Novomatic steigt auf zum Top-Aktionär bei Casinos Austria

Novomatic steigt auf zum Top-Aktionär bei Casinos Austria
Novomatic steigt auf zum Top-Aktionär bei Casinos Austria

"Faites vos jeux": Novomatic setzt voll auf die Casinos Austria. Und baut mit seinen Einsätzen eine Sperre gegen die Republik Österreich auf.

Nächster Streich im Übernahmepoker: Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic kauft weitere Anteile an den Casinos Austria. Sie übernimmt Anteile des Versicherungskonzerns UNIQA - und erhöht den Anteil somit um 11,4 Prozent auf 39,5 Prozent. Novomatic hält somit erstmals mehr Anteile als der bisherige Hauptaktionär Republik Österreich. Und der Angreifer aus Niederösterreich halt Lust auf mehr.

Gumpoldskirchen/Wien Just an dem Tag, an dem in Wien die Spielregeln für Live-Wetten auf Fußballspiele verschärft werden - Wetten auf den Torschützen des nächsten Tor, wer bekommt die nächste Verwarnung - schlägt der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic erneut zu. Novomatic übernimmt von der UNIQA-Versicherung die Beteiligung an den Casinos Austria. Das teilte die UNIQA am Dienstag ad hoc mit. Novomatic erhöht somit sein Aktienpaket an den Casinos Austria von 28 auf nun 39,5 Prozent und wird somit der größte Einzelaktionär. Die Wettbewerbsbehörde muss letztendlich dem Deal noch zustimmen.

Und damit dürfte der Spieltrieb von Novomatic nicht beendet sein: Noch diese Woche könnte es Schlag auf Schlag gehen. Es wird bereits damit gerechnet, dass der niederösterreichische Glücksspielkonzern noch weitere Anteile kauft - jene 11,35 Prozent der Vienna Insurance Group (VIG) sowie 9,44 Prozent der ehemaligen Kirchenbank Schelhammer & Schattera sollen ebenso zum Verkauf stehen.

Die zu Raiffeisen gehörende UNIQA erläutert den heutige avisierten Verkauf ihrer Casinos-Anteile damit, dass sie sich auf ihr Kerngeschäft Versicherungen in den Märkten Österreich und Zentral- und Osteuropa konzentriere. Der Kaufpreis wird nicht bekanntgegeben.Nach dem Verbot des Kleinen Glücksspiels muss Novomatic sein Geschäft in Österreich auf neue Beine stellen. Seit Freitag hat sich Novomatic endgültig die Casinos Austria als Übernahmeziel ins Visier genommen.

Der Aufstieg zum Aktionär Nummer 1

Novomatic wird demnach die 29-Prozent-Beteiligung der UNIQA Insurance Group an der Medial Beteiligungs-GmbH erwerben. Diese ist wiederum bisher mit rund 38 Prozent an der teilstaatlichen Casinos Austria beteiligt. Durchgerechnet entspricht die UNIQA-Beteiligung an der Medial einer Beteiligung von 11,4 Prozent an den Casinos. Damit kommt Novomatic auf einen Anteil von insgesamt 39,5 Prozent und überholt die Republik Österreich als den bisher größten Casinos-Austria-Aktionär. Über die ÖBIB (vormals ÖIAG) hält die Republik 33,24 Prozent der Aktien an den Casinos Austria.

Der Erwerb der Casinos-Anteile muss allerdings noch gesellschaftsrechtlich und kartellrechtlich genehmigt werden. Dies düfte nicht so einfach werden, der Deal ist wettbewerbsrechtlich heikel. "Das wird eine knappe Geschichte, zumal es nicht viele Wettbewerber gibt", sagte Kartellrechtsexperte Martin Stempkowski. Eine sogenannte Horizontalfusion zweier Wettbewerber sei aus zweierlei Gründen kritisch: Bekommen die beiden Firmen wechselseitige Einflussrechte, könnte das den wettbewerbsrechtlichen Willen des Partners beeinträchtigen. Außerdem könnten die Partner ihr Verhalten abstimmen, was wiederum dem Wettbewerb schaden könnte, gibt der Anwalt zu bedenken.

Marktbeherrschende Stellung

Noch hat Novomatic seinen Einstieg bei den Casinos nicht bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet, wie es bei der BWB auf APA-Anfrage hieß. Ab einer 25-prozentigen Übernahme muss der Zusammenschluss jedenfalls gemeldet werden, erklärte Kartellrechtsexperte Martin Eckel der APA. Kommen die beiden Unternehmen gemeinsam auf einen Marktanteil von mehr als 30 Prozent, werde eine marktbeherrschende Stellung vermutet, so der Anwalt: "Da muss man schauen, ob der Wettbewerb stark genug ist, dass das genehmigt werden kann."

Die Gretchenfrage wird sein, von welchem Markt die Wettbewerbshüter ausgehen. "Es gibt den sachlich relevanten und den geografisch relevanten Markt", so Eckel.

Novomatic betreibt in Österreich, im Gegensatz zu den Casinos Austria, keine Vollcasinos, die Vergabe der beiden Spielbanklizenzen für den Wiener Prater und Bruck an der Leitha hat kürzlich das Bundesverwaltungsgericht (BVG) gekippt. Ob das Finanzministerium neu ausschreibt, ist noch unklar. Man wolle sich "alle Optionen offenhalten", so eine Ministeriumssprecherin am Dienstag zur APA.

Auf dem Automatenmarkt hingegen sind beide Konzerne aktiv - die gesetzliche Grundlage ist aber eine andere. Novomatic betreibt in einigen Bundesländern Automatensalons, Basis dafür sind von den Ländern vergebene Lizenzen. Die Casinos wiederum zocken in ihren WINWIN-Automatenhallen, die zur Tochter Lotterien gehören. Berechtigung dafür ist die Lotteriekonzession, die dem Casinos-Konzern auch den Betrieb der Internetseite win2day sowie das Lottospiel ermöglicht. Klassische einarmige Banditen - auch solche von Novomatic - stehen freilich auch in den Vollcasinos. Auch Sportwetten, die in Österreich nicht als Glücksspiel deklariert sind, bieten beide Unternehmen an: Novomatic besitzt die größte Sportwettenkette Admiral, zum Casinos-Konzern gehört tipp3.

Die Prüfung der Wettbewerbshüter

Die Wettbewerbshüter müssen sich nun ansehen, ob die verschiedenen Spielangebote für die Kunden unterscheidbar sind. "Überlegt sich jemand, der spielen will, ob er ins Casino, in eine Automatenhalle oder ins Internet geht?", so Stempkowski von der Kanzlei Haslinger Nagele. "Es geht um die Austauschbarkeit aus Sicht der Konsumenten." Sollten die Wettbewerbshüter zur Erkenntnis kommen, dass die Vollcasinos ein anderes Zielpublikum ansprechen als Automatenhallen, würde es sich dabei um zwei eigene Märkte handeln.

Selbst dann müsste sich die Behörde aber ansehen, ob es die Marktposition dem Unternehmen ermöglicht, in wettbewerbsschädlicher Weise auf ähnlichen Märkten zu agieren, gibt der Kartellrechtsexperte zu bedenken. Die Frage sei, ob der Novomatic-Konzern am Glücksspielmarkt insgesamt so stark sei, dass er den gesamten Markt beeinträchtigen könnte.

Stempkowski vermutet, dass es bei Novomatic/Casinos zu einer vertieften Prüfung kommen wird. Dann wäre das Kartellgericht für den Fall zuständig. Dieses hätte fünf Monate Zeit, den Zusammenschluss unter die Lupe zu nehmen, so Eckel von der Kanzlei Taylor Wessing.

Gut möglich ist auch, dass sich die EU-Kommission der Causa annimmt. Eine der Voraussetzungen dafür ist eine Umsatzschwelle von 5 Mrd. Euro - diese wäre erreicht: Die Novomatic AG setzte zuletzt knapp 2 Mrd. Euro um, der Casinos-Konzern mehr als 3,6 Mrd. Euro. Stempkowski kann sich allerdings vorstellen, dass die heimische BWB beantragt, dass ihr die Kommission den Fall überweist. Wenn der Fall im Wesentlichen in einem Land spielt, kann die nationale Behörde das tun. Novomatic/Casinos "würde fast danach riechen", so der Jurist.

Die unfreundliche Übernahme

Damit schreibt Novomatic das nächste Kapitel einer sogenannten "unfreundlichen Übernahme". Stück um Stück kauft Novomatic Anteile von bisherigen Eigentümern, ohne dass der bisherige Hauptaktionär, die Republik Österreich, mitzieht. Und sich somit vor allem auch die Macht und das Sagen im Konzern aus den Händen gibt. Novomatic hielt sich heute zum weiteren Vorgehen bedeckt. Konzernsprecher Hannes Reichmann bestätigte lediglich, den knapp 11,4-prozentigen UNIQA-Anteil an den Casinos gekauft zu haben.

Seit Freitag voriger Woche ist Novomatic so von Null auf einen Anteil von 39,5 Prozent zum Hauptaktionär aufgestiegen. Und sichert sich somit für die Zukunft neben der Beteiligung auch ein massives Mitspracherecht. Es wird bereits davon ausgegangen, dass Novomatic noch mehr

Novomatic hat am Freitag bereits die Zustimmung der MTB Privatstiftung und der Leipnik-Lundenburger Invest erhalten, die ihre Casinos-Beteiligungen ebenfalls verkaufen wollen. Von MTB erwirbt Novomatic 16,8 Prozent der Casinos-Anteile, von LLI indirekt 11,34 Prozent.

Novomatic hielt sich heute zum weiteren Vorgehen bedeckt. Konzernsprecher Hannes Reichmann bestätigte lediglich, den knapp 11,4-prozentigen UNIQA-Anteil an den Casinos gekauft zu haben. Bei der VIG sowie Schelhammer & Schattera, die ihre Anteile ebenfalls abgeben wollen, war kein Kommentar zu erhalten.

Im Finanzministerium - der Staat hält ja ein Drittel an den Casinos - hieß es ebenfalls nur, man halte sich alle Optionen offen. Am Montagabend hatte Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) gesagt, er "glaube nicht", dass die Republik ihre Anteile abstoßen werde. Martha Oberndorfer, Chefin der Staatsholding ÖBIB, hatte jedoch gestern gegenüber der APA eine Reduktion der Anteile auf 25 Prozent plus eine Aktie ins Gespräch gebracht: "Theoretisch könnte die Republik ihren Anteil auf die Sperrminorität reduzieren", hatte Oberndorfer gemeint.

Wirtschaft

Rapid Wien - Der Doppelpass auf der Rasierklinge

Wirtschaft

Volkswagen investiert 44 Milliarden Euro in Zukunftstechnologien

Politik

Brexit: Theresa May kämpft um ihr politisches Überleben