Diese Faktoren überprüft Moody's beim Rating der Türkei

Diese Faktoren überprüft Moody's beim Rating der Türkei

Das Wachstum schwächt sich ab, Reformen werden zu langsam umgesetzt und die Türkei ist zu sehr von ausländischem Kapital abhängig - wenn sich diese Annahmen bestätigen, wird Moody's das Land herabstufen. Aktuell liegt die Türkei nur eine Stufe über dem "Ramschniveau". Ein Einblick in das Bewertungsverfahren der Ratingagentur.

Moody’s nimmt den Putsch vom 15. Juli in der Türkei zum Anlass, die Ratingnoten zu überprüfen. Die Ratingagentur geht davon aus, dass sich durch den Putsch die kritische Lage weiter zuspitzt, sowohl politisch als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Im Moment sind türkische Staatsanleihen mit Baa3 geratet, also nur eine Stufe über dem sogenannten „Ramschniveau“.

Bei der Überprüfung des Ratings wird darauf geachtet, wie sich der Putsch auswirkt:

  • Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die inländische Nachfrage zurückgeht und so das Wirtschaftswachstum in den nächsten zwei bis drei Jahren sinkt.
  • In wie weit die politische Lage künftig vorhersehbar ist und auf die Stimmung der Konsumenten und Unternehmen drückt.
  • Die Türkei ist stark auf Importe aus dem Ausland angewiesen und auf die Beständigkeit des Umfelds. Nun achtet die Ratingagentur umso mehr darauf, wie sich der Putsch auf die Tätigkeit von Investoren in der Türkei auswirkt, erwartet jedoch eine sich verringernde Investitionsfreudigkeit ausländischer Kapitalgeber.

Moody´s Faktoren für die Bewertung:

1. Wachstum wird sich abschwächen

Laut Moody´s zeigte sich die Türkei in den vergangenen Jahren gegenüber Schocks widerstandsfähig. Das zeigt auch das starke Wirtschaftswachstum von aktuell 3,5 Prozent. Durch den Putsch erwartet Moody’s jedoch eine deutliche Abschwächung der Wirtschaft auf drei Prozent in diesem Jahr. Zahlreiche Ökonomen wie die von der UniCredit waren bis vor kurzem noch von einem Wachstum in Höhe von 3,6 Prozent für 2016 ausgegangen.

2. Reformen zu langsam umgesetzt

Moody´s bemängelt schon bisher das Reformtempo der türkischen Regierung. Die Ratingagentur hat die Türkei zuletzt 2013 noch auf stabil hinaufgestuft. Doch die seither geforderten Reformen, um das Investitionsklima zu verbessern und die Produktivität zu steigern und die Türken zu mehr Sparsamkeit zu animieren haben nicht gefruchtet.

3. Hohe Abhängigkeit von ausländischem Kapital

Die Ratingagentur hält die Schulden und damit die Abhängigkeit der Türkei von ausländischem Geld für hoch. Es wird erwartet, dass der Staat ein Defizit von rund 3,4 Prozent des BIP schultern muss. Unternehmen-, Banken und Regierungssektor wiederum sind mit 197 Milliarden Dollar verschuldet. Die Rückzahlung der Schulden macht dann laut Berechnungen von Moody´s für 2016/2017 in Summe 25 Prozent des BIP aus.

Moody’s stuft die Ratings der Türkei herab, falls die vorangeführten Annahmen positiv bestätigt werden. Das heißt, wenn davon ausgegangen wird, dass die politische Situation die Umsetzung der Reformen verhindert und sich die Beziehung zu ausländischen Investoren nachhaltig verschlechtert. Von einer Abstufung wird abgesehen, wenn sich der Einfluss des Putsches und die vorangestellten Annahmen nicht bestätigen lassen. Kann die Türkei die strukturellen Reformen umsetzen und von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum ausgegangen werden, so verbleibt das Rating auf Baa3, heißt es in dem aktuellen globalen Research-Papier von Moody´s, in dem die Überprüfung der Herabstufung der Türkei begründet wird.

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