Nach Coronahilfen: Warnung vor Folgepleiten gesunder Unternehmen

Inkasso-Experten warnen vor einem massiven Anstieg der Unternehmenspleiten und einem "Domino-Effekt". Gefahren in Lieferkette und im Bestand. Gefordert sind vor allem auch Geschäftsführer, die in die Haftung genommen werden.

Nach Coronahilfen: Warnung vor Folgepleiten gesunder Unternehmen

Wien. Die Coronahilfen laufen aus, die Unternehmen fahren ihren Betrieb wieder hoch. Doch die Kapitaldecke ist dünn oder wird sogar schwächer. Experten warnen bereits vor Folgeinsolvenzen gesunder Unternehmen, wenn nach Auslaufen der staatlichen Corona-Unternehmenshilfen mit mehr Unternehmenspleiten zu rechnen ist. "Es droht ein Dominoeffekt", warnte Helmut Tenschert, selbstständiger Berater für Versicherungsmakler und -betriebe, bei einem Experten-Gespräch der Auskunftei CRIF. Manch angeschlagener Betrieb sei mit Coronahilfen "durchgefüttert" worden. Pleiten solcher Firmen hätten "möglicherweise auch Folgen für gesunde Unternehmen".

"Bei gesunden Unternehmen lauert die Gefahr in der Lieferkette und im Bestand", ergänzte der Chef des Inkassounternemens INKO Inkasso und Vorstand im Inkassoverband Österreich, Walter Strobl. Es gehe um Kunden, Lieferanten und Partner, die man gut kennt und von denen in normalen Zeiten kein Risiko ausgeht. "Durch die Corona-Pandemie ergibt sich aber eine andere Risiko-Dynamik und es kann durch bisher stabile Partner eine plötzliche und unerwartete Gefahr für mich selbst entstehen."

Die Sorgfaltspflicht

Nach Einschätzung der Fachleute dürften Masseverwalter im Falle eines Konkurses den Fokus künftig vermehrt auf die Sorgfaltspflicht des Geschäftsführers legen. Wird diese Sorgfaltspflicht nicht eingehalten oder war sein vorbeugendes Risikomanagement ungenügend, so haftet der Manager für den eingetretenen Schaden mit seinem privaten Vermögen. "Geschäftsführer sind jetzt mehr denn je gefordert, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Wenn das Unternehmen in eine finanzielle Schräglage gekommen ist, dann gilt: Fakten auf den Tisch legen und erforderlichenfalls den Insolvenzantrag stellen", so Laurenz Strebl, Rechtsanwalt mit Fokus auf Unternehmens- und Wirtschaftsrecht.

"Bestehende Kunden sollten überprüft und auf Alarmsignale hinsichtlich Zahlungsverhalten geachtet werden", empfahl Strobl. "Je früher man entsprechende Warnsignale erkennt, desto eher lässt sich die eigene Existenz nachhaltig absichern", sagt Roland P. Wallner von CRIF Österreich.

KSV-Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze warnte bereits im Februar im trend-Gespräch davor, dass Unternehmen mit Coronahilfen künstlich am Leben gehalten werden. Bereits in Schieflage befindliche Unternehmen könnten zudem gesunde Unternehmen mit einem ruinösen Preisdumping in die Pleite mitgerissen werden.

Insgesamt werden die vergangenen sehr herausfordernden Monate wirtschaftlich noch länger nachwirken, so die Fachleute. Aber es werde die Zeit des Aufbruchs kommen, in der jene Unternehmen profitierten, die offen für Neues seien, vorausschauend agierten und ihre Prozesse entsprechend anpassten.

Vorerst laufen die Coronahilfen noch bis Ende Juni. Gestundete Steuern- und Abgaben können in Raten gezahlt werden. Es gibt auch Gespräche über eine etwaige Verlängerung, deren Ausgang zuletzt offen war.



Eigenkapital: Österreichs Wirtschaft hat in der Pandemie gewonnen

Der Kreditschutzverband KSV1870 hat die Entwicklung der …

Der Preis der Unabhängigkeit [Umfrage]

trend-Umfrage: Sind wir bereit, mehr zu zahlen, um autonomer zu sein? Das …

Ritter Sport Österreich Geschäftsührer Wolfgang Stöhr
Nachhaltig, vegan: Welt-Schokolade aus dem Burgenland

In der Fabrik im burgenländischen Breitenbrunn produziert Ritter Sport …

Siemens Österreich Generaldirektor Wolfgang Hesoun
"Politik und Machbarkeit liegen weit auseinander" [INTERVIEW]

Der scheidende Siemens Österreich Chef Wolfgang Hesoun im trend. …