Neo-Daimler-Chef Källenius fährt seinen Konzern auf den Prüfstand

Neo-Daimler-Chef Källenius fährt seinen Konzern auf den Prüfstand

Bei der Hauptversammlung im Mai wurde noch gelächelt: Dieter Zetsche (re.) hinterlässt seinem Nachfolger und neuen Daimler CEO Ola Källenius einen Konzern, der seinen Maßstäben nicht gerecht wurde - das zweite Jahr in Folge.

Ola Källenius, Nachfolger von Dieter Zetsche, muss dem schwäbischen Autobauer ein Optimierungsprogramm verpassen. Und hat gleich die Unternehmensziele gekappt. Der Dieselskandal holt Daimler erneut ein. Personalanpassungen, ansonsten Tabu, sind ein Thema. Der Aktienkurs sackt einmal mehr ab.

Stuttgart. Die ersten Wochen an der Daimler-Spitze stehen für den neuen Vorstandschef Ola Källenius unter keinem guten Stern. Mit einer Absatzflaute ohnehin schwach ins Jahr gestartet, wird der Autobauer erneut von der Affäre um mutmaßlich manipulierte Dieselmotoren eingeholt. Eine kurze Pflichtmitteilung an die Börse begrub am Sonntagabend erst einmal die Hoffnung auf Besserung.

Gleich zum Einstand als neuer Chef muss Källenius für Daimler die Gewinnprognose für das laufende Jahr kappen. Im operativen Geschäft soll das Ergebnis nun nicht mehr leicht zulegen, sondern lediglich die Größenordnung von 2018 erreichen - und die war, gemessen an den Daimler-Maßstäben, nicht allzu gut.

Die Gewinnwarnung

Eine gute Nachricht gab es am Montag hingegen für die Beschäftigten: Der geplante und schon vor einigen Monaten angekündigte Sparkurs soll ohne den Abbau von Arbeitsplätzen umgesetzt werden. Unternehmen und Betriebsrat haben eine entsprechende Vereinbarung ausgehandelt, wie Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Wir haben klar geregelt, dass es kein Personalabbauprogramm gibt", betonte er. Alleine dass bei Daimler über Personalanpassung gesprochen werden muss beunruhigt nicht nur Mitarbeiter, sondern vor allem Manager. Es zeigt dennoch auf, dass es im schwäbischen Autokonzern derzeit nicht rund läuft. Personalabbau ist von jeher ein Tabuthema und gehört freilich nicht zum Vokabular des deutschen Vorzeigekonzerns.

Vor betriebsbedingten Kündigungen sind die Beschäftigten zwar ohnehin geschützt, ein Abfindungsprogramm oder Ähnliches werde es nun aber auch nicht geben. "Es wird kein Geld in die Hand genommen, um Menschen zu suchen, die das Unternehmen verlassen", sagte der oberste Betriebsrat Brecht.

Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche hatte schon bei der Vorstellung der Bilanz für 2018, die deutlich schwächer ausgefallen war als im Jahr davor, "Gegenmaßnahmen" angekündigt, um Daimler wieder profitabler zu machen. Källenius, zuvor Entwicklungsvorstand, und der ebenfalls neue Finanzchef Harald Wilhelm sind erst seit gut einem Monat im Amt und mussten nun prompt eine Gewinnwarnung verkünden.

Diesel zurück in die Werkstatt

Am Freitag erst hatte das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen Pflicht-Rückruf für rund 60.000 weitere Diesel-Fahrzeuge von Mercedes-Benz verhängt, weil es darin eine aus seiner Sicht illegale Abgastechnik entdeckt hat. Daimler selbst ist der Auffassung, dass die Funktion in Ordnung ist, und betont, sie den Behörden selbst offengelegt zu haben. Es ist nicht der erste amtlich verordnete Rückruf für den Konzern: Für 690.000 andere Autos hatte das KBA schon im Sommer 2018 einen verhängt.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, rief Daimler dazu auf, den Kunden jetzt entgegenzukommen und Betroffene zügig zu entschädigen. "Statt einen langwierigen Rechtsstreit mit dem Kraftfahrt-Bundesamt zu führen, sollte der Daimler-Konzern schnell für Klarheit sorgen. Die Betroffenen haben mehr als ein Software-Update verdient", forderte er. Ein Zwangsrückruf sei nicht nur ärgerlich, es drohe auch ein Wertverlust des Fahrzeugs.

Daimler kündigte an, für "verschiedene laufende behördliche Verfahren und Maßnahmen bei Mercedes-Benz Dieselfahrzeugen" zusätzlich einen hohen dreistelligen Millionenbetrag zurückzustellen. Das wird zunächst das operative Ergebnis im laufenden zweiten Quartal beeinflussen, letztlich aber auch das Ergebnis für das komplette Jahr 2019. Für die Van-Sparte rechnet Daimler nun sogar mit einem Verlust.

Nach 14,3 Mrd. Euro 2017 war das Ergebnis vor Zinsen und Steuern 2018 um mehr als ein Fünftel eingebrochen. Am Ende waren es zwar immer noch gut 11,1 Mrd. Euro, Daimler verfehlte damit aber seine langjährigen Renditeziele. "Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein", hatte Zetsche gesagt.

Auch im ersten Quartal dieses Jahres hatte der Autobauer dann aber weltweit mit schwächelnden Verkaufszahlen zu kämpfen, während er gleichzeitig weiter viel Geld in neue Modelle und Technologien stecken muss. Der Umsatz ging leicht, der Gewinn etwas deutlicher zurück. Dass das Erreichen der Ziele für 2019 damit nicht leichter geworden sei, hatte Zetsche schon eingeräumt, zunächst aber noch an ihnen festgehalten - und "große Kraftanstrengungen" eingefordert.

Die Daimler-Aktie hat einmal mehr verloren. Alleine mit Wochenauftakt ist der Aktienkurs um satte 3,8 Prozent eingeknickt.

Für Unruhe hatten danach Berichte gesorgt, wonach Daimler plane, Tausende Stellen zu streichen. "So eine Debatte hat es bei uns nie gegeben", sagte Brecht nun aber in Bezug auf die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmen. Daimler sei nicht in einem Schrumpfungsprozess, sondern in einem Optimierungsprozess. Und dies bedeutet, dass alles auf den Prüfstand muss. Die Schwaben werden dabei alles nachrechnen und vor allem die Kosten unter die Lupe nehmen - nicht nur intern. Auch die Geschäfte mit Zulieferern werden dabei unter die Lupe genommen.

Die neue Effizienz

Das Effizienzprogramm nehme alle Kosten ins Visier, betont Personalvorstand Wilfried Porth in einer internen Information an die Beschäftigten, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. "Es stehen fixe wie variable Kosten, Sachkosten ebenso wie Personalkosten auf dem Prüfstand", heißt es darin. Zudem könnten die einzelnen Bereiche selbst über ihre Ziele und entsprechende Maßnahmen entscheiden. "Ein Vorgehen mit dem Rasenmäher macht hier keinen Sinn und wird deshalb von uns auch nicht verfolgt", verspricht Porth.

Mitarbeiter, deren Aufgaben wegfielen, sollen dafür andere bekommen, sagte Betriebsratschef Brecht. Dabei müsse man auch darüber reden, welche ausgelagerten Tätigkeiten man zurück ins Unternehmen holen könne. "Wenn wir über Optimierung reden, heißt das nicht, dass nur bei uns alles auf den Prüfstand kommt, sondern dass auch geschaut wird, was man nach draußen vergeben hat", sagte Brecht. "Da läuft ja vieles unrund und ist nicht unbedingt billiger oder flexibler."

Dass es am Ende in manchen Bereichen auch weniger Stellen gebe, sei trotzdem klar, sagte Brecht. Das lasse sich aber durch gewöhnliche Fluktuation auffangen, etwa auch durch Altersteilzeit. Die Vereinbarung gilt zunächst bis Ende 2021 für rund 60.000 Beschäftigte in den sogenannten indirekten Bereichen, also in der Verwaltung, der Entwicklung oder der Logistik.

Made in Egypt

Zudem gab Daimler bekannt, künftig auch in Ägypten Autos von Mercedes-Benz bauen zu lassen. Der Konzern will die Montage aber nicht selbst aufbauen, sondern das von einem lokalen Partner machen lassen. Man leiste mit dem Vorhaben einen Beitrag zur Stabilisierung des wirtschaftlichen Umfelds, betonte Entwicklungsvorstand Markus Schäfer.

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