Nachhaltigkeit wird in Österreichs Top-Unternehmen Chefsache

Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Österreichs Top-1000-Unternehmen: Für 83 Prozent der heimischen Betriebe ist Nachhaltigkeit Sache des Vorstands bzw. der Geschäftsführung.

Nachhaltigkeit wird in Österreichs Top-Unternehmen Chefsache

Nachhaltigkeit ist für einen Großteil der führenden Betriebe Österreichs nicht nur ein Schlagwort oder ein vages Ziel, sondern Teil der Unternehmensstrategie. Das zeigt die Carbon Studie 2021 des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY, für die im Frühjahr 2021 mehr als 200 Entscheider von Österreichs 1.000 größten Unternehmen befragt wurden.

Demnach haben drei von fünf Unternehmen nach eigener Einschätzung das Thema Nachhaltigkeit bereits vollumfänglich in ihre Unternehmensstrategie integriert, fast jedes dritte Unternehmen zumindest teilweise. Weitere fünf Prozent der befragten Unternehmen planen das für die kommenden zwei Jahre. "Es liegt aber die Befürchtung nahe, dass sich viele Betriebe besser einschätzen und die gesamte Dimension des Themas und die Vielzahl an Stellhebeln noch teilweise unterschätzt werden. Es braucht eine ganzheitliche ökologische und strategische Transformation und Nachhaltigkeit muss integrierter Bestandteil jeder Unternehmensstrategie sein“, so Martin Unger, Leiter der Strategieberatung und EYCarbon bei EY Österreich.

Dennoch betont Unger: „Nachhaltigkeit ist heute für Firmen kein Lippenbekenntnis mehr, es werden konkrete Ziele gesetzt und diese nicht nur auf Unternehmensebene, sondern auch in den individuellen Zielvorgaben für Führungskräfte verankert." Aktuell hat der Zielerreichungsgrad noch kaum finanzielle Konsequenzen im Rahmen von Bonuszahlungen – das werde sich in den nächsten Jahren aber noch deutlich ändern, so Unger.

Nachhaltigkeit als Chefsache

Mehr als vier von fünf der befragten Entscheider finden, dass Nachhaltigkeit ein Vorstandsthema bzw. Thema für die Geschäftsführung ist (83 %). In fast der Hälfte der befragten Betriebe ist die Geschäftsführung bzw. der Vorstand schon jetzt für Nachhaltigkeit verantwortlich (46 %). „Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Noch vor einigen Jahren haben sich mit dem Thema Nachhaltigkeit hauptsächlich einige wenige Personen im Unternehmen befasst, jetzt sehen es viele Betriebe als Chefsache“, erklärt Georg Rogl, Leiter des Bereichs Climate Change and Sustainability Services und Co-Lead EYCarbon.

Etwa jedes vierte Unternehmen hat überdies eine eigene Abteilung für Nachhaltigkeit (27 %), Spitzenreiter ist hier der Konsumgüterhandel (45 %), gefolgt von der Immobilien- und Baubranche (42 %). Knapp ein weiteres Viertel hat eine eigene Stelle, die für das Thema verantwortlich ist (23 %), bei nur neun Prozent der österreichischen Betriebe ist zurzeit keine klare Verantwortlichkeit für Nachhaltigkeit definiert.

Konzernvorgaben als Treiber

Österreichs Betriebe sehen sich vor allem durch die Vorgaben der Konzernzentrale zu mehr Nachhaltigkeit verpflichtet. Bereits auf Rang zwei der Liste mit den wichtigsten Einflussfaktoren befinden sich die Wünsche und Bedürfnisse der Konsument:innen, gefolgt von gesetzlichen Regularien und Vorgaben (Rang 3). Österreichs Führungskräfte sehen in Nachhaltigkeit aber auch eine Möglichkeit für mehr Wachstum (Rang 4) oder wollen aufgrund persönlicher Motive und für ihre Kinder oder Enkelkinder ihre Unternehmen nachhaltiger gestalten (Rang 5).

Für drei Viertel (76 %) der österreichischen Top-Betriebe ist Nachhaltigkeit trotzdem vor allem notwendig, um regulatorischen Vorschriften zu entsprechen. Besonders groß wird der Druck seitens der Gesetzgeber von Seiten der Automobil-, Transport-, Verkehr- und Energiebranche empfunden (87 %). „Das ist ganz klar“, sagt Uher, „gerade der gesamte Mobilitätssektor ist von den Klimazielen extrem betroffen – Unternehmen aus der Branche sind intensiv gefordert, ihre Produktlinien anzupassen und Geschäftsmodelle zukunftsfähig zu machen, um die Reduktionsziele hinsichtlich Emissionen zu erfüllen."

Überraschend ist aber auch, dass beinahe gleich viele Unternehmen (74 %) Nachhaltigkeit als möglichen Differenzierungsfaktor gegenüber dem Wettbewerb sehen. Auch wirken sich Klimaschutz und Nachhaltigkeit immer stärker auf die Unternehmensagenden von Österreichs Top-Betrieben aus. Auf einer Skala von 1 (gar keinen Einfluss) bis 10 (sehr stark) beeinflusst Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit einem Wert von 7,5 schon jetzt das Handeln und Agieren heimischer Top-Unternehmen. Besonders trifft das auf die Konsumgüter- und Handelsbranche (8,2) sowie größere Unternehmen mit einem Umsatz über 200 Millionen Euro zu (7,8).

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Agatha Kalandra ist seit 2016 Partnerin und Leiterin des Management-Consulting-Teams von PwC Österreich und Member of the Management Board. Sie verfügt über einen MBA in Controlling und Finance und mehr als 25 Jahre Berufserfahrung. Ihr Fokus liegt auf Finance-Transformation, HR-Transformation und Sustainability.

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