Novomatic steigt bei Casinos Austria aus

Novomatic steigt bei Casinos Austria aus

Der Glücksspielkonzern Novomatic setzt eine Schlusspunkt unter das Kapital Casinos Austria und verkauft seine Anteile. Ein tschechischer Milliardär übernimmt damit die Mehrheit an den Casinos.

Die Ermittlungen zur Bestellung des mittlerweile abgelösten Casinos-Finanzvorstands Peter Sidlo haben die Fronten im Streit der drei Großaktionäre Sazka, Republik Österreich (ÖBAG) und Novomatic verschoben. Nun hat der kleinste der drei Großaktionäre, die Novomatic genug von dem Theater. Sie hat ein Übereinkommen geschlossen, ihren 17,19 Prozent Anteil an die tschechische Sazka-Gruppe zu verkaufen.

"Die Novomatic AG hat heute eine Vereinbarung über den Verkauf ihres 17,19 Prozent großen Casag-Anteils mit der Sazka Group geschlossen", teilte das Unternehmen mit. Die Transaktion steht "unter bestimmten aufschiebenden Bedingungen, einschließlich behördlicher Genehmigungen und geltender Rechte anderer Casag-Aktionäre".

"Die bisherige Eigentümerstruktur hat zu keiner zufriedenstellenden Entwicklung der Casinos Austria geführt", begründete Novomatic-Chef Harald Neumann den Schritt. Es gehe darum, den Casinos Austria eine klare Eigentümerstruktur zu ermöglichen.

Sazka-Chef Robert Chvatal sagte: "Wir sind überzeugt, dass dies die beste Lösung für das Unternehmen ist. Wir wollen der Casag eine stabile positive Entwicklung in einer langfristigen Partnerschaft ihrer beiden größten Aktionäre sichern."

Casinos Austria Vorstandschefin Bettina Glatz-Kremsner erklärte, dass "aus Unternehmenssicht natürlich jeder Schritt zu einer klaren und nachhaltigen Eigentümerstruktur zu begrüßen ist. Es ist kein Geheimnis, dass es in der Vergangenheit auf Eigentümerebene nicht immer einfach war".

Sazka-Mehrheit könnte noch verhindert werden

Ein Kaufpreis für den Novomatic-Anteil wurde nicht genannt. Aufgrund der Marktstellung dürfte er aber viel wert sein. Der Casinos-Austria-Konzern hat seit jeher das Monopol für die zwölf heimischen Spielbanken. Im Online-Glücksspiel hält die Tochter Win2Day das Monopol. Ihren Anteil an der Österreichischen Lotterien GmbH wird die Novomatic behalten.

Zu den bei den Verkaufsbedingungen genannten "geltenden Rechten anderer Casag-Aktionäre" gehört ein Vorkaufsrecht. Das heißt, sie dürfen im Verhältnis ihrer Beteiligung zum gleichen Preis Aktien aufgreifen. Sie haben dafür ein Monat Zeit.

Mit dem Verkaufsrecht könnten die ÖBAG und die anderen, kleineren Aktionäre ihre Anteile aufstocken und so die Sazka-Mehrheit auf ersten Blick verhindern. In Gefahr sieht Sazka ihre Mehrheit aber trotzdem nicht, weil es nebenbei noch einen zweiten Deal gibt. Es gibt, wie zu hören ist, eine entsprechende Vereinbarung zwischen Sazka und dem Bankhaus Schelhammer & Schattera. Die Tochterbank der Grazer Wechselseitigen (Grawe) hält noch 5,31 Prozent an den Casinos. Inklusive diesem Anteil dürfte die Mehrheit der Sazka-Gruppe gesichert sein.

Sazka strebte schon seit längerem die Mehrheit an den Casinos Austria an, ein Stimmrechtsvertrag mit Novomatic endete aber im Streit. Nun scheint der hinter Sazka stehende tschechische Milliardär Karl Komarek am Ziel zu sein. Er hält, wenn der Kauf über die Bühne ist, mehr als 50 Prozent und hat damit die alleinige Kontrolle. Somit kann Sazka die österreichischen Casinos auch in ihrer Konzernbilanz konsolidieren.

Die Republik Österreich, die über die Staatsholding ÖBAG einen Minderheitsanteil von 33 Prozent hält, kann mit ihrer Sperrminorität zwar wichtige Entscheidungen blockieren, ist in ihrem Einfluss gegenüber dem neuen Mehrheitseigentümer aber eingeschränkt. Sazka will die ÖBAG trotzdem weiterhin einbinden, wie sie in der Pressemitteilung erklärte. "Die Sazka Group sichert der ÖBAG öffentlich eine faire Vertretung in Aufsichtsrat und Vorstand für die Zukunft zu - unabhängig von der Höhe der Beteiligung der Sazka Group an der Casag."

ÖBAG: "Suche nach nachhaltiger Lösung"

Die ÖBAG kündigte an, die neue Situation zunächst einmal bewerten zu wollen. "Die ÖBAG wird die nächsten Wochen nutzen, um gemeinsam mit den anderen Aktionären eine nachhaltige und tragbare Lösung im Sinne der Casag zu finden", hieß es in einer Stellungnahme. Gleichzeitig freute sich die ÖBAG über den Anteilsverkauf ins Ausland: "Unser erstes Ziel der Streitbeilegung zwischen Novomatic AG und Sazka Group ist erreicht."

Die Österreichische Wettbewerbsbehörde wird den Verkauf der Novomatic-Anteile genau prüfen, es dürfte allerdings keine grundsätzlichen Bedenken geben, da Sazka in Österreich bisher nicht aktiv ist. Regierungssprecher Alexander Winterstein wollte zu einem allfälligen Anteilekauf durch die Republik, vertreten durch die ÖBAG, nicht kommentieren.

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