Neuer OMV-Chef Stern: "Der größte Wandel der Unternehmensgeschichte"

Alfred Stern hat mit 1. September die Rolle des CEO bei der OMV übernommen und in einer ersten Runde die Herausforderungen umrissen. Der Öl- und Gaskonzern ist mitten im Wandel, muss nachhaltiger und klimafreundlicher werden. Im ersten Quartal 2022 will Stern seine neue Strategie präsentieren.

Alfred Stern, neuer CEO der OMV

Alfred Stern, neuer CEO der OMV

Der Öl- und Gaskonzern OMV hat unter der Führung von Rainer Seele Rekordgewinne erzielt - "aber dennoch ist es so, dass die OMV wahrscheinlich vor dem größten Wandel der Unternehmensgeschichte steht", sagt sein Nachfolger Alfred Stern. Die ungefähre Richtung - mehr Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit - hat schon Seele vorgegeben, wohin genau die Reise gehen soll, will Stern in den nächsten Monaten festlegen und im ersten Quartal 2022 der Öffentlichkeit präsentieren.

Der Wohlstand unserer Gesellschaft basiere auf günstiger Energie und günstiger Mobilität, betonte Stern in einem Pressegespräch. "Uns ist aber in den letzten Jahren auch gezeigt worden, das diese Art und Weise zu leben ihre Grenzen hat, durch den Klimawandel, der eingetreten ist. Die Folge davon ist die Notwendigkeit einer massiven Energiewende." Die notwendigen Veränderungen müssten daher schnell und tiefgreifend sein. "Ich bin davon überzeugt, dass in zehn Jahren kein Öl- und Gasunternehmen so aussehen wird, wie es heute aussieht."

Aktuell stamme bereits die Hälfte der Konzerngewinne (2020: 1,478 Mrd. €) der OMV aus dem Bereich Chemicals & Materials, sagte Stern. "Das ist fantastisch, weil wir dadurch sehen, dass die Entscheidung unter der Führung von Rainer Seele, die Borealis zu kaufen, eine richtige Entscheidung war." Die OMV habe sich mit dem Borealis-Zukauf ein Wachstumsfeld im Chemie-und Kunststoffbereich eröffnet.

Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit, Klimaziele

Stern will die künftige Strategie der OMV auf drei Säulen aufbauen: "Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit und ein Bekenntnis zu den Pariser Klimazielen". Weil die Transformation auch Geld kosten werde, sei er seinem Vorgänger Seele "dankbar für das gute Finanzergebnis". Dass alle im Management-Team die Notwendigkeit einer Veränderung akzeptiert hätten, würde der neue CEO so nicht sagen. "Alle ist ein großes Wort, wir haben 25.000 Mitarbeiter. Aber ich denke schon, dass man ein Verständnis dafür hat, dass Veränderung notwendig ist."

Die Frage, wie lange der Transformationsprozess dauern wird und wo die OMV am Ende stehen soll, lässt Stern noch unbeantwortet - auch viele andere Fragen sollen erst im kommenden Jahr beantwortet werden, etwa, ob die Öl- und Gasförderung zurückgefahren werden und die rumänische Tochter Petrom verkauft werden soll.

2018 habe der Aufsichtsrat eine Strategie genehmigt, die eine Fördermenge von 600.000 Fass pro Tag vorsah. "Wir haben das im ersten Quartal dieses Jahres revidiert und gesagt, wir wollen unter 500.000 Barrel bleiben, mit einer möglichen leichten Reduktion über die nächsten Jahre." Ob dieses Ziel neuerlich angepasst wird, wollte Stern jetzt noch nicht sagen. Auch das auf Eis gelegte Projekt einer Beteiligung am den russischen Fördergebieten IV und V der Achimov-Formation im Öl-, Gas- und Kondensatfeld Urengoy (Urengoj) wollte Stern offiziell noch nicht endgültig begraben.

Nachdenken über die Zukunft

Die Forderung von Umweltschützern, die OMV solle sich aus Öl und Gas ganz zurückziehen und stattdessen Windparks bauen, beantwortet Stern höflich-zurückhaltend: "Ich freue mich sehr über verschiedene Stellungnahmen, die einen zum Nachdenken anregen. Wir schauen uns genau an, was da an Ideen kommt." Aber man werde die Strategie auf den stärken der OMV aufbauen, mit denen man die Mitbewerber schlagen könne.

Zu den Stärken gehört etwa der hohe Anteil von Gas im Portfolio. "Klar ist, dass Europa auch in den nächsten Jahren Gas brauchen wird, um den Energiebedarf zu decken." Ein wichtiges Thema werde auch Wasserstoff sein. "Wir brauchen große Mengen davon, ich habe daher großes Interesse daran, dass wir das Thema vorantreiben."

An der Behebung des Problems der Methan-Lecks bei der rumänischen Tochter Petrom arbeite man schon seit Jahren, sagte Stern. Man habe in den letzten zehn Jahren schon über eine Milliarde Euro investiert, um die Anlagen dort auf den neuesten Stand zu bringen. Seit 2019 habe man die Lecks schon halbiert. Konflikte mit Umweltschützern und kritischen Medien, wie Rainer Seele sie hatte, will Stern nach Möglichkeit vermeiden und den Dialog suchen. "Ich sehe das so, dass Nachhaltigkeit heute Mainstream ist. Das ist ein Thema, mit dem wir uns alle auseinandersetzen müssen."

Transformation mit Folgen

Befürchtungen, dass die OMV durch die Transformation auch personell schrumpfen könnte, konnte der neue CEO vorerst nicht entkräften. Man sei noch bei der Erarbeitung der Strategie. "Der Betriebsrat ist natürlich eingebunden."

Wie sich die Transformation auf die Ertragslage auswirken und ob die Profitabilität steigen wird, wollte Stern ebenfalls noch nicht konkret beantworten, da wolle er noch die finanziellen Modelle abwarten. Im ersten Quartal 2022 will Stern die Ergebnisse der Analyse und seine neue Strategie für den Konzern bekanntgeben.

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