Nationalbank erwartet 2020 Rückgang - 2021 kommt Erholung der Wirtschaft

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) rechnet heuer mit einem Rückgang der Wirtschaft um 7,2 Prozent. 2021 stehen die Zeichen wieder auf Wachstum. Die Neuverschuldung steigt. Der private Konsum bricht ein., die Inflation geht zurück.

Nationalbank erwartet 2020 Rückgang - 2021 kommt Erholung der Wirtschaft

OeNB-Gouverneur Robert Holzmann präsentiert die OeNB-Konjunkturprognose.

Wien. Die Nationalbank geht davon aus, dass die heimische Wirtschaft heuer um 7,2 Prozent einbricht. 2021 soll es dann aber mit einem Plus von 4,9 Prozent wieder eine deutliche Erholung geben, wenn damit auch das Niveau vor der Krise bei weitem nicht erreicht wird. Alleine im ersten Halbjahr fällt die Wirtschaftsleistung um über 13 Prozent, erholt sich aber im zweiten Halbjahr wieder etwas.

Die Preise dürften 2020 und 2021 nur um 0,8 Prozent steigen (HVPI) und damit deutlich weniger stark als die von der Europäischen Zentralbank gewünschten knapp zwei Prozent. Massive Rückgänge erwartet die OeNB in ihrer am Freitag vorgestellten Prognose für den Privaten Konsum (minus 5,8 Prozent) und die Exporte. Letztere dürften um 11,6 Prozent fallen, während die Importe um "nur" 8,9 Prozent sinken. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten wird um 2,2 Prozent, die der geleisteten Arbeitsstunden aber um 6,5 Prozent zurückgehen. Die Arbeitslosenquote laut Eurostat steigt damit heuer auf 6,8 Prozent und wird 2022 immer noch bei 5,3 Prozent liegen.

Die Wirtschaftskrise wird sich auch im Geldbörsel der Privathaushalte spürbar niederschlagen: Das real verfügbare Haushaltseinkommen sinkt laut OeNB-Prognose sowohl 2020 als auch 2021 um jeweils 0,4 Prozent. Zwar steigt der Stundenlohn heuer noch, wegen der sinkenden Zahl der Arbeitsstunden wird aber das Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer um 1 Prozent niedriger ausfallen.

Privatkonsum bricht ein

Im Gegensatz etwa zur Finanzkrise von 2008 ist der private Konsum in Österreich eingebrochen und deshalb derzeit keine Stütze. Vertieft werden die Probleme, weil wegen der weltweiten Krise auch die Exporte keine Entlastung bringen können. Das wichtigste Ziel der Wirtschaftspolitik müsse in dieser Situation die Wiederherstellung von Vertrauen sein, sagte Nationalbank-Gouverneur Robert Holzmann am Freitag vor Journalisten. Keine einzelne Maßnahme werde viel bewirken, wann man nicht das Verhalten der Konsumenten ändert. Auch eine Mehrwertsteuersenkung wie in Deutschland werde nur wirken, wenn die Menschen mehr konsumieren - sonst würde das die Sparquote weiter erhöhen.

In der Finanzkrise 2008 haben die Menschen auf ihr Erspartes zurückgegriffen und damit die Konjunktur stabilisiert. Diesmal legen sie das Geld, das sie verdienen, verstärkt auf die hohe Kante. Die Sparquote stieg auf 13 Prozent, sagte Doris Ritzberger-Grünwald, Direktorin für Volkswirtschaft in der OeNB.

Die Bremsspuren der Wirtschaft schlagen sich auch im Staatshaushalt sichtbar nieder: Der Staat dürfte heuer eine Neuverschuldung von 8,9 Prozent der Wirtschaftsleistung ausweisen, 2021 folgen dann 3,9 Prozent und 2022 1,5 Prozent Defizit. Der Schuldenstand steig heuer auf 84,4 Prozent des BIP und sinkt in den Folgejahren langsam auf 83,7 und 81,4 Prozent.

Zweite Covid-Welle

"Die Covid-19-bedingte Rezession stellt die größte wirtschaftspolitische Herausforderung in der Zweiten Republik, nach dem Kriegsende und den ersten Wiederaufbaujahren, dar", heißt es in der Mitteilung der OeNB. Die Prognose geht davon aus, dass Mitte 2021 ein Medikament gegen das Coronavirus zur Verfügung steht. Sollte es im Herbst 2020 eine zweite Welle der Pandemie geben, würde das die Wirtschaft um weitere zwei Prozentpunkte einbrechen lassen - der BIP-Rückgang würde dann heuer 9,2 Prozent betragen, das Wachstum 2021 nur dreieinhalb Prozent.

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