Neuer Nestlé-Chef Schneider setzt auf vier Trümpfe

Neuer Nestlé-Chef Schneider setzt auf vier Trümpfe

Nestlé-CEO Mark Schneider wird den Schweizer Nahrungsmittelriesen neu ausrichten - und seine Trümpfe gezielter ausspielen.

Mark Schneider, der neue Chef des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, will die Marge steigern. Bewährte Cash-Cows sollen als Trümpfe stechen. An den Süßwaren hängt der neue CEO nicht so sehr. Die Börse hat erstmals gejubelt. Investor Daniel Loeb wird den Druck dennoch erhöhen.

Zürich/London/Vevey. Der neue Nestle-Chef Mark Schneider hat große Pläne. Un die kommen bereits nur wenigen Stunden nach der Präsentation bei Anlegern gut an. Der Aktienkurs hat einen ersten Satz genommen, der sich sehen lassen kann.

Schneider will den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern umbauen. Und das nicht zu knapp. Wachstumsfeldern wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser und Säuglingsnahrung sollen weiter gestärkt werden. Dafür will der Der ehemalige Fresenius-Chef auch nach Unternehmen Ausschau halten, die der Wachstumsphantasie mittels Zukäufen einen realen Schwung geben.

Nichts mehr Süßes

Auf der Investorenkonfrenz in London hat der Nestlé-CEO erklärt, dass andere Bereiche - wie etwa das US-Süßigkeitengeschäft - verkauft werden sollen. Zusammengenommen könnten so rund zehn Prozent des Konzernumsatzes von zuletzt rund 90 Mrd. Franken (77,84 Mrd. Euro) den Besitzer wechseln.

Ziel der Strategie: Mit diesen Maßnahmen will Schneider den Konzern mit Marken wie Maggi, Nespresso bis zum Ende des Jahrzehnts zu alter Wachstumsstärke zurückführen.

Der Umsatz soll bis 2020 wieder im mittleren einstelligen Bereich wachsen. Zudem peilt Schneider bis dahin eine bereinigte Ergebnismarge von 17,5 bis 18,5 Prozent an. Zulezt betrug die Marge rund 16 Prozent.

Von beiden Zielmarken ist der Konzern noch ein gutes Stück entfernt. "Wir haben uns viel vorgenommen - vor allem mit der Kombination, das organische Wachstum und die Marge zu steigern. Das ist wie wenn man einen Lauf absolviert und gleichzeitig auf Diät ist", sagte Schneider. "Einige werden sich fragen, warum wir nicht mehr anstreben. Aber beides gemeinsam ist nicht einfach."

Positive Signale

An der Börse kam die Strategie, die Schneider erstmals im Detail präsentierte, gut an: Die Nestle-Aktie legte im Tagesverlauf um bis zu 2,6 Prozent zu. Für die zuletzt alles andere als zufriedenen Aktionäre geradezu ein Glücksmoment, zeigte der Aktien-Kurs in den vergangenen Wochen nach unten. Rund zwei Prozent betrug der Zuwachs noch am späten Nachmittag.

Die Analysten streuten äußerten sich positiv zu den Vorhaben des Nestle-Chefs: "Diese Ziele dürften Skeptiker darin bestärken, dass der Veränderungsprozess bei Nestle in vollem Gange ist", erklärten die Experten der UBS.

Der Druck von Investoren

Doch den rebellischen Investor Third Point dürfte Schneider mit seinem Auftritt nicht restlos glücklich gemacht haben: Die von Daniel Loeb geführte Investmentfirma war zu Beginn des Sommers bei Nestle eingestiegen und hatte mit Forderungen nach höheren Gewinnen und einem Verkauf des gut 23-prozentigen Anteils am französischen Kosmetikkonzern L Oreal für Schlagzeilen gesorgt.

Dem erteilte Schneider jedoch eine Absage: Die Beteiligung sei für das Unternehmen ein "fabelhaftes Investment" gewesen - das ändere sich auch nach dem Tod von L'Oreal-Erbin Liliane Bettencourt derzeit nicht. Third Point wollte sich am Dienstag nicht zu der Strategievorstellung äußern.

Doch auch ohne Zwischenrufe aus dem Eigentümerkreis ist der Druck auf den neuen Chef groß: Zuletzt war Nestle so langsam gewachsen wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Weltweit machen Konsumenten zunehmend einen Bogen um Fertigprodukte und setzen auf frische Nahrungsmittel. So machen kleine lokale Anbieter großen Multis zunehmend Konkurrenz - trotz ihrer Marktmacht.

Neuaufstellung mit Bewährtem

Schneider will in dem sich ändernden Umfeld die Wachstumsbereiche ausbauen. Bei Wasser, Tier- und Säuglingsnahrung und Kaffee sei Nestle entweder Marktführer oder die Nummer zwei.

Zusammengenommen machen die Bereiche gut die Hälfte des Konzernumsatzes und 60 Prozent des bereinigten Ergebnisses aus. Das vielversprechende Gesundheitsgeschäft solle als "zusätzliche Wachstumsplattform" dienen, erklärte der Konzern. Insidern zufolge hat Nestle ein Auge auf das zur Disposition stehende Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten des Darmstädter Merck-Konzerns geworfen.

Wachstumsbremsen wie das defizitäre Geschäft mit Hautprodukten (Nestle Skin Health) will Schneider zunächst sanieren und dann langsam ausbauen. Damit hat der Konzern bereits begonnen und bei der Tochter Galderma den Abbau von einigen hundert Arbeitsplätzen angekündigt.

Huawei entlässt Hunderte Mitarbeiter bei US-Tochter

Wirtschaft

Huawei entlässt Hunderte Mitarbeiter bei US-Tochter

"Kein Goldscheißer": Westbahn kommt auf Sparschiene

Wirtschaft

"Kein Goldscheißer": Westbahn kommt auf Sparschiene

Interview
Peter Voser, Verwaltungsratspräsident und CEO ABB Group

Wirtschaft

ABB-CEO Peter Voser: "Den Rest erledigt der Markt"

Steuern

Steuerprüfung: Darauf sollten Sie sich gefasst machen