Nach Kritik: AUA-Vorstand verzichtet auf Prämien

Der Vorstand der Austrian Airlines legt nach öffentlicher Kritik die Prämien für das Geschäftsjahr 2019 zurück.

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech

AUA-CEO Alexis von Hoensbroech legt den umstrittenen Bonus für 2019 zurück:

In der Covid-19-Krise sind die Austrian Airlines (AUA) gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen. Im Juli wurden dem Management trotz einer 450 Millionen Euro schweren Staatshilfe, Kurzarbeit und Massenkündigungen die vertraglich vereinbarten Erfolgsprämien für das Jahr 2019 ausgezahlt. Insgesamt flossen dabei 2,9 Millionen Euro an 200 Führungskräfte der Airline. Eine halbe Million davon ging an den Vorstand rund um CEO Alexis von Hoensbroech. Die Grundlage für die Prämien war der bereinigte operative Gewinn aus dem Jahr 2019 von 19 Millionen Euro.

Nach offener Kritik auch seitens des Finanzministers Gernot Blümel hat der Vorstand der Fluglinie nun erklärt, auf seinen Anteil der Prämien zu verzichten.

Blümel hatte erklärt: "Diese Vorgangsweise ist für mich unverständlich. Auch wenn die aktuelle Thematik das Jahr 2019 betrifft, lässt diese Handlungsweise jede Sensibilität vermissen." Er wies darauf hin dass ein sehr gutes Paket geschnürt worden sei, um Arbeitsplätze zu sichern und dem Standort eine Perspektive zu geben. "Ich erwarte, dass der Vorstand seiner Verantwortung gerecht wird, eine Lösung dafür findet und darüber hinaus, dass die ausständigen Erstattungen der Ticketpreise durch die AUA umgehend erledigt werden", betonte er weiter.

"Staatshilfen für das Unternehmen in Anspruch zu nehmen, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu haben und als Vorstand gleichzeitig Boni auszubezahlen, ist völlig inakzeptabel. Ich erwarte, dass der Vorstand den Bonus umgehend zurückbezahlt", zitierte die Zeitung "Österreich" den Finanzminister in einer Aussendung.

Vorstände zahlen Boni zurück

Nach Rücksprache mit Blümel machte AUA-CEO Alexis von Hoensbroech die geforderte Verantwortung nun via Twitter öffentlich. Er gab bekannt, dass der Vorstand die ausgezahlten Boni für 2019 zurücklegen werde und wies zudem auf den zusätzlich vereinbarten Gehaltsverzicht von zwei Drittel des Gesamtgehalts hin.

Die weiteren Führungskräfte der Austrian Airlines verzichten einer Unternehmenssprecherin zufolge auf "bis zu ein Drittel" ihrer Gehälter., erklärte die Sprecherin am Dienstag. "Das wird es nicht nur 2020, wo wir Verluste schreiben werden, geben, sondern die nächsten drei bis fünf Jahre - je nach wirtschaftlicher Lage." Fast alle Führungskräfte befinden sich den Angaben zufolge derzeit in Kurzarbeit. Generell seien durch die Staffelung der Kurzarbeit Mehrverdiener stärker vom Gehaltsverzicht belastet.

Auch ÖBB-Manager verzichten

Auch bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hat das Management aufgrund der Krise auf einen Teil der Prämien verzichtet. "Mit allen MitarbeiterInnen und Führungskräften, die Anspruch auf einen variablen Gehaltsbestandteil haben, wurden individuelle Vereinbarungen getroffen und Abschläge erwirkt", erklärte ein ÖBB-Sprecher.

Bei den Geschäftsführern und Vorständen der Bundesbahnen wurde analog zur damaligen Regelung der Bundesregierung jeweils ein Monatsgehalt einbehalten.

Prämien und variable Gehälter

Prämien gibt es in vielen Firmen und sind meist vom Erfolg des Unternehmens abhängig, sie sind zum Teil auch in den Dienstverträgen vereinbart. Dazu kommt, dass 2019, das Jahr auf das sich die aktuellen Prämien beziehen, ein Großteil der Betriebe in Österreich noch gute Zahlen geschrieben hat. Im mittleren Management und dem Vorstand setzen sich die Gagen fast immer aus einem Grundgehalt und einer variablen Vergütung zusammen.

Prämien gibt es auch bei den teilstaatlichen Casinos. Wie die Tageszeitung "Kurier" berichtet, werden diese wegen Krise nun aber gekürzt. Die Prämie von Generaldirektorin Bettina Glatz-Kremsner und ihrem Vorstandskollegen Martin Skopek, die rund die Hälfte des Gesamtbezugs ausmache, werde um 50 Prozent gekürzt und beim Fixum verzichten beide zusätzlich auf 20 Prozent, so die Zeitung.

Flughafen, Strabag und voestalpine

Beim Vorstand des von der Coronakrise ebenfalls schwer getroffenen Flughafen Wien wird die aktuell schwierige Situation bei den Prämien für 2020 berücksichtigt. "Da die Gesellschaft beabsichtigt, Unterstützungsleistungen aus dem Notfallfonds der Bundesregierung zu beanspruchen, wird die Bonusauszahlung 2020 den Richtlinien entsprechend auf 50 Prozent der erreichbaren Bonuszahlung für 2019 reduziert", heißt es in Unterlagen zur anstehenden Hauptversammlung. Die beiden Flughafen-Vorstände haben ein Grundgehalt von je rund 350.000 Euro brutto im Jahr. Durch Prämien kann es auf das Doppelte steigen. 2019 schrieb der Airport Rekordzahlen.

Auch andere Branchen, die die Krise zu spüren bekommen haben, sehen keinen Grund, die Prämien für das vergangene Jahr infrage zu stellen. So erklärte der Baukonzern Strabag, der heuer von einem Einbruch der Bauleistung um 10 Prozent ausgeht und Mitarbeiter vorrübergehend in Kurzarbeit hatte, auf APA-Anfrage, für 2019 die variablen Gehaltsbestandteile auszuzahlen. "2019 war für uns ein wirtschaftliches Rekordjahr. Und auch der bisherige Geschäftsverlauf des Jahres 2020 gibt keinen Anlass, von vertraglichen Verpflichtungen und berechtigter Leistungshonorierung abzugehen", so eine Sprecherin.

Bei der voestalpine hat sich die Krise bereits auf die Vorstandsgehälter ausgewirkt. Das Vergütungsmodell sei seit jeher so konzipiert, dass es rasch auf wirtschaftliche Veränderungen reagiere, erklärte Sprecher Peter Felsbach. "So haben sich die Bezüge des Gesamtvorstandes der voestalpine AG aufgrund des schwierigen konjunkturellen Umfeldes und der ersten Auswirkungen von Covid 19 bereits von rund 13 Millionen Euro (Geschäftsjahr 2018/19) auf 8 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 reduziert", teilte Felsbach auf APA-Anfrage mit. Beim Linzer Stahlkonzern reicht Kurzarbeit alleine nicht mehr aus - an den beiden steirischen Produktionsstandorten Kindberg und Kapfenberg sollen noch heuer Hunderte Jobs gestrichen werden.

Lenzing und FACC

Der Faserhersteller Lenzing teilte mit, die vereinbarten Prämien für 2019 seien schon im ersten Quartal, also noch vor Ausbruch der Coronakrise ausbezahlt worden.

Beim Luftfahrtzulieferer FACC gab es für 2019 keine Prämien. "Wir haben auch die Gewinne zu 100 Prozent im Unternehmen gehalten mit dem Ziel die Liquidität des Unternehmens nach Corona zu stärken", so FACC-Pressesprecher Andreas Perotti. Durch einen Gehaltsverzicht des Vorstands sei ein FACC-Krisenfonds mit 100.000 Euro eingerichtet worden.

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