Notre-Dame in Flammen: Wiederaufbau wird weit über eine Milliarde kosten

Notre-Dame in Flammen: Wiederaufbau wird weit über eine Milliarde kosten

Das klerikale Zentrum und Wahrzeichen von Paris, die gotische Kathedrale Notre-Dame stand in der Nacht vom 15. auf den 16. April 2019 in Flammen.

Ein Großbrand hat die Pariser Kathedrale Notre-Dame schwer beschädigt. Erst nach rund 15 Stunden konnte das Feuer gelöscht werden. Der Schaden ist immens, aber ein wesentlicher Teil des Gotteshauses konnte gerettet werden. Erste Großspenden in dreistelliger Millionenhöhe wurden bereits von mehreren Luxuskonzernen avisiert.

Alarm in Paris: Am Abend des 15. April brach in der Kathedrale Notre-Dame im Herzen der Stadt ein Feuer aus. Das Feuer loderte die ganze Nacht hindurch und hat das gotische Weltkulturerbe schwer beschädigt. Das Ausmaß des Schadens an dem Gotteshaus und Wahrzeichen von Paris ist noch schwer zu beziffern, Kunstschätze von unwiederbringlichem Wert wurden ein Raub der Flammen. Der Brand auf dem Dach breitete sich sehr schnell auf rund 1.000 Quadratmeter aus, wie Gabriel Plus, Sprecher der Feuerwehr sagte.

Die Flammen zerstörten weite Teile des Daches und brachten einen Kirchturm zum Einsturz. Ein Feuerwehrsprecher hatte in der Nacht von "dramatischen" Schäden gesprochen: Zwischenzeitlich hatte die Feuerwehr befürchtet, die gesamte Kirche könnte einstürzen. Befürchtet wurde auch, dass die Konstruktion der beiden unvollendeten Türme geschwächt wird und die tonnenschweren Glocken von Notre-Dame abstürzen könnten.

Erst in den frühen Morgenstunden gelang es der Pariser Feuerwehr, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Eines steht in einer ersten Bilanz fest: Die Struktur und die Fassade mit den beiden Haupttürmen der von 1163 bis 1345 erbauten gotischen Kathedrale konnte vor der totalen Zerstörung gerettet werden. Bis zu 400 Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz. Am Dienstag gegen 10 Uhr, nach über 15 Stunden, meldete die Pariser Feuerwehr "Brand aus".

Der hölzerne gotische Dachstuhl ging in den Flammen auf und wurde komplett zerstört.

Spendenaufruf für den Wiederaufbau

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hatte noch während das Feuer loderte angekündigt, dass die Kathedrale wieder aufgebaut werde. "Wir werden Notre-Dame wieder aufbauen. Das ist, was die Franzosen erwarten", sagte er und rief umgehend zu Spenden auf. Die beiden ersten Großspenden im Wert von 300 Millionen Euro wurden prompt avisiert.

Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, schlug eine internationale Geberkonferenz vor. Die Präsidentin des Regionalrats von Ile-de-France, Valerie Pecresse, sagte dem Sender Radio Classique, die Soforthilfe solle das Erzbistum bei den ersten Arbeiten unterstützen. Der Wiederaufbau werde die besten Architekten und Handwerker "Frankreichs, vielleicht der ganzen Welt" auf den Plan rufen, sagte Pecresse.

Die französische Milliardärs-Familie Pinault, Großaktionäre vom Luxusmodekonzerns Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga, Brioni) hat noch während des Brandes 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre-Dame versprochen. "Diese Tragödie trifft alle Franzosen", erklärte die Familie. In solch einer Situation wolle jeder mithelfen, "schnellstmöglich diesem Juwel unseres nationalen Kulturerbes wieder Leben einzuhauchen". Der superreiche Francois Pinault ist als Kunstliebhaber und Mäzen bekannt.

Auch der zweitgrößte Luxusgüterkonzern Frankreichs, Moët Hennessy Louis Vuitton (LVMH), hat eine Großspende versprochen. Die Unternehmensgruppe stellte 200 Millionen Euro für den Wiederaufbaufonds in Ausscht. In einer Erklärung hieß es, LVMH und die Besitzerfamilie Arnault wollten nach "dieser nationalen Tragödie" ihre Solidarität zeigen. Notre-Dame sei ein Symbol Frankreichs, seines kulturellen Erbes und seiner Einigkeit.

Und auch die Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und der Kosmetikriese L'Oreal haben am Mittwoch angekündigt insgesamt 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau der stark beschädigten Kathedrale zu spenden. Dabei kommen 100 Millionen Euro von der gemeinnützigen Stiftung Bettencourt Schueller, wie L'Oreal am Dienstag mitteilte.

Die anderen 100 Millionen Euro kommen von dem Kosmetikriesen und der Erbenfamilie Bettencourt-Meyers. Die gemeinnützige Stiftung wurde in den 1980er von der Familie gegründet.

In den nächsten Tagen will das französische Kulturministerium außerdem eine offizielle Website für Spender starten.

Rauchschwaden im Inneren der schwer beschädigten Kathedrale.

Viele Kunstschätze gerettet

Eine der ersten Aufgaben der Feuerbrigaden war, die Kunstschätze und religiösen Devotionalien aus der brennenden Kathedrale zu retten. Die berühmte, wertvolle Dornenkrone und zahlreiche weitere aus der Kirche geborgenen Schätze wurden im Pariser Rathaus untergebracht.

Aus der Kirche Notre-Dame gerettete Kunstschätze

Auch Frankreichs Kulturminister Franck Riester betonte, dass die reale Gefahr bestanden habe, dass der Nordglockenturm und in der Folge die ganze Kathedrale bei dem Brand zerstört wird. Der außergewöhnliche Mut der Feuerwehr habe das verhindert. Trotz der großen Trauer keimt erster Optimismus nach der Brandkatastrophe auf. "Wir haben immer noch die Fachkenntnis, ein solches Gebäude zu bauen", erklärte Riester.

Aus den Flammen gerettet: Die berühmte goldene Dornenkrone

Experten und Architekten sollen Riester zufolge in Kürze darüber beraten, ob die Kathedrale "stabil" sei und die Feuerwehr ihre Arbeit im Inneren fortsetzen könne. Problematisch ist der Natur-Sandstein. Kurz nachdem das Feuer gelöscht wurde lässt sich noch nicht abschätzen, wie stabil das Mauerwerk und die tragenden gotischen Bögen im Inneren der Kirche noch sind.

Der Kommentar der französischen Tageszeitung "Le Figaro" bringt die Bedeutung der Kathedrale für die Franzosen auf den Punkt: "Dieses Meisterwerk im Herzen von Paris hat Kriege und Plünderungen erlebt. Aber niemals hat die Kathedrale eine Widrigkeit solchen Ausmaßes erlitten, niemals ist sie durch ein so spektakuläres Feuer zerstört worden. Die Ergriffenheit ist gewaltig."

Kirche bleibt geschlossen

Nach dem Großbrand bleibt die Kirche bis auf weiteres geschlossen. Wann die Kirche, in der schon Napoleon zum Kaiser gekrönt wurde, wieder betreten werden kann und darf steht in den Sternen. Rund 13 Millionen Menschen hatten die Kirche im letzten Jahr besichtigt - mehr als doppelt so viele wie den Wiener Stephansdom. In beide Gotteshäuser ist der Eintritt frei, wer Notre-Dame von innen besichtigen wollte musste allerdings eine lange Warteschlange erdulden und einen Security-Check absolvieren.

In der französischen Hauptstadt ist man auf der Suche nach alternativen Lösungen für die Gläubigen, die nun auch in der Karwoche nicht in ihre Kirche können. Im Großraum Paris gibt es einige Gotteshäuser mit großen Kapazitäten wie die Kathedrale von Saint-Denis und die Kirche Saint-Sulpice.



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