Air Berlin Krise schürt Verkaufsgerüchte um "Niki"

Air Berlin Krise schürt Verkaufsgerüchte um "Niki"
Air Berlin Krise schürt Verkaufsgerüchte um "Niki"

2003 gründete Niki Lauda "Niki". 2010 hat Air Berlin die Fluglinie zur Gänze übernommen. Nun stehen die Zeichen wieder für einen Verkauf.

Um die angeschlagene deutsche Airline Air Berlin brodelt die Gerüchteküche. Die Airline hat den Turnaround wieder einmal verpasst. Nun könnte die 2010 übernommene österreichische Tochter Niki abgestoßen werden.

Rund um die zur Air Berlin gehörenden Airline "Niki" mehren sich die Verkaufsgerüchte. Die Ferienflugsparte, mit der Air Berlin einst groß geworden ist - und damit wohl, auch die österreichische "Niki" - könnte angesichts der anhaltenden Verluste an den ewigen Konkurrenten Easyjet abgegeben werden. Lukrativ sind vor allem die auch von Niki bedienten Charter-Strecken nach Spanien. Überlegt wird außerdem, wie die Air Berlin Technik ausgelagert werden kann.

Seitens der Airline gibt es zu den Gerüchten keine Stellungnahme, dass Air Berlin dringend Geld benötigt ist allerdings offensichtlich. Schon Ende September 2015 war das Eigenkapital um 544 Millionen Euro im Minus. Ob und wie die von Niki Lauda im Jahr 2003 aus der insolventen Aero Lloyd heraus gegründete "Niki" und deren 21 Flugzeuge verkauft werden können ist fraglich. Auch bei Niki ist, wie Insider berichten, das Liniengeschäft ein Verlust. Die Gewinne mit den Charterflügen an den Wochenenden und in den Ferien machen diesen Verlust jedoch wieder mehr als wett.

Noch heuer soll jedenfalls bei Niki der eigene IATA-Airline-Code "HG" verschwinden, künftig sollen die Flüge unter dem Air-Berlin-Code AB geführt werden. Ein weiteres Indiz für eine Änderung in den Eigentümerverhältnissen bei Niki ist, dass am Dienstag ein weiterer Wechsel in der Geschäftsführung bekanntgegeben wurde. Der bisherige Chef Thomas Suritsch wird das Unternehmen aus gesundheitlichen Gründen verlassen, mit Wirkung vom 15. April wird der von Air Berlin kommende Oliver Lackmann neuer Geschäftsführer der Niki Luftfahrt GmbH. Lackmann war im Konzern zuletzt für Flugbetrieb und Crewplanung zuständig. Er ist seit 2001 bei Air Berlin und kennt daher auch noch besser Tage.

Börsen-Drama Air Berlin

Schon beim Börsenstart der Air Berlin rumpelte es gewaltig. Der Börsengang hatte erst im zweiten Anlauf am 11. Mai 2006 geklappt. Die neue Aktie musste billiger als geplant angeboten werden, um genügend Investoren anzulocken. Dann aber stieg die Aktie der Air Berlin (ISIN GB00B128C026) rasant auf. Der Ausgabepreis lag bei zwölf Euro, die Erstnotiz bei 12,65 Euro. Erst einmal ging es kräftig aufwärts - bis auf 20 Euro im April 2007. Es war ein hoffnungsvolles erstes Jahr auf dem Kapitalmarkt.

Die neun Jahre, die folgten, waren umso bedrückender für die Aktionäre. Immer weiter ging es abwärts mit dem Aktienkurs. Aktuell grundelt das Papier bei 0,73 Cent und ist damit ein klarer Penny-Stock. Besonders bitter sieht das aus, wenn man sieht, wie die Aktien der erfolgreichen Konkurrenz im selben Zeitraum abgeschnitten haben: Die Billigflieger Ryanair (ISIN IE00B1GKF381) und Easyjet (ISIN GB00B7KR2P84) halten bei rund 300 Prozent plus.

Die Air Berlin Aktie, ein Drama ohne Ende: Seit dem IPO hat das Papier 95 Prozent an Wert verloren.

"Es ist ein Desaster", bilanzierte Michael Kunert, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, im März die Entwicklung in den zehn Jahren nach dem Börsendebüt. Am 8. März 2006 gab der damalige Firmenchef Joachim Hunold den Gang an die Börse bekannt. Seine Vision klang damals vielversprechend: "Wenn wir im harten europäischen Wettbewerb weiter wachsen wollen, müssen wir uns auf der Kapitalseite entsprechend aufstellen."

Air Berlin war in den Jahren davor schnell gewachsen. Mit Pendelflügen aus Deutschland nach Mallorca groß und bekanntgeworden und wollte weiter wachsen. Bloß so wie sich Hunold das vorgestellt hatte funktionierte es nicht. 2007 übernahm Air Berlin den Ferienflieger LTU, um in das Geschäft auf der Langstrecke einzusteigen. Aber der Kauf war recht teuer, LTU flog weiter Verluste ein und die Integration dauerte länger als gedacht.

Gleichzeitig wuchs Air Berlin immer weiter. 2011, als Hunold schließlich aufgab, transportierte die Airline bereits 35,3 Millionen Fluggäste, doppelt so viele wie 2005. Der Umsatz hatte 4,2 Milliarden. Euro erreicht. In der Bilanz stand aber ein gewaltiges Minus von 272 Millionen. Euro.

Alle Chefs, die in der Folge antraten, um die nach der Lufthansa zweitgrößte Airline Deutschlands wieder in in die Gewinnzone zu fliegen, scheiterten. Hartmut Mehdorn, der kräftig auf die Kostenbremse trat, ebenso wie dessen Nachfolger Wolfgang Prock-Schauer. Auch der derzeitige Chef Stefan Pichler hat den Turnaround nicht geschafft. Daran konnte auch die 29,2 Prozent-Beteiligung der Etihad (Staatliche Airline aus Abu Dhabi) nichts ändern. Nur die Insolvenzgefahr konnte gebannt werden

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