Niki-Pleite: Insolvenzverwalter setzt letzte Angebotsfrist für Airline

Niki-Pleite: Insolvenzverwalter setzt letzte Angebotsfrist für Airline

Schwere Vorwürfe von Niki Lauda an die Lufthansa: "Lufthansa will Niki zerstören."

Der Countdown für die insolvente Airline Niki ist endgültig angezählt. Neben dem einstigen Gründer Niki Lauda sollen noch drei weitere Interessenten angeblich die Pleite-Airline übernehmen. Lauda attackiert die Lufthansa. Bis Donnerstag können noch Angebote für eine Ubernahme abgegeben werden.

Schwechat. Inmitten der anhaltenden Investorensuche für die insolvente Airline Niki mit tausenden gestrandeten Passagieren wird der Ton zwischen Gründer Niki Lauda und der Lufthansa schärfer. Zu möglichen neuen Bietern für die österreichische Fluggesellschaft - einst eine Tochter der ebenfalls pleitegegangenen Air Berlin - machte das Büro des Insolvenzverwalters keine Angaben. Nur eines: Bis Donnerstag kann noch ein verbindliches Angebot eingereicht werden, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Bisher habe noch niemand ein verbindliches und durchfinanziertes Angebot vorgelegt. Es gebe jedoch mehrere ernsthafte Interessenbekundungen. Konkrete Namen wollte Flöther unter Verweis auf die zugesicherte Vertraulichkeit nicht nennen. "Das lässt mich hoffen, dass man auch in dieser kurzen Zeit noch einen Verkauf hinbekommt." Eine Lösung müsse bis Jahresende stehen.

Konkrete Namen wollte Flöther unter Verweis auf die zugesicherte Vertraulichkeit nicht nennen. Als Interessenten gelten Medienberichten zufolge der frühere Rennfahrer und Niki-Gründer Niki Lauda, die Billigfluglinie Ryanair, die Thomas-Cook-Linie Condor und ein Konsortium um den Berliner Logistiker Zeitfracht.

Der Zeitdruck und viele offene Fragen

Für Zeitdruck sorgen laut Insolvenzverwalter Flöther sowohl finanzielle wie auch grundsätzliche Fragen: Zum Einen müsse die Betriebserlaubnis für Niki trotz eingestellten Flugbetriebs möglichst lange erhalten bleiben. Daran hängen die "Slots" für Start und Landungen, die laut Flöther einen besonderen Vermögenswert der Airline ausmachen. Die österreichischen Behörden seien in dieser Frage sehr entgegenkommend. Sie hätten mitgeteilt, wegen gesetzlicher Verpflichtungen den Entzug für die Fluggenehmigungen einleiten zu müssen, so Flöther. Binnen einer Frist von sieben Tagen müsse Niki dazu Stellung nehmen.

"Man kann nicht sagen: Genau nach sieben Tagen fällt der Hammer und dann ist es vorbei." Er gehe davon aus, dass möglicherweise bis Anfang Jänner Zeit bleibe. "Aber dann muss der Investor feststehen, weil uns sonst unabhängig von den Genehmigungen das Geld ausgeht", sagte Flöther. Obwohl Niki den Flugbetrieb vor einigen Tagen einstellte, muss noch der operative Betrieb erhalten und bezahlt werden: "Sie können ein Flugzeug nicht einfach wie ein Auto hinstellen, Schlüssel abziehen und das war es."

Der Sanierer und Jurist mit Hauptsitz im sachsen-anhaltischen Halle war im August bereits zum Sachwalter bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin bestellt worden und überwacht dort im Interesse der Gläubiger das Verfahren. Niki war eine Tochter der Air Berlin, galt als besonders attraktiver Unternehmensteil, und sollte zusammen mit weiteren Teilen vom deutschen Branchenprimus Lufthansa übernommen werden.

Niki Lauda, einstiger Gründer von Niki, hat sich bereits vorige Woche selbst als Kaufinteressent ins Spiel gebracht, nachdem die Lufthansa den Rückzug angetreten hatte. Lauda teilt unterdessen hart gegen den deutschen Marktführer aus: Er warf der Lufthansa vor, die Rückgabe zunächst übernommener Jets zu blockieren, um bei der Neuvergabe von Start- und Landerechten günstig zuschlagen zu können. Der Konzern wies dies entschieden zurück.

Niki hatte Mitte der Woche den Flugbetrieb eingestellt, nachdem die Lufthansa die bis dahin geplante Übernahme der Airline nach Bedenken der EU-Kommission wegen der Wettbewerbslage im Luftverkehr abgesagt hatte. Zahlreiche Urlauber versuchen seitdem, mit anderen Anbietern rechtzeitig zu Weihnachten nach Hause oder an ihre Ferienorte zu gelangen.

Lauda sieht seine Chancen mittlerweile jedoch schwinden - und begründet dies mit dem aus seiner Sicht unfairen Verhalten der Lufthansa nach deren Rückzieher. Der Konzern hatte Rechte an Niki-Jets von Leasing-Firmen übernommen, will sie nun aber wegen der Haltung Brüssels nicht mehr. Der "Bild am Sonntag" sagte Lauda, die Lufthansa weigere sich, die Maschinen herauszugeben. Gibt es keinen neuen Investor, könnten wertvolle "Slots" für Starts und Landungen an Flughäfen neu vergeben werden. "Das ist ein durchschaubares Spiel", meinte Lauda. "Lufthansa will Niki zerstören." Ähnlich äußerte er sich im "Handelsblatt" sowie in den österreichischen Zeitungen "Kurier" und "Der Standard".

Die Lufthansa dementierte eine solche Taktik nachdrücklich. Es sei klar geregelt, dass die EU-Kommission ihr schon während der Prüfphase ausnahmsweise erlaubt habe, Niki-Jets zu erwerben - und zwar im Interesse einer Aufrechterhaltung des Flugbetriebs. Nur so habe "die Überlebensfähigkeit der Niki sichergestellt" werden können.

Falls die Übernahme durch Lufthansa nicht genehmigt würde, sei vereinbart gewesen, dass gekaufte oder geleaste Flugzeuge einem Erwerber "zu Marktkonditionen zur Verfügung gestellt werden müssen. Selbstverständlich wird sich die Lufthansa Gruppe an diese Vorgaben halten. Sie hat dies bereits Air Berlin und Niki mitgeteilt."

Die Lufthansa-Tochter AUA hatte zudem vorige Woche Niki-Mitarbeiter angeboten, sich bei der AUA zu bewerben. Das Bewerbungsverfahren soll für Niki-Mitarbeiter einfacher und rascher über die Bühne gehen. Die österreichische Lufthansa-Tochter sucht derzeit mehrere hundert Mitarbeiter.

Lauda, der 2011 bei Niki ausgestiegen war, will erst Anfang der Woche sein weiteres Vorgehen festlegen, sobald er alle Daten des Insolvenzverwalters habe.

Sitzengeblieben

Andere Airlines hatten angeboten, bis zu 40.000 sitzengebliebene Passagiere mit ihren eigenen Maschinen zurückzuholen - teils gratis, teils mit Rabatten. Viele Kunden haben gute Aussichten auf Erstattung ihrer Tickets. "Die Inhaber der 200.000 direkt bei Niki erworbenen Tickets erhalten - sofern sie ihre Tickets nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin Mitte August 2017 erworben haben - den Reisepreis voraussichtlich voll erstattet", hieß es aus der Insolvenzverwaltung. Bei Pauschalurlaubern müssen sich Reisekonzerne um Ersatz kümmern.

Unklar ist dagegen noch, was genau aus dem Kredit der staatlichen Förderbank KfW an Air Berlin wird, den der Bund verbürgt hatte. Das deutsche Wirtschaftsministerium bekräftigte am Sonntag seine Einschätzung, dass das Darlehen womöglich nur zum Teil zurückgezahlt werden könnte. Denn die schon einkalkulierten Erlöse aus dem unerwartet geplatzten Niki-Verkauf fehlten jetzt. Berichte, wonach nur die Hälfte des Kredits an den Staat zurückfließen könne, wies das Ressort von Ministerin Brigitte Zypries (SPD) aber zurück.


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