Newcomer setzen Energiebranche mit Digitalisierung unter Strom

Einer Studie der Energieagentur zufolge wird die Digitalisierung den Energiemarkt in Österreich kräftig aufmischen. Neue Player stehen ante portas. Die bisherigen Anbieter werden allerdings vom digitalen Change kaum profitieren. Die Branche hat Nachholbedarf: Nur jeder zweite Energieanbieter scheint auf die Digitalisierung ausreichend vorbereitet zu sein.

Newcomer setzen Energiebranche mit Digitalisierung unter Strom

Die Digitalisierung der Strombranche wird die Platzhirsche unter Druck setzen.

Die Digitalisierung wird auch in der Energiebranche zu massiven Veränderungen führen. Vor allem werden neue Player aus anderen Branchen und auch Newcomer in der Form von Start-up-Unternehmen den Wettbewerb beleben. Nach der Studie "Digitale Transformation der Energiewelt" der Energieagentur rechnen 88 Prozent einer Umfrage unter Energiemanagern, dass es zu "starken Veränderungen" in der Branche kommen wird. 12 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen zumindest mit "mittleren Auswirkungen". Einig sind sich die Befragten, dass das Thema Digitalisierung alle Unternehmen der Energiebranche betreffen wird.

Die Außenwahrnehmung bringt ein anderes Ergebnis: Knapp drei Viertel der Befragten gehen von starken Veränderungen aus, nur 7 Prozent glauben an schwache Auswirkungen.

Die Nachzüglerbranche

Aber wie gut ist die Energiebranche auf die Veränderungen vorbereitet? Laut der Studie gibt es noch massiven Nachholbedarf. Rund die Hälfte der Energieunternehmen (54 Prozent) gibt an, über eine Digitalisierungsstrategie zu verfügen. Die andere Hälfte befindet sich demnach in der Warteschleife. Immerhin ein Viertel der Energieunternehmen (27 Prozent) hat demnach eine entsprechende Strategie oder organisatorischen Einheit in Vorbereitung.

Andere Branchen gehen das Thema Digitalisierung weit offensiver an: drei Viertel (73 Prozent) der Unternehmen anderer Branchen hat sich demnach bereits auf die Digitalisierung eingestellt.

„Die gesamte Energiebranche geht von großen Veränderungen durch die Digitalisierung aus. Interessanterweise sieht sie sich allerdings nicht als Profiteur dieser Entwicklung“, analysiert Herbert Lechner, wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur, die 41 Experten aus österreichischen Unternehmen aus der Energiewirtschaft und anderen Branchen im Herbst 2016 befragt hatte. Die Digitalisierung wird demnach die Strombranche stärker aufmischen, als die Liberalisierung des Strommarktes, der seit dem Jahr 2001 den Markt für neue Anbieter geöffnet hat.

Der Grund für die eher defensive Annäherung dürfte darin liegen, dass sich die derzeitigen Platzhirsche der Energiebranche offenbar am wenigsten von der Digitalisierung versprechen, was den Profit anbetrifft. Laut Studie werden Start-ups und branchenfremde Unternehmen mehr profitieren. Niedrige Energiepreise sowie die fehlende Zahlungsbereitschaft der Kunden sind zudem Gründe, die den Energieunternehmen zu schaffen machen.

Stromverkauf ohne Kraftwerk

Spielten bisher in der Energiebranche der Besitz von Infrastruktur eine große Rolle, scheint sich dies in den Überlegungen vor allem der neuen Konkurrenten nicht die herausragenden Bedeutung zu haben. "Bei den neuen Akteuren zählt nicht mehr vorrangig der Besitz von Infrastruktur, sondern die Kontrolle der Schnittstelle zwischen Anbieter und Kunden", sagt Energie-Agenturexperte Lechner. "Vormals branchenfremde Anbieter oder Start-ups verkaufen Strom, ohne ein Kraftwerk zu besitzen.“

Die Energieversorger wollen aber das Geschäft nicht einfach den Newcomern überlassen. "Die Energieversorger arbeiten hinter verschlossenen Türen mit Start-ups zusammen und arbeiten an Geschäftsmodellen", sagt Günter Pauritsch Leiter des Centers Energiewirtschaft & Infrastruktur in der Österreichischen Energieagentur. Hier kommen bereits branchenfremde Unternehmen in Spiel: Immerhin die Hälfte der Energieversorger bietet bereits energiebezogene Dienstleistungen an, weitere 13 Prozent entwickeln diese gerade.

Zu den Neueinsteigern der Branche zählen etwa Easybank und die Post, bei denen die Kunden Stromverträge abschließen. Aber auch Unternehmen wie Amazon und vor allem Google suchen als neue Player im Energiesektor ihre Chancen. Aber auch die Ausrüster digitaler Stromzähler und Energiemanagementsysteme sowie Mobilfunkanbieter wittern neue Chancen.

Das Fragezeichen zur Chance

Die Energieunternehmen bekräftigen zwar die Bedeutung der Digitalisierung, den Mehrwert scheinen die Unternehmen noch nicht zu sehen oder gar anzuzweifeln. „Interessant ist die niedrigere Einschätzung des Mehrwertes im Vergleich zur Relevanz der Digitalisierung", sagt Energie-Experte Pauritsch. Sie kann als Zweifel der Energiebranche interpretiert werden, ob sich die Digitalisierung auch wirtschaftlich in den derzeitigen und künftigen Geschäftsmodellen niederschlagen wird.“

Das Marktpotenzial für Geschäfte von Stromanbietern mit Privatkunden wird jedoch als "sehr hoch" eingeschätzt. 81 Prozent der befragten Energieexperten hat diese laut Umfrage bestätigt. Dabei geht es vor allem um Dienstleistungen im Bereich Energieeffizienz und -management. Dazu zählen etwa Services rund um die Einführung der digitalen Stromzähler Smart Meter. Analyse- oder Mobilitäts-Dienstleistungen oder Smarte Tarife stünden hoch im Kurs.

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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