Niki Lauda kauft insolvente Airline Niki zurück

Niki Lauda

Niki Lauda wird Reste der von ihm einst gegründeten Airline-Tochter Niki aus der Insolvenzmasse der Pleiteairline Air Berlin herauskaufen.

Niki Lauda kommt bei der insolventen Airline Niki doch noch zum Zug. Er übernimmt um mehr als 36,5 Millionen Euro die Kontrolle bei der Airline und will unter dem Markennamen "LaudaMotion" neu durchstarten.

Überraschende Wendung im Ringen um die Zukunft der insolventen Airline Niki: Im dritten Anlauf kommt nun offenbar doch der ursprüngliche Gründer Niki Lauda zum Zug, wie aus Informationen der Insolvenzverwalter Ulla Reisch und Lucas F. Flöther hervorgeht.

"Aus einem transparenten Bieterprozess ist heute in den frühen Morgenstunden die LaudaMotion GmbH als Bestbieter hervorgegangen", heißt es darin. "Der österreichische Gläubigerausschuss hat sich einstimmig für das Angebot der LaudaMotion GmbH ausgesprochen. Es wird von einer kurzfristigen insolvenzrechtlichen Genehmigung der Transaktion in Österreich und in Deutschland ausgegangen."

Wie Lauda im Interview mit dem Ö1-Mittagsjournal erklärt hat, wird er auf die Marke Niki keinen Zugriff mehr haben. Diese Marke geht in der Konkursmasse unter. Ende März will Lauda daher unter dem Namen "Lauda Motion" neu durchstarten. 15 Flugzeuge sollen zum Start bereits zur Verfügung stehen, was nicht selbstverständlich ist, denn es herrscht derzeit ein Mangel an Flugzeugen. Die dafür notwendigen Flugzeuge wird er von der Lufthansa-Tochter Eurowings übernehmen. Er habe bereits mit deren Konzernmutter Lufthansa eine entsprechende Einigung erzielt.

Der Lufthansa-Konzern hat am Dienstag noch der Darstellung Laudas widersprochen, dass er sich bereits 15 der 21 früheren Niki-Flieger gesichert habe, die zwischenzeitlich in den Besitz der Lufthansa gewechselt waren. Ein Lufthansa-Sprecher bestätigte in Frankfurt zwar entsprechende Verhandlungen mit Lauda und anderen Bietern, betonte aber: "Eine abschließende Vereinbarung liegt noch nicht vor."

Die politische Intervention

Lauda soll nun beim dritten Versuch die Pleiteairline doch noch zu übernehmen, signalisiert haben auch auf Anliegen der Niki-Mitarbeiter einzugehen. Ob er den Kollektivvertrag der insolventen Air Berlin-Tochter Niki übernehmen wird, ließ Lauda offen. "Das kann ich jetzt noch nicht sagen, weil ich noch nicht einmal weiß, welchen Kollektivvertrag sie haben", sagte Lauda im Gespräch mit dem Radiosender Ö1. Bisher hatte Lauda als Airline-Unternehmer stets auf kostengünstige Leiharbeiter für seine Airlines zurückgegriffen.

Lauda will zunächst jene Strecken bedienen, die von den Slots vorgegeben sind, sich dabei vor allem auf den touristischen Sektor konzentrieren und als Ferienflieger punkten. Lauda betonte auch, von Bundeskanzler Sebastian Kurz und Verkehrsminister Norbert Hofer unterstützt worden zu sein. "Sie haben mich unterstützt, weil sie logischerweise eine österreichische Airline in Wien haben wollten und nicht eine spanische Airline oder irgendeine andere ausländische", sagte Lauda.

Der Gläubigerausschuss der insolventen Air-Berlin-Tochter hatte seit dem frühen Montagnachmittag in Wien über den Verkauf der Airline beraten. Die Kaufinteressenten hatten bis Freitagabend eine letzte Chance, Angebote für Niki einzureichen.

Wie viel Geld Ex-Rennfahrer Niki Lauda für den Kauf der von ihm gegründeten Fluglinie Niki in die Hand genommen hat, bleibt vorerst geheim. Es sei Stillschweigen über die Details vereinbart worden, sagte Lauda. Erst um halb fünf Uhr in der Früh sei alles unterschriftsreif gewesen. Das spanisch-britische Konsortium IAG/Vueling soll im Dezember den Zuschlag für Niki für 36,5 Millionen Euro erhalten haben. IAG hatte auch dieses Mal ein Offert genau in dieser Höhe eingereicht. Lauda war im Dezember mit einem Offert in der Höhe von 32 Millionen Euro unterlegen. Welche Quote die Gläubiger der Pleiteairline Niki erhalten werden ist noch offen.

Lauda hatte 2003 Teile der insolventen deutschen Fluggesellschaft Aero Lloyd übernommen und daraus Niki bzw. "flyniki" geformt. Niki sei immer sein Herzblut gewesen, sagte Lauda, der nun bereits zum insgesamt vierten Mal zum Airlineunternehmer wird.

Niki, der Luftfahrer

Lauda als Airline-Unternehmer

  • 1979 Gründung der Lauda Air
  • 1988 Erster Linienflug
  • 1990 Weltweite Linienflugkonzession, Börsengang
  • 1991 Der Absturz eines Lauda Air Flugzeugs über Thailand fordert 223 Todesopfer
  • 1993 Lufthansa steigt über die damalige Tochter Condor bei Lauda Air ein
  • 1997 Einstieg der AUA; Niki Lauda und Lufthansa reduzieren ihre Anteile
  • 2001 Die AUA übernimmt Lauda Air zur Gänze, nimmt sie von der Börse
  • 2003 Lauda gründet seine neue Fluglinie "flyniki", die später in "Niki" umbenannt wird
  • 2004 Air Berlin steigt bei "Niki" ein
  • 2011 Air Berlin übernimmt "Niki" zur Gänze
  • 2013 Die AUA stellt die Marke "Lauda Air" ein
  • 2015/2016 Lauda kauft die Fluglinie Amira und benennt sie in LaudaMotion um.
  • 2017 Insolvenz der Air Berlin im August und als Folge auch von "Niki" im Dezember
  • 2018 Lauda kauft "Niki" zurück und will die Airline als "LaudaMotion" weiterführen.

Zufriedenheit und Enttäuschung

Gläubigerschützer Gerhard Weinhofer von Creditreform ist mit dem Ergebnis zufrieden. "Wir haben den Bestbieter in einem offenen und transparenten Prozess gefunden", erklärte er der Presseagentur APA. "Es ist das beste Ergebnis für die Gläubiger mit den geringsten Unwägbarkeiten rechtlicher Natur erzielt worden." Für die offizielle Genehmigung seien noch einige Formalitäten zu erledigen. Noch heute oder spätestens morgen werde aber alles "im Trockenen" sein.

Der britisch-spanische IAG-Konzern hat indes bedauert, nicht den Zuschlag bekommen zu haben. "IAG ist enttäuscht, dass Niki nicht in der Lage sein wird, sich als Teil der Gruppe zu entwickeln und zu wachsen", teilte der Konzern in einer kurzen Mitteilung mit. Das Unternehmen wollte sich nicht dazu äußern, ob es gegen die Entscheidung vorgehen will.

Die IAG soll bereits im Jänner 3,5 Millionen Euro in die Pleiteairline Niki einbezahlt haben, um den Fortbestand der Airline zu sichern und vor allem die Gehälter der Mitarbeiter zu bezahlen. IAG wird sich das Geld wieder zurückfordern, rechnen Insider.

Dies wurde auch von Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits bestätigt. Lauda hat sein Angebot nachgebessert, zumindest was die Mitarbeiter betrifft. Er habe sich zum Standort bekannt, Gesprächsbereitschaft über einen Kollektivvertrag signalisiert sowie erklärt, dass alle rund 1.000 Beschäftigten ein Angebot erhalten werden, sagte Tankovits.

Der Kauf beinhalte auch die Finanzierung der Gehälter bis zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs, erklärte Tankovits. Für den Zeitraum zwischen dem 1. und 12. Jänner werden die Gehälter vom Insolvenzentgeltfonds getragen.

Mitarbeiter orientieren sich neu

Laut Betriebsratschef Tankovits haben jedoch bisher bereits 50 bis 100 Flugbegleiter Niki verlassen. Zudem seien sehr viele der rund 220 Piloten derzeit in Auswahlverfahren und hätten Angebote von anderen Fluggesellschaften.

Der Belegschaftsvertreter sagte weiter, er sei nun "fast überzeugt, dass das Angebot hält", aber "so langsam glaubt man an gar nichts mehr als Niki-Mitarbeiter". Die österreichische Air-Berlin-Tochter war nach der Insolvenz der Mutter vergangenen Sommer insgesamt dreimal verkauft worden. Bis Niki schließlich, im Dezember 2017, nachdem die Lufthansa den Kauf absagte, ebenfalls in die Zahlungsunfähigkeit schlittere.

Das zweite Bieterverfahren in Deutschland, bei dem IAG/Vueling den Zuschlag erhielt, habe unter anderen Parametern stattgefunden. Zu diesem Zeitpunkt sei das Angebot des spanisch-britischen Luftfahrtkonzern am stimmigsten gewesen. Im nun erfolgten österreichischen Verkaufsprozess habe Lauda sein Angebot entsprechend verbessert. "Insofern denke ich, es hat der Bestbieter gewonnen", kommentierte Tankovits, dass der Ex-Rennfahrer Lauda das Rennen um Niki gemacht hat. "Dementsprechend werden wir jetzt mit dem Ergebnis arbeiten müssen."

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