Gespräche über Anliegen der Industrie

Haben Sie bereits Christian Kern oder seinen Vorgänger Werner Faymann getroffen und ihnen vielleicht sogar ihre Wünsche deponieren können, wie Unternehmen das bei Trump tun konnten und dazu Chefs großer Unternehmen getroffen hat.

Mitterbauer: Ich habe zwar beide schon getroffen. Inhaltlich tiefergehende Gespräche über die Anliegen der Industrie gab es aber nie, auch nicht in einem breiteren Forum.

Was sind ihre Hauptanliegen, die Sie an die Politik haben?


Extrem Schwankungen in der Nachfrage machen Arbeitszeitflexibilisierung erforderlich

Mitterbauer: Das wäre zum einen die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Die Märkte und damit die Nachfrage sind extrem volatil geworden. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen wir unsere Mitarbeiter flexibel einsetzen können. Die Politik ist gefordert dieser veränderten Nachfrage, mit der wir seit der vergangenen Dekade konfrontiert sind, mit entsprechenden Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen. Das zweite wichtige Thema ist die Förderung der Ausbildung von Studienfächern wie Mathematik, Informatik und Technik. Davon gibt es viel zu wenige Absolventen. Schon kleine Kinder sollten spielerisch in die Technik eingeführt werden. Wir bieten beispielsweise für Kinder unserer Mitarbeiter im Sommer Kurse an, wo Kinder Technik spielerisch erleben können. Das Projekt kommt so gut an, dass wir überlegen die Dauer auszuweiten. Ähnliche Förderung wünsche ich mir auch an Kindergärten und Schulen.


Maschinen, die an Computer andocken, werden viele neue Berufsbilder entstehen lassen

Der Einsatz von Robotern in der Industrie schreitet voran und die Menschen fürchten um ihre Arbeitsplätze. Werden in Zukunft nicht ohnehin viel weniger Techniker gebraucht als bisher?

Mitterbauer: Die Automatisierung der Industrie ist kein neuer Prozess und wir verstehen die Digitalisierung nicht ausschließlich als Prozess, um die Arbeit zu optimieren. Vielmehr wollen wir unsere Produkte mit einem digitalen Mehrwert ausstatten. So können intelligente Systeme künftig rechtzeitig daraufhin hinweisen, wann bei einem unserer Produkte ein Ersatzteil zu tauschen ist. Die Grundlage dafür bildet Algorithmen. Die Entwicklung solcher autonomer Robotersysteme, die an die Maschinen andocken, wird viele neue Berufsbilder entstehen lassen, für die es unter anderem Mathematiker und andere Spezialisten wie Datenanalysten, Softwareentwickler oder Mechatroniker braucht. Berufe, für die ein ganz anders Denken als bisher notwendig ist. Solche Spezialisten zu finden, ist derzeit nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Derzeit haben wir erst vier solcher Spezialisten gefunden, einer davon ist aus Österreich. Der andere ist ein Syrer, ein Slowake und ein Ungar. Um mehr solcher Talente zu bekommen, bräuchte es etwa locker zehn Fachhochschulen wie jene in Hagenberg wo etwa Automotive Computing gelehrt wird.


Die Entwicklung komplexer Systeme braucht Zeit

Wann werden Produkte von Miba mit intelligenten Robotersystemen ausgestattet werden können?

Mitterbauer: Wir arbeiten intensiv daran, aber das wird noch dauern. Die Entwicklung solcher komplexen Systeme braucht Zeit.

Sie haben Ende 2015 Ihr Unternehmen von der Börse genommen. Was hat sich seither geändert?

Mitterbauer: Wir können uns wieder verstärkt um Themen kümmern, die wirklich relevant für das Unternehmen sind und bekommen keine bürokratischen Hürden auferlegt, die uns in einem zu hohen Maß in Anspruch nehmen. Wenn wir auch weiterhin Jahresberichte veröffentlichen werden.


Wir geben keinen Gewinn bekannt. Der Druck auf die Margen ist ohnehin bereits hoch

Dennoch wollen Sie Ihren Gewinn nicht bekannt geben.

Mitterbauer: Das liegt am harten Wettbewerb in dem wir uns befinden. Viele unserer Konkurrenten firmieren als Stiftungen oder sind Hedgefonds und müssen ihre Gewinne nicht bekannt geben. Der Druck auf die Margen ist ohnehin bereits hoch, weshalb wir uns entschlossen haben, unsere Erträge zumindest nicht öffentlich zu kommunizieren. Unseren Erfolg kann man aber gut an der Eigenkapitalquote ablesen, die derzeit 58 Prozent beträgt.


Unsere pulvermetallurgische Teile bei Motoren lösen immer öfter Stahl als Werkstoff ab

In welchem Bereich wachsen Sie derzeit am stärksten?

Mitterbauer: Bei Sinterformteile. In diesem Bereich verzeichnen wir 2016 im dritten Jahr in Folge ein starkes Wachstum. Von uns entwickelte leichte pulvermetallurgische Teile lösen immer öfter Stahlteile ab. Motoren werden so deutlich leichter und sind geräuschärmer als bisher. Unsere Sinterdivision, die 44 Prozent unseres Umsatzes von 752 Millionen Euro ausmacht, legte im Vorjahr um 13 Prozent zu. Auch die Verringerung von Reibung ist ein heißes Thema. Wir schaffen es so die Oberfläche von Bauteilen zu verbessern und letztlich wieder das Gewicht des Motors zu verringern, was den Verbrauch senkt. Die Division Reibbeläge zählt ebenfalls zu unseren stark wachsenden Bereichen. Noch vor zehn Jahren betrug der Umsatz 50 Millionen Euro, heute sind es 150 Millionen Euro. Unsere Innovationskraft lässt sich auch gut an der Zahl der Patente ablesen. Derzeit haben wir 28 Patente neu angemeldet. Insgesamt verfügen wir über 250 gültige Patente. Die Forschung und Entwicklung passiert überwiegend in Österreich.

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