Novomatic: Gezerre um Casinos Austria geht weiter

Novomatic: Gezerre um Casinos Austria geht weiter

Harald Neumann will den Kampf um die Casinos Austria mit seinen tschechischen Gegnern beenden und das Kriegsbeil begraben.

Im Kampf um die Casinos Austria will Novomatic mit den tschechischen Widersachern das "Kriegsbeil" begraben. Novomatic-Chef Neumann will eine rasche Lösung herbeiführen. Die Verschärfung der Spielregeln in Deutschland macht Novomatic Sorgen. Das Wiener Automatenverbot konnte nicht durch das Geschäft in den restlichen Bundesländern kompensiert werden.

Wien/London/Gumpoldskirchen. ( Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic ist 2015 dank vieler Zukäufe weiter gewachsen. Der Umsatz stieg erstmals auf mehr als 2 Mrd. Euro, nach 1,98 Mrd. Euro im Jahr davor. Der Ertrag war 2015 allerdings nach vorläufigen Berechnungen "geringfügig" unter dem Vorjahresniveau, sagte Konzernchef Harald Neumann bei der internationalen Glücksspielmesse (ICE) in London.

Heuer sind die Niederösterreicher weiter auf Einkaufstour und setzen dabei auf Europa. "Wir haben die Entscheidung getroffen, dass Europa unser Kernmarkt ist und wollen in allen relevanten Märkten, wo Glücksspiel gesetzlich geregelt ist, Marktführer werden", so Neumann. Die größten Märkte für Novomatic sind Großbritannien, Deutschland, Italien und Spanien. Insbesondere in Großbritannien und Spanien will Novomatic weitere Zukäufe tätigen. "In den letzten Monaten haben wir allein in Madrid 40 Arkaden (Spielstätten) gekauft."

Der Kampf um die Casinos Austria

Im Bieterkampf um die Mehrheit bei den teilstaatlichen Casinos Austria wollen die Streitparteien Novomatic und ein tschechisches Konsortium offenbar das Kriegsbeil begraben. Es könnte Vergleichsversuche geben. Novomatic-Chef Harald Neumann möchte schon in vier bis sechs Wochen eine Lösung haben, kündigte er bei der internationalen Glücksspielmesse ICE in London an.

Zuvor hatte Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) als Eigentümervertreter der Republik ausrichten lassen, dass Novomatic und die Tschechen ihren Streit beenden sollten, um dem Unternehmen nicht zu schaden.

"Wir haben uns bereits zusammengesetzt. Beide Parteien haben erklärt, eine vernünftige Lösung im Sinne der Casinos Austria zu finden", so Neumann am Mittwoch vor österreichischen Journalisten.

Wie diese Lösung aussehen könnte, ist aber noch alles andere als fix, räumte Neumann ein. "Alles ist offen." Ob Novomatic auf einen Teil seiner zugesagten Casinos-Anteile verzichten würde? "Vorstellen kann ich mir alles. Es gibt keine Limitationen in irgendwelche Richtungen", so der Chef des niederösterreichischen Glücksspielkonzerns.

Auch die Staatsholding ÖBIB, die ein knappes Drittel an den Casinos hält, werde "sicherlich dabei sein".

Die Tschechen und Novomatic seien "noch keine Freunde", jedoch mache es keinen Sinn, sich jahrelange Rechtsstreitigkeiten zu liefern. "Das kann nur dem Unternehmen schaden."

Die Suche nach der Lösung

Der Fokus der Lösung werde eher im Inland - bei den Casinos Austria - denn im Ausland liegen. Wenngleich man in Griechenland, wo die Tschechen in der Lotterie Opap investiert sind, schon kooperiere. Novomatic werde aller Voraussicht nach Spielecontent für Video Lottery Terminals (VLT) liefern, sagte Technologievorstand Thomas Graf.

Novomatic hält nach Neumanns Rechnung durchgerechnet rund 40 Prozent an den Casinos Austria. "Wir haben unterschriebene Verträge mit Leipnik-Lundenburger Invest (LLI), UNIQA und der MTB Privatstiftung. Diesen Erwerb haben wir bei der Bundeswettbewerbsbehörde angemeldet." Zuvor schon hat sich Novomatic bei der Casinos-Tochter Lotterien zu knapp 24 Prozent eingekauft. "Das ist abgeschlossen", so Neumann.

Die Tschechen haben bei den Casinos über die CAME Holding den Fuß in der Tür: Sie haben der Vienna Insurance Group (VIG) die CAME abgekauft und halten damit 11,3 Prozent an den Casinos. Die CAME ist Miteigentümerin der Medial Beteiligungs-Gesellschaft, die rund 38 Prozent an den Casinos hält und in der auch LLI und UNIQA sowie die Ex-Kirchenbank Schelhammer & Schattera sitzen. Die Tschechen sind der Rechtsmeinung, sie hätten durch den CAME-Erwerb ein Vorkaufsrecht, LLI und UNIQA könnten also nicht so einfach an Novomatic verkaufen.

Kampf um die Kontrolle über die Casinos

Beide Streitparteien haben bei der Bundeswettbewerbsbehörde angemeldet, die Kontrolle über die Casinos übernehmen zu wollen. Zusätzlich haben die Tschechen eine Klage eingebracht. Neumann: "Wir haben die unterschriebenen Verträge, sie haben aufgrund einer Rechtsmeinung angemeldet. Das ist ein großer Unterschied."

Die Wettbewerbshüter jedenfalls haben das Novomatic-Vorhaben am Mittwoch an das Kartellgericht weitergereicht. Bei der Behörde ist man der Ansicht, der Deal sei jetzt noch gar nicht anmeldefähig, da man nicht wisse, wer von wem - und vor allem wann - wie viel kaufe. Das Kartellgericht hat nun fünf Wochen Zeit, eine Entscheidung zu treffen.

Über die Anmeldung der Tschechen muss die BWB bis 17. Februar entscheiden. Auch dieses Verfahren dürfte wegen der vielen offenen Fragen ans Kartellgericht gehen. Sollten sich die Parteien in der Zwischenzeit einigen, würden die Karten aus Wettbewerbssicht freilich wieder neu gemischt, heißt es.

Wirklich bei den Casinos mitreden können wird Novomatic frühstens im Spätsommer, glaubt Neumann. So lange werde es nämlich dauern, bis auch die sehr strengen Glücksspielbehörden in Kanada und Australien, wo die Österreicher tätig sind, den Deal geprüft haben.

Die Casinos-Austria-Gruppe (inklusive Lotterien) werde auch in Zukunft auf jeden Fall sieben Eigentümer haben, so Neumann. Die frühere Kirchenbank Schelhammer & Schattera (jetzt GraWe), der ORF, die Melchart Privatstiftung und die Familie Gürtler hätten seiner Information nach nämlich nicht vor, ihre Anteile in nächster Zeit abzustoßen.

Sollte sich der Staat entschließen, Casinos-Anteile abgeben zu wollen, wäre Novomatic sofort zur Stelle. "Wir haben das klar kommuniziert gegenüber der ÖBIB. Wenn sie verkaufen, würden wir sehr gerne zukaufen."

Die Klage der Tschechen werde wohl erst dann zurückgezogen, wenn man zu einer Einigung kommt, sagte der Novomatic-Chef.

Deutsche Regeln bringen Sorgen

Eine weiter Baustelle für Novomatic liegt in Deutschland. Aufgrund strengerer Glücksspielregeln ab 2017/2018 - etwa Verbot der umstrittenen Automatiktaste und geringere Spieleinsätze - werde der Automatenmarkt um 30 bis 40 Prozent schrumpfen, glaubt Neumann. Von den rund 250.000 Geräten am Markt stammen 140.000 von Novomatic.

Die Gegenstrategie: Die Niederösterreicher möchten verstärkt als Betreiber auftreten und weitere Spielsalons kaufen. Derzeit macht Novomatic laut Neumann mehr als ein Drittel seines Umsatzes in Deutschland und ist dort Marktführer, dahinter kommt die Gauselmann-Gruppe. Novomatic ist in Deutschland mit Löwen Entertainment vertreten, Gauselmann gehören die Merkur-Spielhallen.

Das klassische Casino-Geschäft in den USA ist für Novomatic kein Thema, sagte Thomas Graf, Technologievorstand und Sohn des Novomatic-Gründers Johann Graf. "Das ist ein eigenkapitalintensiver Markt", es brauche "mehrere Milliarden". "Wir haben in Chile die Erfahrung gemacht." Der Konzern ist 2014 aus dem Monticello-Casino ausgestiegen. In Europa betreiben die Niederösterreicher derzeit rund 30 Vollcasinos.

Das Spiel über den Apple-Store

Großes Thema für Novomatic ist der Online-Bereich, der derzeit rund 10 Prozent des Umsatzes ausmacht. In den USA, wo Internet-Glücksspiel in weiten Teilen verboten ist, boomen sogenannte Social Games. Da wird nicht um Echtgeld gespielt, sondern um eine virtuelle Währung. "Wenn ein gewisses Kontingent an Gratis-Spielguthaben aufgebraucht ist, kann man Spielepakete für 1 bis 100 Dollar kaufen", erklärte der Vorstand. "Das geht mit einem Klick über den Apple-Store iTunes." Ein erfolgreiches Beispiel ist das Facebook-Spiel "Candy Crush". Umsatzmäßig gehe es dabei bei den einzelnen Spielern um "Bagatellbeträge", "aber die Masse macht's."

Auch der klassische Glücksspieler werde in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr am Automaten sitzen, so Graf. "Das Casino in der Hosentasche ist heute schon Realität." Die Novomatic-Tochter Greentube habe ein System entwickelt, wo die Spieler entweder im "echten" Casino oder via Handy auf ihr Spiel zugreifen können. Bei den terrestrischen Kunden von Novomatic jedenfalls steige die Nachfrage nach interaktiven Lösungen. "Die Leute wollen das Angebot flexibler konsumieren, auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause."

In Europa hat Novomatic schon in Italien, Großbritannien, Lettland und seit kurzem in Spanien Lizenzen für Online-Glücksspiele inne. In Österreich sind Internet-Casinospiele derzeit nur den Lotterien erlaubt, die zu den teilstaatlichen Casinos Austria gehören. Sportwetten zählen hierzulande nicht als Glücksspiel.

Wien drückt das Ergebnis

Am Heimatmarkt konnte Novomatic das Verbot des Automatenglücksspiels in Wien nicht im Rest des Landes kompensieren, sagte Neumann. Novomatic hatte rund 2.500 Geräte in der Hauptstadt. Dafür habe man aber nun Lizenzen in allen Bundesländern, die das Automatenspiel erlauben (Niederösterreich, Burgenland, Kärnten, Oberösterreich und Steiermark). In Wien habe man zudem die Umsätze mit Sportwetten in den Admiral-Spielstätten gesteigert.

Novomatic hat im Vorjahr mehr als 2.000 Mitarbeiter dazubekommen und beschäftigt derzeit über 24.000 Menschen, davon 2.000 in der Forschung und Entwicklung (großteils Software-Spezialisten). Das Unternehmen hat Standorte in 50 Ländern und 13 Produktionsstätten. Aus dem Headquarters in Gumpoldskirchen kommt hauptsächlich "Hochtechnologie", die Automatenteile werden an verschiedenen Standorten produziert, so kommen etwa die Kabel aus Ungarn, Großserien aus Tschechien. Darüber hinaus betreibt Novomatic selbst mehr als 1.600 Automatensalons und Spielbanken und über Vermietungsmodelle mehr als 235.000 Glücksspielgeräte.

Die Novomatic AG, die im Vorjahr mehr als 2 Mrd. Euro umsetzte, hat noch zwei Schwesterholdings in der Schweiz, die ebenfalls Gründer Johann Graf gehören. Der addierte Gesamtumsatz von Novomatic AG, Gryphon Invest AG und ACE Casinos Holding AG belief sich im Vorjahr auf 3,9 Mrd. Euro (2014: 3,8 Mrd.).

Ertragskennzahlen veröffentlicht Novomatic erst im Frühjahr. Im Jahr 2014 hatte die Novomatic AG einen Jahresüberschuss von 277 Mio. Euro eingespielt.

Ein Börsengang ist für Graf nach wie vor kein Thema. "Wir sind kein quartalsgetriebenes Unternehmen." Neumann "genießt" es, "dass es keine Analysten gibt, die einem sagen, was man zu tun hat."

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