Neues Österreichisches Internet-Kaufhaus mit Startproblemen

WKÖ und Wirtschaftsministerium öffnen mit kaufhaus-oesterreich.at eine zusätzliche Internet-Plattform. Sie soll ein Gegengewicht zu Amazon & Co in Österreich werden. Doch im ersten Test kann die Plattform den Anspruch nicht erfüllen. Auch die Begeisterung beim Handelsverband hält sich in Grenzen. Er bietet seit dem Lockdown im März mit kaufsregional.at eine ähnliche Plattform an.

Neues Österreichisches Internet-Kaufhaus mit Startproblemen

Im Frühjahr beim ersten Lockdown angekündigt, ging nun mitten im zweiten Lockdown in Österreich eine E-Commerce-Plattform online, die heimischen Unternehmen den Online-Auftritt ermöglichen und erleichtern soll. Mit www.kaufhaus-oesterreich.at haben die Wirtschaftskammer und das Wirtschaftsministerium ihren Ankündigungen Taten folgen lassen. Österreichische Unternehmen können hier ihre Produkte anbieten und verkaufen und vor allem besser gefunden werden, so die Intention.

Zudem soll laut die neue Internetpräsenz vor allem den KMU Chancen bieten, um sich gegen die Übermacht der Internetgiganten wie Amazon, Alibaba, Zalando & Co zu stemmen. Auch soll der weitere Kaufkraftabfluss eingebremst werden, der über den Kauf der großen Online-Giganten erfolgt.

Das 627.000 Euro teure, vom staatlichen Bundesrechenzentrum programmierte Prestigeprojekt erfüllt die Erwartungen jedoch zum Start keineswegs.

1.000 Händler, kaum Waren

Zum Start sind rund 1000 Händler im "Kaufhaus Österreich" gelistet. Neben den einzelnen Unternehmen sind auch verschiedene Internet-Marktplätze österreichischer Provenienz angeschlossen. Darunter Austirian Limited, beeanco, doitfar, Klickland, markta, myproduct.at, Panterzone, RS Regionale Shops, shöpping (die Internet-Platform der Österreichischen Post, Anm.) und Shöpy. WKO-Chef Harald Mahrer erwartet, dass bis Mitte 2021 "mehrere Tausend Händler" beim "Kaufhaus Österreich" andocken werden.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck betont, dass das die neue Website "Kaufhaus Österreich" keine Kopie von Amazon sei: "Es ist auch nicht unser Ziel."

Der erste Schnelltest zeigt auch, dass das neue Online-Kaufhaus ohnehin weit davon entfernt ist, eine Kopie von Amazon ist. Und dass "gut gemeint" noch lange nicht "gut gemacht" bedeutet. Die Suchabfrage liefert bei vielen Produkten keine oder falsche Ergebnisse.

Das "Kaufhaus Österreich" ist ein Haus mit leeren Regalen. Wer gedacht hatte, dort etwa Weihnachtseinkäufe erledigen zu können, wird schnell eines Anderen belehrt. Wer beispielsweise auf der Seite derzeit nach "Schuhen" sucht, dem werden ein Tischtennis-Shop, eine Bergbauern-Seite und ein Angebot für Kinderbekleidung als erste Präferenzen angezeigt.

E-Commerce im Lockdown

Die Ziele des "Kaufhaus Österreich" haben Wirtschaftsministerium und WKÖ in einer Charta festgehalten. Darin bekennen sich die Partner und Unterstützer der Platform zum Ausbau von E-Commerce in Österreich, gezielter Mobilisierung von Betrieben für E-Commerce, Unterstützung und Beratung von Betrieben rund um E-Commerce sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen für E-Commerce in Österreich.

Doch so hehr das Ziel auch in der Charta formuliert ist: So wie sich kaufhaus-oesterreich.at zum Start präsentiert kann es den Handel in Österreich nicht beleben. Ob mit oder ohne "E". Potenzielle Kunden landen dann erst recht wieder bei Amazon, Alibaba oder Zalando, wo Produkte auch tatsächlich gefunden und gekauft werden können, wo Bezahlung, Versand- und Rücksendebedingungen bekannt und klar geregelt sind.

More of the Same: Ähnliches seit März online

Auch die Begeisterung beim Handelsverband Österreich hält sich in Grenzen. Was kaum wundert. Der Handelsverband bietet mit www.kaufsregional.at bereits seit März 2020, kurz nach Beginn des ersten Lockdowns in Österreich, eine eigene E-Commerce-Platform an. Mittlerweile sind auf der kaufsregional.at bereits 5000 österreichische Webshops in 15 verschiedenen Kategorien gelistet.

Seit dem Lockdown im März Online: www.kaufsregional.at vom Handelsverband Österreich, der bereits 5000 Händler auf seiner Plattform hat.

Im Unterschied zu "Kaufhaus Österreich", das auf eine Kategorien-Suchfunktion setzt, hebt der Handelsverband seine technologischen Vorteile hervor. Die gezielte Produktsuche würde demnach erleichtert werden, um damit die Lebensrealität der Konsumenten auch abzuholen. Der Verband bietet den Händlern zur Plattform unzählige Services zum Nulltarif an wie etwa die kostenfreie Nutzung von Weiterbildungsangeboten, der Information über geltende Verordnungen bis hin zum Gratis-Webshop.

Der Kampf gegen Amazon

Harsch fällt auch die Kritik des Handelsverbands in Richtung Politik aus. Der Internet-Riese Amazon sei immer wieder reich mit Steuergeschenken hofiert worden. "2018 durfte sich der größte Onlinehändler der Welt über eine Steuergutschrift von 241 Millionen Euro freuen. 2019 haben die europäischen Finanzminister unfassbare 300 Millionen überwiesen – bei einem Umsatz von 32 Milliarden Euro im europäischen Handelsgeschäft. Jedes Kleingewerbe zahlt bei uns mehr Steuern als das wertvollste Unternehmen unseres Planeten", kritisiert Handelssprecher Rainer Will die Förderpolitik Europas.

Während sich Drittstaatenhändler wie Amazon über Rekordgewinne freuen, die jedoch gegen "null" optimiert werden, damit keine Steuerleistungen anfallen, sind viele lokale Händler in ihrer Existenz gefährdet. 6.500 Geschäfte stehen laut Will in Österreich bereits kurz vor dem Aus. Es fehlt an Liquidität und einer wirtschaftlichen Perspektive. Die Corona-Krise habe die Situation gegenüber dem lokalen Handel noch verschärft und die Marktdominanz der multinationalen Online-Händler noch verstärkt.

"Jahrelange Ankündigungen müssen ein Ende haben. Der Fokus der Politik muss darauf liegen Regulierungen zu finden, die im digitalen Raum Chancengleichheit zwischen Händlern aus Drittstaaten und Händlern mit Betriebsstätte in Österreich sicherstellen. Der Steuerwahnsinn von Amazon & Co muss abgestellt werden", so Will. Er fordert dass die Steuerschlupflöcher für multinationale Digitalkonzerne aus Drittstaaten endlich gestopft werden: "Es braucht jetzt mehr denn je faire Rahmenbedingungen, an die sich alle halten müssen."



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