Nach Air Berlin Pleite: Zittern bei Niki-Mitarbeitern

Nach Air Berlin Pleite: Zittern bei Niki-Mitarbeitern

Die Mitarbeiter der zu Air Berlin gehörenden "Niki" zittern: Kommt die Insolvenz oder die Rettung?

Nach der Pleite der deutschen Air Berlin fürchtet man auch bei Niki die Insolvenz. Ende August werden die Gehälter für die rund tausend Mitarbeiter fällig. Verkehrsminister Jörg Leichtfried signalisiert Bereitschaft, Niki mit einer entsprechenden Finanzspritze auszuhelfen.

Nach der Pleite der Air Berlin ist das Ringen um einen Fortbestand der Airline und das Feilschen um die Filetstücke voll im Gange. Zu diesen Filetstücken gehört auch die seinerzeit von Niki Lauda gegründete Airline "Niki", die zumindest bisher von der Insolvenz der Muttergesellschaft Air Berlin nicht betroffen ist.

Um Niki und ihre 20 Flugzeuge zeichnet sich ein Bieterstreit ab. Die Lufthansa will einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge Niki komplett übernehmen, quasi als Zuschlag zu den Teilen der Air Berlin. Kolportiert wird, dass die Lufthansa 90 der 140 Flugzeuge der insolventen Billig-Airline übernehmen will. Auch die britische Easyjet soll Interesse an Niki haben. Attraktiv sind auch die Start- und Landerechte von Niki am Flughafen Düsseldorf.

Niki soll nicht mit in den Strudel der Insolvenz gerissen werden. "Wir haben auch die Anzeichen bekommen, dass Air Berlin sehr interessiert daran ist, hier den Betrieb am Laufen zu halten, um uns dann möglichst reibungslos verkaufen zu können", erklärte Betriebsrat Stefan Tankovits im Anschluss an eine Niki-Betriebsversammlung in Wien. Es gebe die Zusage der Geschäftsführung, dass das nötige Geld zur Verfügung gestellt werde.

Noch ist allerdings nicht klar, ob sich Niki tatsächlich von der Air Berlin Insolvenz abkoppeln kann. Vorsichtshalber hat Air Berlin bereits bei der österreichischen Bundesregierung vorgefühlt, ob diese ähnlich wie die deutsche bereit wäre, mit einem Überbrückungskredit einzuspringen. Die Finanzhilfe soll nur in dem Fall geleistet werden, dass Niki als Folge der Air Berlin Pleite ebenfalls in Konkurs geht, was den Ausfall zahlreicher Flüge zur Folge hätte.

GPA-Gewerkschafter Peter Stattman erklärte: "Wir sind schon in Kontakt um österreichische Bundeshilfe, sollte ein Konkursfall eintreten." Man hoffe aber, dass der Fall nicht eintritt und die deutsche Finanzspritze für Air Berlin ausreichen werde, um in der Zeit der Verhandlungen mit Käufern den Flugbetrieb aufrecht zu halten..

Finanzspritze aus Österreich

Eine Pleite der Niki ist dank der deutschen Finanzspritze nicht akut - Air Berlin hat bis gestern und heute jedenfalls die notwendigen Rechnungen bezahlt. Die Arbeitnehmervertreter rund um Niki-Betriebsrat Stefan Tankovits bereiten sich jedenfalls auf alle möglichen Szenarien vor. Auch für den Worst Case." Verkehrsminister Jörg Leichtfried hat der Nachrichtenagentur Reuters zufolge jedenfalls schon Bereitschaft signalisiert und erklärt: "Wir lassen niemanden im Regen stehen und werden uns im Fall einer Insolvenz um eine Lösung bemühen."

"Derzeit sind die Indizien so, dass eine Finanzhilfe nicht notwendig ist, dass Niki eigentlich gut da steht. Niki ist auch nicht vom Insolvenzantrag betroffen", erklärt Leichtfried weiter. Sollte sich aber die Situation ergeben, dass Arbeitsplätze massiv betroffen sind oder Österreicher nicht mehr von ihren Reisen zurückkehren können, dann müsse man überlegen, wie man helfen kann.

Eine Nagelprobe werden die Ende August fälligen Gehälter für die rund tausend Niki-Beschäftigten. Dabei geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Zahlung ist laut Gewerkschaft zugesagt. Die Niki-Belegschaft hofft bald auf Klarheit und einen straffen Zeitplan für die Verhandlungen mit den Investoren.

Air Berlin Verkauf

Air Berlin verhandelt indessen mit drei börsennotierten Rivalen über eine Übernahme. "Neben der Deutschen Lufthansa stehen wir mit zwei weiteren Interessenten aus der Luftfahrt in Kontakt", sagte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Insidern zufolge zählt Easyjet zu den Interessenten. Zudem hatte der Reisekonzern Thomas Cook erklärt, er und seine Ferienflug-Tochter Condor stünden ebenfalls für eine "aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit". Auch der Touristik-Konzern TUI, dessen Tochter TUIfly Flüge für Air Berlin abwickelt, wird als Gesprächspartner gehandelt. Der irische Billigflieger Ryanair hat dagegen abgewinkt. Die Übernahme werde zu schnell gehen, als dass man eine faire Chance hätte, sagte Vorstandschef Michael O'Leary zu Reuters.

Zum Verkauf stehen vor allem Start- und Landerechte (Slots). Die Slots standen Ende 2016 noch mit 80 Millionen Euro in der Bilanz von Air Berlin. Die Slots von Niki waren in der Bilanz nicht mehr berücksichtigt.Aus dem Erlös soll der 150 Millionen Euro schwere Massekredit getilgt werden, mit dem die Bundesregierung den Betrieb von Air Berlin in den nächsten drei Monaten gewährleisten will. Die Flugzeugflotte hat Air Berlin nur geleast. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit dem Verkauf von Geschäfteinheiten und den damit verbundenen Start- und Landerechten Erlöse in einem Umfang erzielen werden, der über der gewährten Finanzhilfe liegt", sagte Winkelmann.

Begehrt dürfte vor allem der Flughafen Düsseldorf sein, wo Air Berlin rund ein Drittel der Slots hält. "Er ist besonders wichtig, weil die Slots dort aus Umweltgründen sehr begrenzt sind und weil er lukrativeres Geschäft bietet.

Die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries warnte die Lufthansa davor, sich einer Übernahme von Air Berlin zu sicher zu sein. Aus Wettbewerbsgründen müsse mehr als eine Airline zum Zug kommen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat sich dagegen dafür starkgemacht, dass die Lufthansa die wesentlichen Teile von Air Berlin bekommt.

Auch der deutsche Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl hat offiziell sein Interesse an einer Übernahme von Air Berlin gemeinsam mit Finanzinvestoren an, macht sich aber offenbar wenig Hoffnung auf den Zuschlag. "Obwohl diese Gruppe schon seit Jahren ein Beteiligungsinteresse signalisiert, wurde sie zu den Sondierungsgesprächen nicht eingeladen", erklärte er. Wöhrl warf der Regierung vor, sich einseitig auf die Seite der Lufthansa zu schlagen: Manches deute darauf hin, "dass hier von langer Hand eine einseitige Strategie zu Gunsten der Lufthansa entwickelt wurde."

Wöhrl hatte seinerzeit die Fluglinien Deutsche BA und LTU an Air Berlin verkauft. Heute ist er unter anderem an Hotels und an der Kaufhauskette Ludwig Beck beteiligt.

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