Neues Samsung-Smartphone kommt nach Brand-Debakel später

Gut vier Monate hat Samsung gebraucht, um die Brandursache und Explosionsgefahr für das Handymodell Galaxy Note 7 festzustellen. Der Marktstart des neuen Premium-Modells S8 wurde nun verschoben. Zur Handy-Messe in Barcelona wird das neue Top-Gerät jedenfalls nicht präsentiert. Einmal mehr nicht gerade positiv fürs Image.

Neues Samsung-Smartphone kommt nach Brand-Debakel später

Abschlussbericht: Samsung-Mobile-Chef Koh Dong-jin erklärt die Gründe, warum die jüngste "Samsung-Galaxy" in Flammen aufgegangen ist. Und entschuldigt sich für die Pannen.

Seoul. Smartphone-Weltmarktführer Samsung droht nach dem Debakel mit den brennenden Smartphones im September 2016 ein weiterer Bauchfleck: Zum Mobile World Congress 2017 in Barcelona im Februar wird's wohl nichts werden, ein neues Top-Smartphone auf den Markt zu bringen.

Zumindest wurde nun die Ursache identifiziert, die zum Abfackeln und der Explosionsgefahr unzähliger Handys des als Vorzeigemodell apostrophierten Galaxy Note 7 geführt hatte. Zulieferer sollen laut Samsung gepatzt haben. Die schadhaften Akkus zweier Zulieferer lösten demnach reihenweise Kurzschlüsse aus. Die Ursache liege nicht bei den Geräten oder der Software. Vielmehr hätten Produktions- und Designfehler der Akkus Kurzschlüsse ausgelöst, betonte der Chef der Samsung-Mobilsparte, Koh Dong Jin. Zu diesem Ergebnis kamen Samsung sowie unabhängige Einrichtungen, wie nun abschließend erklärt hatte.

Fast 700 Experten hätten bei der monatelangen Ursachenforschung mehr als 200.000 Smartphones und mehr als 30.000 Batterien getestet. Nicht nur in Südkorea, sondern auch etwa in den USA und Deutschland haben unabhängige Industrie-Organisationen Prüfungen druchgeführt.

Früheren Angaben des Unternehmens zufolge kommen die Akkus von der Tochter Samsung SDI und der chinesischen Firma Amperex. Die Tochter SDI kündigte Investitionen in die Produktsicherheit an und geht davon aus, die Handy-Sparte weiter beliefern zu dürfen.

Zunächst versuchte es der Konzern im September noch mit dem Austausch der Akkus das Problem in Griff zu bekommen. Aber auch nach dem Akkuaustausch gingen noch immer etliche Geräte in Flammen auf. Fotos der geschmolzenen Handys hatten einmal mehr rasch die Runde via Soziale Medien gemacht. Was zur Folge hatte, dass so gut wie alle Airlines rund um den Erdball daraufhin sogar die Mitnahme des Handys in den Flugzeugen verboten. Samsung musste daraufhin rund drei Millionen der hochpreisigen Geräte zurückrufen, was dem Ansehen nochmals massiv geschadet hatte.

Es folgten Klagen von Verbrauchern unter anderem in den USA und Südkorea. Bisher seien 96 Prozent von etwa drei Millionen "verkauften und aktivierten Geräten" zurückgegeben worden, hieß es.

Alles Gute bringt der Mai

Samsung versprach zugleich, dass sich eine solche Pannenserie nicht wiederholen werde. Der Konzern hatte das Note 7 bei der Markteinführung vor allem dafür gepriesen, dass die Akkus schneller aufgeladen werden können und länger halten.

Zum Handy-Weltkongress in Barcelona wollte der Branchenprimus zwar wieder durchstarten. Doch Samsung-Mobilchef Koh winkt ab. Das neue Top-Modell S8 wird offenbar nicht rechtzeitig fertig. Es werde nicht bei der am 27. Februar beginnenden Branchenmesse in Barcelona vorgestellt.

Was für Samsung wenig schmeichelhaft ist. Der Senkrechtstarter der vergangenen zehn Jahre hatte auf der Nabelschau der Handyhersteller in Barcelona stets mit "Good News" geprotzt, um vor allem Apple und davor Nokia die Stirn zu bieten.

Das neue Top-Handy will Samsung voraussichtlich im April oder Mai auf den Markt bringen. Einen Grund für die Verzögerung des Marktstarts wollte Koh nicht nennen, ebenso offen ist der Termin der Vorstellung.

Das Debakel steckt dem Konzern offenbar noch tief in den Knochen. Nicht nur die milliardenschweren Gewinneinbußen, sondern auch das Image ist seither schwer angekratzt. Einen weiteren kapitalen Bauchfleck will und kann sich Samsung nicht mehr leisten. Die Verluste im operativen Geschäft bezifferten die Südkoreaner auf 5,3 Milliarden Dollar (etwa 4,9 Milliarden Euro).

Die Südkoreaner sollen quasi als Wiedergutmachung auch bei den Preisen den Netzbetreibern Entgegenkommen signalisiert haben.


Die Samsung-Affäre steht vor dem Finale


Die Märkte konnte Samsung am Montag offenbar dennoch mit dem Willen überzeugen, einen Schlussstrich unter das Debakel zu ziehen: Die Aktie schloss 2,3 Prozent im Plus, während die Börse in Seoul kaum von der Stelle kam.

Am Dienstag will Samsung seinen endgültigen Quartalsbericht vorlegen. Nach vorläufigen Zahlen steckte der Technologiekonzern den Handy-Fehlschlag im vierten Quartal dank florierender Geschäfte der Chip-Sparte gut weg, aber auch wegen sehr guter Verkaufszahlen etwas von Kühlschänken und Waschmaschinen.

Michael Ludwig

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