Neo-RBI-Chef Strobl - Auf das richtige Pferd gesetzt

Neo-RBI-Chef Strobl - Auf das richtige Pferd gesetzt

Top-Banker Johann Strobl, 57, nimmt künftig auch bei der RBI die Zügel in die Hand.

Johann Strobl ist der Neue an der Spitze der Raiffeisen Bank International. Für viele ist er die beste Wahl für den Topjob. Der trend analysiert, was von dem burgenländischen Pferdenarren zu erwarten ist und was auf ihn zukommt.

Von Johann Strobl ein gutes Foto zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen. Meist blickt er griesgrämig, oft irritiert in die Kamera. Nur wenn der Raiffeisen-Banker gemeinsam mit einem seiner Pferde abgelichtet wird, ist sein Gesichtsausdruck entspannt, sogar ein Lächeln ist ihm dann zu entlocken. Sieht so der richtige Mann aus, der eine von Österreichs größten Banken durch schwierige Zeiten führen kann, fragt man sich spontan.

Diese Woche wurde der 57-Jährige zum Chef der Raiffeisen Bank International (RBI) gekürt, und die Erwartungen an ihn sind hoch. Als Risikovorstand des Instituts hat der studierte Wirtschaftswissenschaftler sehr gute Arbeit geleistet, das attestieren ihm nahezu alle Wegbegleiter und Beobachter. Sehr analytisch sei er, unaufgeregt und verfüge über eine äußerst rasche Auffassungsgabe.

Der Spross burgenländischer Landwirte ist aber kein Mensch, der immer in die erste Reihe drängt oder gar das Blitzlichtgewitter liebt. Auch als großer Redner hat sich der jetzige Vizechef und Risikovorstand der RBI keinen Namen gemacht. Das war bislang auch nicht nötig. "Johann Strobl hat sich nicht in den Vordergrund gedrängt, weil das auch nicht seine Aufgabe war. Aber das heißt nicht, dass er schlecht kommunizieren kann", sagt Karl Sevelda, sein Vorgänger an der RBI-Spitze. "Er ist kein aufdringlicher Mensch, kann aber gut reden."

Vor allem im Zwiegespräch kann der gebürtige Burgenländer punkten, erzählt man in der Bank. So hat er bei der heurigen Investorenkonferenz der Raiffeisen Centrobank in Zürs mit gleich 50 Unternehmern One-on-one-Termine absolviert. Alle seien von seiner ruhigen Art und seiner Gabe, zuzuhören, sehr angetan gewesen. Etliche Unternehmer wie Immobilien-Zampano René Benko seien sogar regelrechte Strobl-Fans, stellt Sevelda fest, der Strobl bereits aus der Creditanstalt kennt und seinem Kollegen nach dem Wechsel an der Spitze noch einige Monate beratend zur Seite stehen wird. "Es wird meine Aufgabe sein, ihn mit Kontakten zu unterstützen", bestätigt der scheidende RBI- Chef, der uneingeschränkt als exzellenter Kommunikator gilt.

Der Fusionator

Vor allem bei Strobls erster großer Aufgabe, der Umsetzung der Fusion zwischen börsennotierter RBI und RZB, die Ende Jänner beschlossen werden soll, ist Gewandtheit gefragt. Das mahnt die Kapitalmarktszene auch ein: "Strobl muss zeigen, dass er nicht nur ein guter Risikomanager ist, sondern dass er Kapitalmarktkommunikation beherrscht", sagt Anlegervertreter Wilhelm Rasinger, denn: "Es wird enormen Erklärungsbedarf geben."

Rupert-Heinrich Staller, meist überkritischer Kapitalmarktbeobachter, ist voll des Lobes für Strobl, ortet aber in dessen Außenauftritt auch am ehesten einen wunden Punkt: "Es wird Zeit, dass er vom Pferdeflüsterer zum Menschenflüsterer wird." Nachsatz: "Ich traue ihm das zu." Dass der bisherige Risikovorstand sowohl die RBI als auch die RZB, in der er bis 2015 parallel als Vorstand tätig war, von innen kennt, sieht Staller als großen Vorteil bei der Fusion.

Für Willibald Cernko, Strobls langjährigen Freund und ehemaligen Kollegen aus Creditanstalt- und BankAustria-Zeiten, ist dieser überhaupt die beste Wahl für die RBI-Spitze: "Raiffeisen kann gar nichts Besseres passieren." Denn Strobl fühle sich ganz der Sache verpflichtet, sei geerdet und zeige seinem Gegenüber nie, dass er intellektuell überlegen ist. Hinter dem manchmal grummeligen Ausdruck Strobls verbirgt sich ein "loderndes Feuer", glaubt Cernko.

Kein gestandener Giebelkreuzer

Dieses Feuer wird der Vater von drei Kindern, die er großteils allein aufgezogen hat, vor allem bei den vielen kleinen und größeren Streitigkeiten im Sektor brauchen. "Wahrscheinlich kommt ihm da sogar zugute, dass er kein gestandener Giebelkreuzer ist und den Blick von außen mitbringt", glaubt Rasinger. Denn Strobl ist erst 2007 Teil der Raiffeisen-Familie geworden.

Ursprünglich hätte ja mit Heinrich Schaller, dem mächtigen Chef der RLB Oberösterreich, ein Raiffeisen-Urgestein den RBI-Thron besteigen sollen. Doch dieser, so erzählt man sich, habe zu hoch gepokert. Er habe seine Bestellung an Bedingungen geknüpft, die der Sektor nicht bereit war zu erfüllen.

Er wollte einige Aufgaben aus der RBI an seine RLB Oberösterreich übertragen. Denn nach dem Scheitern des Plans, auch die großen Landesbanken in die künftige RBI zu fusionieren, sollen jetzt umgekehrt Bereiche von oben nach unten wandern. Die Sektor-IT ist bereits bei den Oberösterreichern gebündelt. Und speziell die RLB Niederösterreich-Wien, die größter Einzelaktionär an der RBI neu sein wird, wollte dorthin kein weiteres Stück vom Kuchen abgeben - und reklamiert ihrerseits die Bereiche Marketing und Werbung für sich. Zur Disposition stehen auch Compliance und Treasury. Ausgestanden ist das Gerangel noch nicht.

Der Burgenländer Strobl hat sich aus Streitigkeiten bisher weitgehend rausgehalten. "In Niederösterreich und Wien ist man mit Strobl nicht unglücklich", berichtet ein Bankeninsider. Und das sogar, obwohl er kein Jäger und geschieden ist - aber zumindest kein Oberösterreicher. Auch Heinrich Schaller sagt, dass die RBI auf das richtige Pferd setzt: "Ich freue mich auf die Fortsetzung der jetzt schon ausgezeichneten Zusammenarbeit", lässt er ausrichten.

Ebenfalls zufrieden über den neuen RBI-Chef ist man bei den rund 470 Raiffeisen-Primärbanken. Josef Stampfer, Obmann des Förderungsvereins der Primärbanken, sieht die weitere Sektorkonsolidierung als größte Herausforderung für Strobl:"Die mächtigen Landesbankchefs von der Notwendigkeit weiterer Schritte zu überzeugen, wird nicht leicht werden." Die Primärbanken haben sich ja bereits wiederholt für eine Auflösung der Landesbanken und damit die Umwandlung des dreistufigen in einen zweistufigen Sektor ausgesprochen.

Wie Strobl zu diversen Begehrlichkeiten steht, ist nicht bekannt. Kollegen berichten aber, dass er mit Konflikten gut umgehen kann: "Er hat kein großes Harmoniebedürfnis und schließt Kompromisse nicht voreilig." Investor Staller empfiehlt Strobl, sich darauf gar nicht einzulassen:"Wichtig ist, dass er die RBI aus den Sektorstreitigkeiten raushält."

Wie man Johann Strobl kennt, muss man ihn nicht auffordern, sich lieber aufs Kerngeschäft zu konzentrieren. Noch-RBI-Chef Karl Sevelda sieht die Bank dort nach der langen Durststrecke wieder gut aufgestellt: "Die RBI ist intern hergerichtet. Wir haben Filialen geschlossen, das Geschäft in Russland, Weißrussland und der Ukraine zurückgefahren, haben Slowenien verkauft und sind bei der Polbank im Endstadium. Tausende Mitarbeiter wurden abgebaut.

Die meisten Hausaufgaben wurden also gemacht. Strobl kann jetzt den Schalter wieder auf Expansion umlegen. Aber behutsam - dafür ist er der richtige Mann." Die jüngst veröffentlichten Quartalszahlen geben Sevelda recht: Die RBI hat im dritten Quartal mit 184 Millionen Euro fast dreimal so viel verdient wie von den Analysten erwartet, und auch die Vorsorgen für faule Kredite konnten zurückgefahren werden.

Für RLB-OÖ-Boss Schaller liegt eine Toppriorität der neuen RBI-Führung nun darin, sich "hauptsächlich um das Osteuropageschäft zu kümmern und mittelfristig zur Dividendenpolitik zurückzukehren".

Die CA lässt grüssen

Dem Vernehmen nach dürfte sich in dem neuen Raiffeisen-Spitzeninstitut aber auch personell noch einiges tun. Fix ist, dass Erwin Hameseder aus Niederösterreich Mitte 2017 Walter Rothensteiner als RBI-Aufsichtsratschef beerben wird. Mit Hannes Mösenbacher, der wie Strobl und Sevelda früher ebenfalls in der Creditanstalt tätig war, steht auch Strobls Nachfolger als Risikovorstand schon fest. Dabei dürfte es aber nicht bleiben, weitere Rochaden sollen geplant sein. In dem Zusammenhang macht der Name eines weiteren Ex-Creditanstalt-Mannes die Runde: jener des kürzlich ausgeschiedenen Erste-Bank-Vorstands Thomas Uher.


Zur Person

JOHANN STROBL , 57, startete seine Bankkarriere 1989 bei der Creditanstalt. 2004 avancierte der gebürtige Burgenländer zum Vorstand in der Bank Austria, die er drei Jahre später verließ. Er wechselte in die RZB, wo er für das Risikomanagement verantwortlich war. 2013 wurde er zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der RBI ernannt.


Das Porträt wurde im trend Ausgabe 48/2016 am 2.12.2016 veröffentlicht

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