Neuer Kika/Leiner-Chef Gütebier will mehr Glanz im Möbelreich

Reinhold Gütebier, CEO Kika/Leiner

Reinhold Gütebier, CEO Kika/Leiner

Der neue Kika und Leiner Chef hat seine Visionen und Pläne für die Möbelketten vorgestellt. Er will das Image der beiden Häuser ordentlich aufpolieren, Pfiff und Charme zurückbringen und die Unternehmen frisch inszenieren.

Seit dem 8. Oktober ist Reinhold Gütebier der neue Chef der Möbelhäuser Kika und Leiner. Der Deutsche Manager, der davor 20 Jahre lang bei der Möbelhauskette Segmüller und dort zuletzt Gesamtvertriebsleiter war, hat sich ein gutes Monat Zeit gelassen, um sich im Unternehmen umzusehen, ehe er seine Pläne für die von Signa Retail übernommenen Möbelketten bekanntgab.

Seine erste Analyse stellt den beiden Häusern kein gutes Zeugnis aus. Das wäre angesichts der Verluste und des anhaltenden Umsatz- und Kundenschwundes aber auch nicht zu erwarten gewesen. "Es fehlt an Pfiff, Charme und Inszenierung", urteilt Gütebier, der den Posten als CEO bei Kika und Leiner daher auch als "Herkulesaufgabe am Ende seiner beruflichen Laufbahn" bezeichnet. Gütebier ist 66 und kennt die Möbelbranche nach 50 Jahren im Geschäft wie seine eigene Westentasche.

"Erhebliche strategische Veränderungen" seien erforderlich. In den nächsten Monaten will das neue Management - neben Gütebier besteht das Führungsteam aus Finanzchef Darius Kauthe und Einkaufschef Oliver Müther - eine Bestandsaufnahme machen. Im Zuge einer Rundreise durch alle Filialen soll eruiert werden, ob dort nur kosmetische Änderungen oder auch gröbere Umbauten notwendig sind.

Signa Retail, eine Tochter von René Benkos Signa Holding, steht bereit, die erforderlichen Maßnahmen zu finanzieren. Aber wie viel Geld dafür tatsächlich zur Verfügung steht ist - zumindest nach seinen eigenen Worten - auch dem neuen Firmenchef noch nicht klar. Zumindest die Schließung von Filialen soll mit den vier Standorten, die per Jahresende dicht gemacht werden abgeschlossen sein. Auch der Mitarbeiter-Abbau ist vorerst abgeschlossen. 712 Beschäftigte haben im Trubel der vergangenen Monate ihre Jobs verloren, in das Jahr 2019 starten die Möbelhäuser noch mit 42 Filialen und rund 4.500 Beschäftigten.

Zurück zum Glück

In drei Jahren sollen die eben erst vor der Insolvenz geretteten Möbelhäuser wieder Gewinne einfahren. Bis dahin seien umfangreiche Änderungen notwendig. Das neue Führungsteam setzt dabei auf eine strikte Zwei-Marken-Strategie von Kika und Leiner. Zuletzt gab es zu viele Überschneidungen und kein geschärftes Markenprofil. Kika soll ein breites und tiefes Sortiment im Preiseinstiegsbereich anbieten, Leiner im gehobenen Bereich mit "großen Marken" ausgebaut werden. In der Preismitte würden sich die Marken am meisten ähneln. Auch Leiner soll Möbel im Preiseinstiegsbereich führen, aber nicht in der Breite und Tiefe wie Kika.

Große Veränderungen darf nach diesen Ankündigungen auch das Verkaufspersonal erwarten. Im Fokus stünden aktives Verkaufen und Freundlichkeit. "Wir wollen der Servicewüste Österreich trotzen", sagte Gütebier. Der Belegschaft stehe ein "gewaltiges Schulungsprogramm" bevor. Denn: "Der Krieg wird auf der Fläche entschieden", so die Kampfansage des neuen Chefs, der postuliert: "Ich bin nicht gekommen, um zu scheitern."

Gütebier träumt davon, mit der Kika/Leiner-Gruppe in Österreich Marktführer zu werden. Aktuell ist man davon allerdings weit entfernt. Die Nummer eins ist XXXLutz mit einem geschätzten Anteil von 30 Prozent, Kika/Leiner liegen auf Platz zwei mit rund 22 Prozent, dahinter kommt Ikea (ca. 15 Prozent).

Zweistelliges Wachstum

Der Bilanzskandal bei dem früheren Eigentümer Steinhoff hat der Möbelgruppe einen zweistelligen Umsatzeinbruch eingebrockt. Vor allem das Segment mit großen Möbeln - wie etwa Küchen - war stark rückläufig, weil Kunden angesichts der ungewissen Zukunft keine Anzahlungen mehr leisten wollten und auch keine Bestellungen mehr tätigten. Nun soll ein zweistelliges Wachstum erzielt werden. Mit eine Rolle spielt dabei auch der Online-Handel, bei dem der neue CEO "erhebliche Versäumnisse" anmerkt. Zunächst heißt es jedoch, das stationäre Geschäft in Griff zu bekommen.

Unsicher ist noch, was mit den über 20 Filialen in Osteuropa passiert. Diese steuerten zuletzt rund 200 Millionen Euro zu den Umsätzen bei. Eine Entscheidung soll im Dezember fallen, ein Verkauf ist nicht ausgeschlossen.

Auch die Zukunft der Leiner-Filiale auf der Mariahilfer Straße ist noch nicht gewiss. Eigentümer Rene Benko schwebt hier ein Luxuskaufhaus nach dem Vorbild des Berliner Kaufhauses des Westens (KaDeWe) vor. Das KaDeWe gehört auch zum Imperium des Immobilieninvestors. Pikantes Detail am Rande: Im obersten Stockwerk der Leiner-Immobilie auf der Mariahilfer Straße wohnt der frühere Kika/Leiner-Eigentümer Herbert Koch. Die Familie Koch verkaufte die Möbelketten im Jahr 2013 an die südafrikanische Steinhoff-Gruppe.

Eine fixe Absage erteilte Gütebier etwaigen Diskontideen, wie sie sein Vorgänger Gunnar George hatte. Mit Lipo wollten die alten Eigentümer eine Diskontschiene à la Möbelix oder Mömax aufziehen. Die Idee scheiterte, bereits nach kurzer Zeit wurden die Lipo-Filialen geschlossen.

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