Nach der Insolvenz: Neustart für René Benkos Galeria Karstadt Kaufhof

Die Gläubiger von Galeria Karstadt Kaufhof haben mehr als 2 Milliarden Euro verloren. 4000 Mitarbeiter verlieren in René Benkos Signa-Gruppe in der Kaufshaussparte ihre Jobs. 40 Kaufhäuser werden zugesperrt.

Nach der Insolvenz: Neustart für René Benkos Galeria Karstadt Kaufhof

Essen. Für den Chef von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK), Miguel Müllenbach, war es fast schon ein historischer Moment: Das Amtsgericht Essen hat am Donnerstag das Insolvenzverfahren des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns aufgehoben und damit den Weg frei gemacht für einen Neustart des Handelsriesen. Der Warenhauskonzern gehört der österreichischen Signa-Gruppe um Investor Rene Benko.

"Diesen Tag und diesen Erfolg haben wir alle herbeigesehnt", schrieb Müllenbach in einem Mitarbeiterbrief. Galeria Karstadt Kaufhof melde sich zurück auf dem Spielfeld und werde in den kommenden Wochen und Monaten die Tabelle der erfolgreichen Einzelhändler auf den Kopf stellen.

Es sind selbstbewusste Worte. Dabei hatte der Warenhausriese erst Anfang April im Zuge der Coronakrise Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Zeitweise summierten sich die Verluste des ohnehin angeschlagenen Konzerns aufgrund der staatlich angeordneten Ladenschließungen auf rund 80 Mio. Euro wöchentlich.

Im Insolvenzverfahren hat Galeria Karstadt Kaufhof nun Schulden in Höhe von mehr als zwei Mrd. Euro abgeschüttelt. Doch die harte Sanierung traf nicht nur die Gläubiger, sondern auch die Mitarbeiter. Rund 4.000 Mitarbeiter verlieren ihren Job bei der Warenhauskette. Denn die Sanierungspläne sehen die Schließung von mehr als 40 Filialen vor.

Positiv ist allerdings: Fast 130 Kaufhäuser bleiben erhalten. Die Zahl ist deutlich höher als es der ursprüngliche Sanierungsplan vorsah. Denn viele Vermieter und Kommunen hatten dem Warenhauskonzern zuletzt beträchtliche Zugeständnisse gemacht, um die Schließung der für die Attraktivität vieler Einkaufsstraßen wichtigen Warenhäuser zu verhindern. Auch von den Karstadt-Sporthäusern bleiben mehr erhalten als anfangs erwartet.

Müllenberg zeigte sich am Mittwoch demonstrativ optimistisch, was die Zukunft des Handelsriesen angeht. "Die Krise hat uns stärker gemacht, denn wir haben anders als andere Unternehmen keine Schulden", schrieb er den Mitarbeitern.

Konzentration auf Regionalität und Digitalisierung

Galeria Karstadt Kaufhof will sich künftig bei seinem Angebot mehr an den lokalen und regionalen Gegebenheiten der Standorte ausrichten und außerdem viel digitaler werden. "Wir werden unseren Onlinehandel massiv ausbauen", sagte der Manager kürzlich in einem Interview. In diesem Bereich sei GKK bisher viel zu langsam und altbacken gewesen.

Nicht alle Branchenkenner sind allerdings so zuversichtlich wie der GKK-Chef. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein etwa beurteilt die Zukunftsperspektiven des Handelsriesen deutlich skeptischer. "Durch den Schuldenschnitt hat das Unternehmen jetzt einen kurzfristigen Wettbewerbsvorteil, eine Art Anschubhilfe. Aber das Grundproblem bleibt: Die Warenhäuser haben sich überlebt", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Vielleicht 30 bis 50 Warenhäuser in den Metropolen seien auf Dauer lebensfähig. Der Rest habe keine Zukunft. "Dinosaurier können vielleicht noch im Jurassic-Park überleben, aber nicht im hart umkämpften Einzelhandel."

Tatsächlich leidet Galeria Karstadt Kaufhof nicht nur unter der Coronakrise. Schon vor der Pandemie machten der Siegeszug des Onlinehandels und die seit Jahren sinkenden Besucherzahlen in den Innenstädten dem Konzern zu schaffen. Der Warenhausriese macht bisher nicht einmal fünf Prozent seiner Umsätze im Internet. Der Nachholbedarf auf diesem wichtigen Wachstumsmarkt ist also groß.

Die Gewerkschaft Verdi sieht die GKK-Geschäftsführung angesichts der harten Einschnitte bei der Belegschaft nun in der Pflicht. "Die Geschäftsführung muss jetzt endlich ihre Hausaufgaben machen und das Geschäft so gut führen, dass das Unternehmen und die Arbeitsplätze gesichert sind", verlangte der Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel, Orhan Akman. Wenn dem Top-Management das nicht gelinge, müsse es gehen. "Nach diesen harten Einschnitten darf man gegenüber einer Geschäftsführung, die dabei versagt, keinerlei Gnade zeigen."

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Norbert Grill ist seit 2008 technischer Geschäftsführer der ORS. Er hat das Studium Regelungstechnik und Automatisierung an der TU Wien absolviert und war zuvor beim ORF in leitenden Funktionen für Digitalisierungsprojekte verantwortlich.
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