Neue Konzernstruktur: Google wird Teil von Alphabet

Neue Konzernstruktur: Google wird Teil von Alphabet

Der Internet-Konzern, den man bisher als Google kannte, heißt künftig Alphabet. Ja, wirklich, Alphabet wie ABC. Der weltbekannte Name Google steht dann nur noch für die Web-Tochterfirma unter dem Dach der neuen Holding. Beim Geldverdienen ist der Internetkonzern aber auf Werbung angewiesen: Sie macht 90 Prozent des Umsatzes aus.

Ihr würden der Google-Forschungsbereich X Lab, die Investment-Abteilung Google Ventures, der Gesundheits- und Wissenschaftsbereich sowie die Suchmaschine Google unterstellt. "Unser Unternehmen läuft heute gut, aber wir denken, dass wir es klarer und verantwortlicher machen können", begründete Page die Umstrukturierung auf der Unternehmenswebsite.

Immerhin bleibt Google das Kerngeschäft mit der Internet-Suchmaschine, der Videoplattform YouTube, den Kartendiensten, Google-Apps sowie dem Mobil-System Android - und der Teil, der das Geld verdient, das die anderen Buchstaben im Konzern-Alphabet ausgeben. Denn beim Geldverdienen ist Google ein "One-Trick-Pony", also ein Zirkuspferd, das nur einen Trick beherrscht, nämlich Werbung. Von den knapp 35 Mrd. Dollar (31,9 Mrd. Euro) Umsatz im ersten Halbjahr dieses Jahres entfielen 31,5 Mrd. Dollar auf Online-Werbung. Das ist ein Anteil von 90 Prozent. Den Großteil der Werbeumsätze (24,3 Mrd. Dollar) erzielte Google auf den eigenen Sites, den Rest (rund 7,2 Mrd. Dollar) auf Webseiten von Geschäftspartnern.

In der Google-Bilanz wird sonst nur noch ein Umsatz-Segment mit dem wenig aussagekräftigen Titel "Other" (Anderes) aufgelistet. Hinter diesen Umsätzen von rund 3,4 Mrd. Dollar im vergangenen Halbjahr, die Google nicht weiter aufschlüsselt, stehen nach Experten-Einschätzung vor allem die Gebühren aus dem Play Store, die Google von den Entwicklern von Android-Apps und Unterhaltungsanbietern verlangt.

Mehr Transparenz

Die neue Struktur soll mehr Transparenz schaffen, die mit immer neuen Geschäftsideen bei Google abhandengekommen ist. Der Konzern entwickelt selbstfahrende Autos, vernetzte Thermostate und Rauchmelder, Drohnen und Ballons für Internet-Zugänge - um nur einige Projekte zu nennen.

Google ist in der Vergangenheit um eine Reihe von Tochterunternehmen gewachsen wie etwa das Medizinunternehmen Calico. Der Konzern verfolgt mittlerweile so unterschiedliche Projekte wie den Drohnen-Lieferdienst Wing, selbstfahrende Autos oder intelligente Kontaktlinsen für Diabetiker. Zugleich betreibt Google das Videoportal YouTube und ist Anbieter des Smartphone-Betriebssystems Android.

Man wusste, dass die Online-Werbung vor allem im Umfeld der Suchanfragen all das finanziert. Doch wie viel Geld die einzelnen Unternehmungen verschlangen, blieb geheim - zum Unmut vieler Anleger. "Es wurde immer schwieriger, die Kosten einiger Projekte unter Verschluss zu halten", sagte ein früherer Manager dem "Wall Street Journal". Wenn künftig die Zahlen des Google-Kerngeschäfts getrennt vom Rest - wie dem Innovationslabor Google X, der Gesundheitssparte Calico oder der Heimvernetzungs-Tochter Nest - aufgeführt werden, sollte das die Geldströme ein Stück weit offenlegen. Die Anleger honorierten die Idee mit einem nachböslichen Kursplus von sechs Prozent.

Youtube bleibt Teil von Google

Zugleich hat diese Offenheit Grenzen. Zum einen sollen die Finanzen der Alphabet-Töchter außer Google weiter in einem großen Klumpen präsentiert werden. Auffällig ist auch, dass YouTube mit mehr als einer Milliarde Nutzer kein eigenständiger Teil von Alphabet wird, sondern der neuen Tochter Google beigemischt bleibt. "Ohne Zweifel, damit es nicht seine Umsätze enthüllen muss, die lange hinter den Analysten-Erwartungen zurückblieben", zeigte sich der gut vernetzte Branchendienst "The Information" überzeugt.

Was sich ebenfalls nicht ändert, ist, wer das Sagen hat: Der bisherige Google-Konzernchef Larry Page wird auch an der Spitze von Alphabet der Herr über das große Ganze bleiben. Der zweite Mitgründer Sergey Brin werde ihm als Präsident "helfen", schrieb Page in einem Blogeintrag - klare Verhältnisse unter den beiden Multi-Milliardären.

Zugleich bringt der Umbau einen richtigen Aufstieg für Sundar Pichai, Googles Topmanager, der bereits immer größere Teile des Kerngeschäfts schmiss. Jetzt trägt der 43-Jährige als Chef der neuen Google-Einheit ganz offiziell die Verantwortung dafür, dass dem Konzern nicht das Geld für neue Projekte ausgeht. Larry Page kann sich unterdessen mehr Gedanken über große Ideen wie die Zukunft der Ernährung oder den Kampf gegen das Altern machen. "Sergey und ich sind ernsthaft in dem Business, neue Dinge zu starten", schrieb er.

Zugleich bewiesen Page und Brin mit der Überraschungsaktion, dass sie kein Unternehmen wie jedes andere führen wollen. Allein schon der verspielte Name Alphabet ist eine Herausforderung an die Konventionen. Page konnte sich zudem das Wortspiel "Alpha-bet" (etwa: "Alpha-Wette") nicht verkneifen. Die Webadresse der Holding lautet http://abc.xyz - und im Blogeintrag versteckt sich (hinter dem Satz mit den Drohnen) der Link zur Website einer Firma mit dem Namen "Hooli". So heißt ein fiktives Startup aus der Fernsehserie "Silicon Valley".

In Deutschland sitzt Google in Hamburg übrigens schon seit langem in der ABC-Straße

Einige Buchstaben aus dem Google-ABC:

  • C wie Calico: Die Gesundheitsfirma soll vor allem das Altern erforschen - um es eventuell bremsen zu lernen.
  • F wie Fiber: In den USA bietet der Konzern unter diesem Namen in rund einem halben Dutzend Städten ultra-schnelle Internet-Zugänge über Glasfaser-Anschlüsse an.
  • G wie Google: Unter dem angestammten Namen des Konzerns bleiben als Alphabet-Tochter weiter die Internet-Suchmaschine, das Werbe-Geschäft sowie YouTube und Android gebündelt.
  • N wie Nest: Google kaufte den Anbieter von vernetzten Thermostaten und Rauchmeldern Anfang 2014 für mehr als drei Milliarden Dollar. Nest-Mitgründer Tony Fadell, der einst bei Apple die iPod-Player mitentwickelte, trägt inzwischen auch die Verantwortung für die im ersten Anlauf gefloppte Datenbrille Google Glass.
  • V wie Google Ventures: Der Startup-Finanzierer des Internet-Konzerns, der unter anderem beim umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber eingestiegen ist.
  • X wie Google X: Das Innovationslabor, bei dem unter anderem die selbstfahrenden Autos sowie Drohnen und Ballons zur Internet-Versorgung entlegener Gebiete aus der Luft entwickelt wurden.

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