Motoren der Energiewende

Der österreichische Solarpark-Entwickler Kraftfeld fordert von der Politik berechenbare Rahmenbedingungen, um die beabsichtigte Energiewende tatsächlich zu erreichen.

Motoren der Energiewende

Im Oktober waren Ben Salm-Reifferscheidt, Florian Kneidinger und Rolf Theuer auf der Fachmesse Intersolar in München. Auf dem weltweit führenden Photovoltaik-Branchentreff, fanden die Gründer der Wiener Firma Kraftfeld, herrschte dieses Jahr echte Aufbruchsstimmung. „In China wurde ein einzelnes Projekt mit unglaublichen 2.000 MWp gebaut“, schwärmt Salm-Reifferscheidt.

Ob diese Stimmung auch in Österreich Niederschlag findet, ist jedoch nach wie vor ungewiss. Theoretisch sind die Weichen dafür gestellt: Mit dem im Juli im Parlament beschlossenen Erneuerbaren Ausbaugesetz (EAG) sind die Ausbaupläne definiert, um die Energiewende zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen zu erreichen. Bis 2030 sollen etwa die bisher installierten Kapazitäten für PV-Kraftwerke allein in Österreich auf 12,7 TWh versiebenfacht werden.

Die Kraftfeld-Gründer und Geschäftsführer (von links): Rolf Theuer, Ben Salm-Reifferscheidt und Florian Kneidinger

Die Kraftfeld-Gründer und Geschäftsführer (von links): Rolf Theuer, Ben Salm-Reifferscheidt und Florian Kneidinger

Nationale und internationale Investoren scharren in den Startlöchern: Nicht nur die bisherigen Energiekonzerne oder Industrieunternehmen und Flughäfen haben große Pläne, sondern auch private Projektentwickler. Kraftfeld, 2009 als Pressburg Partners gegründet, plant bis 2025 ein Projektvolumen von 500 Millionen Euro in Österreich, Rumänien und Ungarn. Bisher lag der Fokus des Trios vorrangig auf Solarparks im europäischen Ausland, rund 300 Millionen Euro wurden investiert. Nun visiert Kraftfeld auch in Österreich Freiflächen-Großanlagen an.

Föderalistische Hürden

Doch trotz lauter politischer Erfolgsrhetorik ist die Unsicherheit nach wie vor groß. In Österreich seien solche Projekte derzeit schlicht „nicht planbar“, sagt Kneidinger.

Einer der Hauptgründe ist die unterschiedliche Vorgangsweise der Bundesländer. „Jedes Bundesland hat ein anderes Regime, die Raumordnungsgesetze sind höchst unterschiedlich“, sagt Salm-Reifferscheidt. Niederösterreich etwa hat für Freiflächenanlagen im Grünen ein Moratorium für zwei Jahre ausgerufen, Oberösterreich hält bestehende Zonen für ausreichend. Der Boom findet bisher fast ausschließlich auf – begrenzten – Dachflächen statt. Die Steiermark ist etwas ambitionierter, derzeit fehlen aber mit Ausnahme des Burgenlands noch die exakten Pläne, wo denn überhaupt noch zusätzliche Sonnenkraftwerke aufgestellt werden dürfen.

Im traditionell technikskeptischen Österreich werden zudem optische, akustische oder – wissenschaftlich kaum beweisbare – gesundheitliche Gründe ins Treffen geführt, um die Energiewende zu bremsen. Kritiker sehen bei Solarparks wertvolle agrarische Fläche verloren gehen, auch wenn die Landwirtschaft Stein und Bein schwört, eine Doppelnutzung als Schafweide, Biodiversitätsfläche oder Sonderkultur hinzubekommen.

Boden für die Energiewende

Die Angst vor Bodenversiegelung, argumentieren die Kraftfeld-Manager, ist jedenfalls unbegründet: „Bodenversiegelung findet nicht statt, denn die Modultische werden nach dem Zaunpfahlprinzip gerammt und nicht betoniert. Im Gegenteil inmitten der intensiv genutzten Agrarmonokultur fungieren große Freiflächenanlagen als Biotope für Fauna und Flora“, proklamiert Kneidinger. Darüber hinaus brauche es lediglich maximal 0,5 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen, um die Ausbauziele zu erreichen.

Solange die Rahmenbedingungen aber nicht berechenbar sind, „verfehlen wir nicht nur Klimaziele, sondern verpassen auch industriepolitische Chancen“, verweist das Trio auf die volkswirtschaftliche Dimension, denn „in einer Zukunft ohne fossile Energieträger ist unsere Industrie auf günstigen Ökostrom angewiesen“. Es brauche zur Erreichung der Klimaziele zwar „viele kleine dezentrale Erzeugungsanlagen“. Aber eben auch „große marktwirtschaftliche Projekte“. Kein Zweifel: Kraftfeld ist angetreten, die großen Räder zu drehen.

SERGEI GURIEV, ÖKONOM

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Zu den Personen:
Caroline Palfy (r.) ist neue Geschäftsführerin in der Handler Holding GmbH und verantwortet den Bereich Sustainable-Strategie. Das Familienunternehmen HANDLER ist Spezialist für hochwertige Bau- und Immobilienprojekte in Österreich.
Marieluise Krimmel ist Partnerin bei Deloitte in Wien im Bereich Audit & Assurance und ist in der Prüfung und Beratung tätig. Ihre Branchenschwerpunkte liegen neben der Industrie in der Immobilien- und der Bauwirtschaft.

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