Nach Ischgl: Tirol als „alpines Silicon Valley“?

Seilbahnen-Chef Franz Hörl und der Tiroler Wirtschaftskammer-Chef Christoph Walser zur Frage, wie sich Tirols Tourismus nach Corona aufstellen muss.

Nach Ischgl: Tirol als „alpines Silicon Valley“?

Apres Ski: In Tirol stellt man sich die Frage, was nach dem klassischen Winter-Skitourismus kommt.

Der „Tiroler Weg“ der Pandemiebekämpfung scheint zu funktionieren. Tirol liegt derzeit bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 100, deutlich unter dem Österreich-Wert von 161. In den vergangenen zwei Wochen sind die aktiven Fälle der Südafrika-Mutation von 165 auf 86 zurück gegangen. Die Gemeinde Mayrhofen im hinteren Zillertal darf derzeit nur mit einem negativen PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, verlassen werden.

Dennoch will Deutschland das Einreiseverbot aus Tirol, das aktuell noch bis 3. März gilt, nach aktuellen Medienberichten verlängern. „In Deutschland schärfen zwei Spitzenpolitiker ihr Profil aktuell an Tirol, wohl um sich fit für das Kanzleramt zu machen“, kann sich Wirtschaftskammer Christoph Walser einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Das zeigt sich an den Reisebeschränkungen, die man Tirol gegenüber durchzieht und bei wesentlich schlechteren Werten bei einzelnen Präfekturen in Frankreich wohl aus politischen Gründen geflissentlich nicht umsetzt.“

Wirtschaftskammer Tirol-Chef Christoph Walser

Ein neues Tourismus-Leitbild

Vom Tagesgeplänkel abgesehen hat aber längst eine Diskussion darüber eingesetzt ob der „Tiroler Weg“ des Tourismus auch nach der Pandemie funktionieren wird. Unter diesem Namen firmierte bisher das offizielle Tourismus-Leitbild des Landes, es soll bis Juni erneuert werden. Zurück in die Vergangenheit oder radikale Kehrtwende - zwischen diesen beiden Polen pendelt die nun einsetzende Diskussion

trend fragte dazu auch jene beiden Männer, die außerhalb Tirols wegen ihrer markigen Sprüche Richtung Wien und Bayern zu Reizfiguren geworden sind: den Tiroler Wirtschaftskammer-Chef Christoph Walser, der als potenzieller Nachfolger von Landeshauptmann Günther Platter gilt, und Seilbahnen-Vertreter Franz Hörl. Beide sind ÖVP-Mitglieder, Hörl sitzt im Nationalrat.

Vorweg: Nach Aussagen wie „Rülpser aus Wien“ (Hörl) und „Dann werden sie uns kennen lernen“ (Walser) sind die zwei Tourismusvertreter medial vorsichtiger geworden. Dem trend wollten sie nur schriftlich Fragen beantworten.

Seilbahnen-Vertreter Franz Hörl: „Wir müssen uns nicht neu erfinden, aber wir müssen gegen negative Entwicklungen knallhart vorgehen."

Klarerweise sind sie gegen eine scharfe Wende in jenem Bundesland, in dem der Tourismus laut Tirol Tourism Research 18 Prozent direkten Anteil an der Wertschöpfung hat, während der Österreich-Wert bei sechs Prozent liegt. „Man darf die Krise nicht dazu nützen, gut funktionierende und nachhaltig organisierte Modelle komplett über Bord zu werfen, wie dies leider von manchen politischen Kräften nun angestrengt wird“, lässt Walser ausrichten. Insbesondere die Grünen, in Tirol Regierungspartner der ÖVP, propagieren seit Langem eine Wende hin zu sanftem Tourismus.

Eine der erfolgreichsten Regionen der Welt

Auf eine Diskussion, ob die Abhängigkeit vom Tourismus insgesamt zu hoch geworden sei, will sich keiner der beiden Wirtschaftsvertreter einlassen. „Dieses Klumpenrisiko hat aus Tirol bislang eine der erfolgreichsten Regionen der ganzen Welt gemacht“, wischt Hörl jedwede Diskussion vorab vom Tisch. Wie auch die Tourismusverantwortlichen in Ischgl unterscheidet er neuerdings zwischen „gutem“ Aprés-Ski mit Wein oder Champagner (siehe auch: Hotspot Ischgl: Ende des Alpen-Ballermanns?) und exzessivem Partytourismus: „Wir müssen uns nicht neu erfinden, aber wir müssen gegen negative Entwicklungen knallhart vorgehen“, posaunt Hörl: „Ich halte nichts von Ballermann-Imitaten, sondern stehe für einen Qualitätssprung nach oben.“ Unvermeidlicher Nachsatz: „Man muss jungen Menschen auch zugestehen, unbeschwert zu feiern.“

„Wir haben uns den Tourismus ebenso wenig ausgesucht, wie das Ruhrgebiet die Schwerindustrie“, ergänzt Walser. Der Wirtschaftskammer-Chef deutet aber an, dass Diversifikation in Richtung Wissensindustrien sinnvoll sein könnte: „Das darf uns aber nicht davon abhalten, noch mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren - Was hindert uns daran, zu einem alpinen Silicon Valley zu werden?“

Nach den martialischen Tönen rund um die diskutierte Isolation Tirols, wo es eine besonders große Häufung von Fällen der so genannten Südafrikavariante des Coronavirus gibt, ist insbesondere Walser um eine Beruhigung bemüht. Es gehe jetzt um eine „Abrüstung der Worte“.


Lesen Sie mehr darüber, wie sich der Tiroler Tourismus auf die Zeit nach Corona vorbereitet in der trend. PREMIUM Ausgabe vom 26. Februar 2021

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