Abschiedsgeschenk von Richard Grasl: Gebührenerhöhung beim ORF

Abschiedsgeschenk von Richard Grasl: Gebührenerhöhung beim ORF

Richard Grasl führt bereits Verhandlungen für die Karriere nach dem ORF. Eines der Gerüchte sieht ihn als künftigen Geschäftsführer der Mediaprint. Vorher will er noch den Weg für eine Gebührenerhöhung bahnen.

Trotz Niederlage bei der ORF-Wahl will Richard Grasl noch mithelfen, bis Jahresende eine Gebührenerhöhung im Stiftungsrat durchzubringen, die er für notwendig hält. Nachträgliches Lob für sein Konzept bekommt Grasl vom SPÖ-nahen Gerhard Zeiler.

Wien. Nach der verlorenen Wahl um den ORF-Chefposten hat Richard Grasl noch ein Ziel für seine verbleibende Zeit beim öffentlichen Rundfunk (sein Vertrag läuft bis Jahresende): Er will dazu beitragen, die geplante Gebührenerhöhung durchzusetzen, die er als Finanzchef für unbedingt nötig hält. "Im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter“, wie er dem Wirtschaftsmagazin "trend" erklärt: "Die Mehrheit im Stiftungsrat ist in dieser Frage ja keineswegs eindeutig.“

Die Betriebsräte, die bei der Wahl geschlossen für Alexander Wrabetz votiert haben, dürfen über die Gebührenerhöhung nicht mitstimmen. Die Entscheidung darüber trifft freilich der 35-köpfige ORF-Stiftungsrat. Dort erreichte der von der SPÖ favorisierte Wrabetz bei seiner Wiederbestellung eine knappe Mehrheit von 18 Stimmen, darunter vier Belegschaftsvertreter. Die Betriebsräte sind bei einem Votum über die Gebührenfestlegung allerdings laut Gesetz nicht stimmberechtigt. Wrabetz bräuchte für eine Gebührenerhöhung also die Stimmen der Grasl-Unterstützer.

Wrabetz hat daher möglicherweise keine Mehrheit dafür. Und nachdem der neue, alte ORF-General schon angedeutet hat, unter Umständen vorderhand auf den Ausgleich der Inflation zu verzichten (10,5 Prozent seit der letzten Anhebung 2012), wird die ÖVP das wohl zum Anlass nehmen, sich gegen mehr Geld für den ORF starkzumachen. "Die Mehrheit im Stiftungsrat ist in dieser Frage ja keineswegs eindeutig", sagt Grasl. Er will auf "seine“ Partei einwirken und mithelfen, "den Stiftungsrat von der Notwendigkeit einer Gebührenerhöhung zu überzeugen“.

Was er danach macht, lässt Grasl offen - auch, ob er dem Medienbereich treu bleiben wird. Einige Interessenten aus dieser Branche haben ihn dem Vernehmen nach schon kontaktiert.

Laut einem Gerücht, das aktuell an Fahrt gewinnt, könnte er in die Geschäftsführung der Mediaprint ("Krone“, "Kurier“) einsteigen. Ein nicht unrealistisches Szenario. Aber auch private österreichische TV-Sender sind eine mögliche Adresse. Und ausgeschlossen ist ein schon länger kolportierter Wechsel in die Glücksspielbranche - genannt werden Lotterien und Novomatic - ebenfalls nicht.


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Laut ORF-Gesetz muss der öffentlich-rechtliche Sender alle fünf Jahre prüfen, ob es zu einer Anpassung der ORF-Gebühren kommt. Die vorerst letzte Anhebung fand 2012 statt. Die Inflation ist seit damals um 10,5 Prozent gestiegen, ein entsprechend hoher Gebührenantrag steht für den Herbst deshalb im Raum. Der alte neue ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz wollte sich in der Frage bisher nicht festlegen. Eine Erhöhung sei "im Interesse des Unternehmens und seiner Mitarbeiter", sagte Grasl nun dem "trend".

Politiker quer durch die Lager hatten zuletzt Kritik an einer möglichen Erhöhung geübt.

Lob aus dem SPÖ-Lager für Grasl

Unerwartete nachträglich Unterstützung bekam Grasl unterdessen vom SPÖ-nahen Gerhard Zeiler. Der frühere ORF-General und Präsident von Turner Broadcasting International lobte im aktuellen "profil" Grasls Bewerbungskonzept und übte gleichzeitig Kritik an jenem von Wrabetz.

Punkto organisatorischer Struktur fand Zeiler Grasls Konzept jedenfalls besser: "Mir erscheinen eigene Direktoren für Fernsehen, Radio und Digitales sinnvoller als eine Organisationsstruktur, bei der alle Channel-Manager automatisch dem Generaldirektor berichten. Ich kenne keinen einzigen Fernsehsender auf der Welt, in dem der Generaldirektor nicht nur für Strategie verantwortlich ist, sondern auch sein eigener Programmintendant für alle Fernseh-, Radio-, und Digitalangelegenheiten ist. Das kann jeden nur überfordern. Selbst ich würde mir das nicht zutrauen."

Der renommierte Medienmanager äußerte auch einen konkreten Sparvorschlag. "Ich würde mir zumindest die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, fünf Millionen Euro für ein Frühstücksfernsehen auszugeben. Das geht günstiger, wenn man es im Studio produziert. Und generell: Ist Frühstücksfernsehen wirklich eine Priorität der österreichischen Konsumenten? Wenn man sich an den Bedürfnissen der Konsumenten orientiert, gibt es viel zum Umschichten. Da sollte man vor Tabus nicht zurückschrecken - und auch nicht davor, manchmal seine eigenen Entscheidungen zu revidieren", so Zeiler im "profil".

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