Niki Lauda verkauft Laudamotion weiter an Ryanair

Niki Lauda verkauft Laudamotion weiter an Ryanair

Niki Lauda hat es offenbar eilig, bei seiner Laudamotion den Exit zu machen.

In zwei Schritten will Niki Lauda die Mehrheit an der erst kürzlich von der Air Berlin übernommenen Österreich-Tochter Niki weiterverkaufen. Ryanair will übernehmen. Die Iren lassen sich den Einstieg 100 Mio. Euro kosten.

Wien/Dublin/Schwechat. Am vorigen Freitag wusste Niki Lauda bei der Bekanntgabe der Strategie von Laudamotion noch "null" von einem bereits kolportierten Einstieg von Ryanair. Binnen drei Tagen scheint die neue Laudamotion schon wieder Geschichte. Und Ryanair wird der neue Mehrheitseigentümer. Die neue Airline des ehemaligen Formel 1-Piloten Niki Lauda wird an die irische Ryanair verkauft. Zunächst wird 24,9 Prozent an der Laudamotion übernommen, gibt es grünes Licht von der EU-Wettbewerbsbehörde dann sollen 75 Prozent an die Iren gehen. Die Dreiviertelmehrheit werde unter 50 Mio. Euro kosten, wobei Ryanair im ersten Jahr weitere 50 Mio. Euro Anschubkosten übernehme werde.

Erst vor zwei Monaten hat Lauda die Pleiteairline Niki, Tochter der im Vorjahr Pleite gegangenen Air Berlin, aus der Insolvenzmasse übernommen.

"Ryanair unterstützt den Plan die Laudamotion GmbH, eine österreichische Airline mit Sitz in Wien, weiterzuentwickeln und auszubauen", so Laudamotion am Dienstagfrüh in einer Aussendung.

Lauda hatte die großen Neuigkeiten im Gepäck zu seinem ersten Laudamotion-Testflug, zu dem er am Dienstag gemeinsam mit Jouranlsiten und Mitarbeitern aufgebrochen war. Per Bord-Durchsage verkündete er über den Wolken irgendwo zwischen Wien und Düsseldorf den Passagieren - Journalisten und Mitarbeitern - dass Europas größter Billigflieger Ryanair einsteigt.

Hinter dem Einstieg von Ryanair dürfte ein leichterer Einstieg für die Iren in Deutschland und Österreich stecken. Vor allem dürfte Ryanair mit der Übernahme von Laudas Airline in Österreich zu wesentlich günstigeren Startgebühren abheben als wenn sie selbst von Null starten müsste. Mit der Übernahme von Laudamotion hat Ryanair somit schneller Zugriff auf wertvolle Start- und Landerechte an begehrten deutschen Flughäfen bekommen, aber auch in Österereich. Laudas Neustart wurde von der Politik noch im Jänner als "österreichische Lösung von der neuen ÖVP/FPÖ-Regierung abgefeiert. Zwei Monate danach ist davon nichts mehr übrig. Die AUA-Mutter Lufthansa dürfte den Deal hingegene mächtig ärgern.

Zudem dürfte Ryanair zusammen mit Laudamotion und deren Slots vor allem in Düsseldorf so stark werden. Dort hat sich schon die Lufthansa-Billigtochter Eurowings eingerichtet. Dem Kranich-Konzern klnnte dadurch ein schärferer Preiskampf drohen als gedacht. "Ich stehe für Wettbewerb und jeder weiß, dass ich Monopolen kritisch gegenüberstehe", sagte Niki Lauda am Dienstag in Düsseldorf. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat er mit dem Deal jedoch vor den den Kopf gestoßen, sollte doch eine Kooperation mit Lauda eingegangen werden.

Alles ohne Strohmann

Der 69jährige Lauda bleibt auch nach dem Verkauf an Ryanair im neu geschaffenen Board von Laudamotion der Chef. Er wird in seiner neuen Position auch weiterhin für die Implementierung der Strategie - die Etablierung von Laudamotion als österreichische Low Fare Airline - verantwortlich sein. "Ich bin nicht hierhergekommen, um abzutreten, sondern um richtig anzufangen", sagt Lauda.

"Ryanair hat eine Option auf 74,5 Prozent hochzufahren. Ich bleib dort, das ist klar", sagte Lauda. Er sagte, er habe sich gefreut, dass es mit Laudamotion weitergeht. "Als der Airbus A320 mit mir in die Luft gegangen ist, habe ich mir gedacht: Das ist wirklich nicht schlecht." Laudas sagte, er freue sich auf die Konkurrenz: "Wettbewerb beflügelt mich und belebt die Sinne." Er will gemeinsam mit Ryanair innerhalb von zwei Jahren auf 30 Flugzeuge wachsen. Lauda bezeichnet Ryanair als "Turbo". "Ich bin sehr froh, dass ich diese Lösung gefunden habe."

Ryanair werde sechs Wetlease Flugzeuge zur Verfügung stellen, um das geplante Laudamotion-Flugprogramm mit 21 Flugzeugen sicherzustellen.

Die Kosten für die 75 Prozent werden bei unter 50 Mio. Euro liegen, wobei Ryanair im ersten Jahr weitere 50 Mio. "für Start-Up und Kosten aus dem operativen Bereich übernehmen wird", so die beiden Airlines. Damit solle die Airbus-Flotte auf 30 Flugzeuge anwachsen. Lauda hatte erst am Freitag angekündigt seine Flotte von vorerst 14 Flugzeugen schrittweise auf 21 Jets zu erweitern. Alle Flugzeuge sollten geleast werden

Lauda hat eignenen Angaben zufolge neben Ryanair auch Gespräche mit dem Konkurrenten Easyjet geführt. "Mit O'Leary (Michael, Anm. Ryanair-Chef) bin ich am schnellstmöglichen zur Ziellinie gekommen". Lauda verneinte auf Journalistenfragen ein Strohmann zu sein: "Nein, das ist alles falsch, ich habe 50 Mio. hingeblattelt, um den Niki von der Vueling hinauszuholen". Der spanische IAG-Billigflieger Vueling war Lauda im Niki-Bieterprozess bei der Wiederholung der Ausschreibung unterlegen. In der ersten Ausschreibung im Dezember hatte Vueling mit einem Gebot von 36,5 Millionen plus Arbeitsplatzgarantien den Zuschlag erhalten.

Lauda erhält von Ryanair zunächst sechs Boeing 737. Diese werden samt Ryanair-Personal vorerst nur in Berlin eingesetzt, sie werden aber unter der Laudamotion-Flugummer OE fliegen. Die restlichen 14 Flugzeuge von Laudamotion (Airbusse) werden an anderen Flughäfen im deutschsprachigen Raum, darunter Wien, eingesetzt.

Ryanair werde spätestens ab dem Winterflugplan Laudamotion-Flüge vermarkten, darunter auch Wien. Das sagte Laudamotion-Geschäftsführer Andreas Gruber am Rande einer Pressekonferenz in Düsseldorf zur APA.

Der Einstieg der Iren würde die Laudamotion "mit einem unglaublichen Schub nach oben fahren". "Da müssen sich die Mitbewerber anschnallen", so Lauda bei einem Presseflug nach Düsseldorf zu Journalisten. Noch vergangene Woche hatte Lauda in Wien bei einen Pressegespräch zu den Ryanair-Gerüchten gesagt: "Ich weiß von null."

Der irische Billigflieger

Ryanair befördere mit 430 Flugzeugen mehr als 130 Millionen Fluggäste jährlich und expandiere weiter. Angesichts dieser Tatsachen sei er kürzlich sehr schnell handelseins mit Ryanair-Chef Michael O'Leary geworden. "Ryanair will sich diversifizieren", so Lauda mit Verweis auf die Airbusflotte der Laudamotion - im Gegensatz zur Boeing-Flotte der Iren.

Die irische Billigfluglinie verbindet mit ihren 87 Basen 35 Länder in Europa. Dafür werden von 13.000 Mitarbeitern 400 Boeing-Flugzeuge betrieben, die 2.000 Flüge täglich absolvieren. Zuletzt konnte die Airline weiter wachsen. Im Februar stiegen die Passagierzahlen um fünf Prozent auf 8,6 Millionen Passagiere, was einer Auslastung von 95 Prozent entspricht.

Im dritten Quartal 2017/18 legte der Umsatz um vier Prozent auf 1,4 Mrd. Euro zu, der Gewinn erhöhte sich um zwölf Prozent auf 106 Mio. Euro. Zum Vergleich: Die Iren lassen sich die Übernahme von 75 Prozent der Laudamotion knapp 100 Mio. Euro kosten.

Der Aktienkurs von Ryanair ist am Dienstag zunächst leicht abgesackt: die Papiere notierten um rund einem Prozent schwächer bei 16,40 Euro.

Kein Strohmann

Bei der geplanten Wetlease-Kooperation mit der Lufthansa-Gruppe gehe es um vier bis fünf Flugzeuge im deutschsprachigen Raum. Geredet werde auch über Sitzplatzkontingente. Beim deutschen Bundeskartellamt habe man bereits deshalb angefragt, sage Lauda bei der Pressekonferenz. Diese Konferenz hielt Lauda gemeinsam mit dem Condor-Chef Ralf Teckentrup. Condor wird insgesamt acht Flugzeuge vermarkten. Somit kooperiert der Ex-Rennfahrer und wiederholte Airlinegründer Lauda bei Laudamotion mit mehrere großen Airlines in Europa.

Die Niki-Mitarbeiter hätten heute per Brief vom Einstieg Ryanairs erfahren, sagte Lauda weiter. Zur Größe Ryanairs sagte Lauda: "Ich bin ein Zwerg, der nie aufhört." Er brauche Ryanair, damit Laudamotion schnell wachsen könne, so Lauda: "Alleine kann ich nur langsam wachsen."

Die Mitarbeiter von Niki müssen sich somit binnen Jahresfrist zum vierten Mal auf einen neuen Eigentümer einstellen. Nach der Air-Berlin-Pleite im Sommer sollte der Österreich-Ableger der größten privaten Airline Deutschlands quasi im Flug von der Lufthansa übernommen werden.

Doch der Kauf scheiterte, weil die EU-Kommission ein Monopol der Lufthansa befürchtete. Die Lufthansa trat vom Kaufvertrag zurück, woraufhin auch Niki zahlungsunfähig wurde.

Ryanair hatte sich wie Niki, Vueling sowie Easyjet bereits im Herbst für die Übernahme der Pleiteairline Niki interessiert. Beim Verkauf der Konkursmasse der österreichischen Air-Berlin-Tochter hatte Ryanair jedoch einen Rückzieher gemacht. Lauda wurde schon vor den entscheidenden Rund aus dem Bieterprozess ausgeschieden. Vueling hatte den Zuschlag für 36,5 Millionen für Niki bekommen.

Doch der Deal hielt nicht, weil der Bieterprozess von einem österreichischem Masseverwalter wiederholt werden musste. In der Nacht auf den 23. Jänner 2018 setzte sich der einstige Gründer von Niki, Niki Lauda, gegen Vueling und den irischen Billigflieger Ryanair mit seiner sogenannten "österreichischen Lösung" durch. Für 47 Mio. Euro übernahm er große Teil der insolventen Niki. Am 28. Februar wurde der Kauf amtlich.

Lauda hatte erst am Freitag seine Pläne zu Laudamotion präsentiert. Der Erstflug wird am 25. März zunächst ab Düsseldorf starten. In Österreich wird sich hingegen der Start noch voraussichtlich bis Juni verzögern. Mit Condor ist bereits eine Kooperation fixiert. Verkehrsleitstelle und Crewplanung übernimmt der deutsche Ferienflieger als Dienstleister. Im Gegenzug vermarktet Condor Laudamotion-Flüge. Rund 1000 Mitarbeiter sollen bereits bei Laudamotion angeheuert haben.

Lauda erklärte vorige Woche, er rechne damit, dass er über den Sommer mit Laudamotion einen einstelligen Millionenbetrag verlieren werde, was ganz normal sei. Vorige Woche wurde auch bekannt, dass Laudamotion 600 von zuletzt 1.700 Flug- und Landerechten (Slots) der insolventen Niki in Österreich zurückgegeben hatte.

Lauda hatte erst im Jänner von der insolventen Air Berlin die ebenso in die Pleite geschlitterte Österreich-Tochter Niki übernommen. Die Österreich-Tochter Niki, die angeblich zuletzt immer profitabel gewesen sein soll - so lauteten stets die Ankündigungen der Airline-Manager - ist mit einem Schuldenstand von 153 Millionen Euro Pleite gegangen.

Nach noch vor dem Zuschlag im Jänner hatte Lauda bereits groß verkündet: "Falls mein Anbot das überzeugendste sein sollte, werden wir gemeinsam wieder Schwung in die Bude und den österreichischen und europäischen Luftverkehr bringen!" In Österreich wird es jedoch noch etwas dauern, bis Lauda die Airline wieder in Schwung bringt: Erst im Juni dürften die Laudamotion-Flieger aus Wien abheben Fünf Flugzeuge sollen in Wien stationiert werden.

Nach dem Verkauf von Niki an den ehemaligen Rennfahrer Lauda bedankte sich dieser bei Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) für die Unterstützung bei der Übernahme der Niki. Lauda war im übrigen im Vorwahlkampf pronocierter Unterstützer von Kurz.

Hofer, selbst einst Flugzeugtechniker bei Lauda Air, meinte damals, sein Ministerium habe sichergestellt, dass Nikis Luftverkehrsbetreiberzeugnisses (AOC) trotz Insolvenz aufrecht bleibt. Es sei gut für den Standort, dass die Fluglinie in österreichische Hände komme, sagte Hofer Ende Jänner.


Der Kommentar ist der trend-Ausgabe 11/2018 vom 16. März 2018 entnommen.

Abkommen gegen Abschottung - EU und Japan gründen Freihandelszone

Wirtschaft

Abkommen gegen Abschottung - EU und Japan gründen Freihandelszone

Wirtschaft

Billigflieger Level hebt von Wien ab

Stil

Zwei Wienerinnen gründen Start-up für Online-Geburtsvorbereitung