Nach Tele2-Übernahme: Drei startet Preisschlacht im Festnetz

Jan Trionow, CEO Hutchison Drei Austria

Jan Trionow, CEO Hutchison Drei Austria

Die Übernahme der auf Festnetz-Angebote spezialisierten Tele2 durch den Mobilfunker Drei ist ein weiteres Puzzlestein in der anhaltenden Konsolidierung des österreichischen Telekom-Marktes. Drei will nun verstärkt als Festnetz-Anbieter auftreten und die Telekom Austria (A1) unter Druck setzen.

Die Milch im Kaffee, die Melange zur Sachertorte - derartige Vergleiche bemüht der Mobilfunkanbieter Drei (Hutchison Drei Austria), anlässlich der Komplettanbieter des Mitbewerbers Tele2. Satte 95 Millionen Euro war Drei die Übernahme des auf Festnetz-Telefonie und Internet spezialisierten Unternehmens und seiner rund 200.000 Kunden wert. Der Umsatz von Drei wächst damit von zuletzt 772 Millionen auf rund eine Milliarde Euro.

Rund 475 Euro pro Kunde - das scheint ein etwas hoher Preis zu sein, für Drei-Chef Jan Trionow ist dieser allerdings darstellbar, denn im Festznetz-Segment war Drei bisher nur ein Nischenplayer. Durch die Übernahme steigt der Marktanteil des Unternehmens in diesem Bereich den eigenen Angaben zufolge von etwa einem Prozent auf rund 24 Prozent. Das gibt dem Unternehmen eine neue Perspektive: Der Mobilfunker rechnet sich aus, in der Folge der Akquisition zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten der Telekom Austria (A1) in den Bereichen der Festnetz-Telefonie und des Festnetz-Internets zu werden.

Trionow sieht die Übernahme daher auch als "Wachstumscase", rechnet sich die Chance aus, weitere Marktanteile gewinnen zu können und der von ihm angekündigte "Preis- und Angebotswettbewerb im Festnetz" lässt erwarten, dass Drei dabei bekannt offensiv agieren wird. Die nächste Preisschlacht im Festnetz steht bevor. Man wird neue Bündelprodukte aus Mobilfunk, Festnetz und Breitband-Internet auflegen und damit im Teich von A1 fischen. Erste gemeinsame Produkte sollen im zweiten Quartal 2018 auf den Markt kommen. "Das Hauptziel unserer Übernahme ist Umsatzwachstum", betont Trionow.

Begehrte Businesskunden

Auch im Bereich der Geschäftskunden vergrößert Drei seinen Footprint mit der Übernahme deutlich. Und in diesem Fall stimmt die Melange: Mit den bisherigen Angeboten konnte Drei vor allem bei den Klein- und Mittelbetrieben punkten, während sich Tele2 mit seinen Kommunikationslösungen auf vor allem auf Großunternehmen spezialisiert hatte. Jedes vierte heimische Unternehmen und jeder dritte Großbetrieb wird den eigenen Angaben zufolge künftig Kunde von Drei sein. Aus dieser neuen Größe heraus erhofft man sich eine erheblich größere Schlagkraft und rechnet künftig mit deutlichen Zuwächsen. Trionows hoch gestecktes Ziel: "Marktführer bei neuen Business-Kunden werden."

Die Marke Tele2 wird in den nächsten Monaten Zug um Zug verschwinden. Die gesellschaftsrechtliche Verschmelzung mit der operativen Hutchison Drei Austria GmbH und das Rebranding von Tele2 werden im zweiten Quartal 2018 erfolgen. Bis dahin wird Tele2 als Tochtergesellschaft von Drei weitergeführt.

Das zusammengeführte Unternehmen wird rund 1.500 Mitarbeiter haben, einen breiten großen Personalabbau wird es laut Trionow nicht geben. Der bisherige Tele2 Geschäftsführer Alfred Pufitsch wird jedoch aus dem Unternehmen ausscheiden.

Trotz des gesteigerten Interesses am Festnetz will Drei parallel dazu den Ausbau des Mobilfunknetzes weiter vorantreiben. Die Stoßrichtung gilt dabei schon der nächsten Mobilfunkgeneration 5G, für die es unabdingbar ist, dass Mobilfunk-Sendeanlagen an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Dafür wurden in den vergangenen Jahren jeweils dreistellige Millionenbeträge investiert. "Das wollen wir nicht reduzieren", versichert Trionow.

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