Nach Betrugsaffäre: FACC klagt Ex-Vorstände

Nach Betrugsaffäre: FACC klagt Ex-Vorstände

Der Flugzeugkomponentenhersteller FACC klagt zwei ehemalige Vorstände auf zehn Millionen Euro Schadenersatz. Hintergrund ist ein Betrugsfall, der Anfang 2016 bekannt wurde und die Firma rund 44 Mio. Euro gekostet hat.

Zwischen 22. Dezember 2015 und 13. Jänner 2016 war beim börsenotierten Flugzeugkomponentenhersteller FACC Feuer am Dach. Einem Mitarbeiter wurden im Zuge eines "Fake-President-Frauds" Zahlungsanweisungen in Millionenhöhe der damaligen Firmenchefs vorgegaukelt.

Die Täter schafften es, eine fast perfekte Arbeitsbeziehung zum Opfer aufzubauen: 48 E-Mails schleusten sie in der Zeit in die FACC-Finanzabteilung. 44 Mal antwortete der FACC-Mitarbeiter - und überwies Geld im guten Glauben, dass CEO Walter Stephan höchstpersönlich zu einer dringenden Zahlung aufforderte. In Summe flossen so in insgesamt 18 Tranchen 54,34 Millionen Euro aus dem Unternehmen auf Konten in Taiwan, China, Hongkong und der Slowakei.

Im Unternehmen dafür eigentlich vorhergesehene Regeln, wonach etwa bei Überweisungen über 150.000 Euro zwei Vorstände unterschreiben müssen hätten, wurden nicht eingehalten. Ein kleiner Trost: Immerhin konnten über zehn Millionen Euro nach Auffliegen des Betrugs "eingefroren" und somit gerettet werden. Für Aktionäre dennoch eine bitter Pille: Der Aktienkurs der FACC (AT00000FACC2) hat sich in der Folge halbiert.

Einrichtung eines Kontrollsystems verabsäumt

Nun klagt die FACC jedoch die im Februar 2016 abberufene Finanzchefin sowie den im Mai 2016 als Firmenchef abberufenen Unternehmensgründer Walter Stephan auf zehn Millionen Euro Schadenersatz. Das Unternehmen wirft den ehemaligen Chefs vor, kein ausreichendes Kontrollsystem geschaffen zu haben. Die ehemaligen Vorstände hätten "in ihren Funktionen die Einrichtung eines angemessenen internen Kontrollsystems (IKS) verabsäumt und die Pflicht zur kollegialen Zusammenarbeit und Überwachung verletzt", heißt es in der Mitteilung des Gerichts.

Am 17. Dezember findet am Landesgericht Ried die zweite Verhandlung in der zivilrechtlichen Sache statt. FACC ist seit 2009 mehrheitlich im Eigentum der staatlichen Aviation Industry Corporation of China (AVIC).

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