RWE/E.ON-Deal bringt auch Kärntner Kelag auf Hochspannung

RWE/E.ON-Deal bringt auch Kärntner Kelag auf Hochspannung

Die Neuordnung am deutschen Strommarkt straht bis nach Kärnten.

Die deutsche Regierung begrüßt die Fusion der beiden deutschen Stromkonzerne RWE und E.ON bei gleichzeitiger Zerlegung von Innogy. Verbraucherschützer sind skeptisch, die Anleger jubeln. Die Fusion beschäftigt Monopolexperten. Der Deal hat auch Auswirkungen auf Österreich: RWE ist über ihre Tochter Innogy maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt. Und zwei Österreicher sitzen als Kontrolleure bei RWE an den Schalthebeln.

Berlin. Zwei Jahre nach der Aufspaltung der Energieriesen E.ON und RWE mischen die Konzerne die Karten schon wieder neu. Die Konzerne wollen dazu in einer komplexen Transaktion die RWE-Ökostromtochter Innogy, die in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt ist, unter sich aufteilen.

Wettbewerbsexperten sehen angesichts der geplanten Neuordnung auf dem deutschen Energiemarkt keine Gefahr einer Monopolbildung. "Die Konzentration von E.ON auf Netze und Vertrieb ist aus Wettbewerbssicht unkritisch zu sehen", sagte der Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, der "Rheinischen Post".

"Im Stromvertrieb sind Markteintrittsbarrieren gering, so dass hier wenig wettbewerbliche Bedenken vorliegen." Und die Stromnetze seien in Deutschland so reguliert, dass die Unternehmen nicht über den Preis konkurrieren.

Kritischer sieht Wambach hingegen einen Machtzuwachs von RWE bei der Stromerzeugung: "Als Anbieter von Versorgungssicherheit durch konventionelle Energie sowie von Erneuerbaren Energien wird RWE allerdings in zwei Märkten an Gewicht gewinnen, deren Relevanz in der Zukunft deutlich zunehmen wird." Es wäre "bedauerlich", wenn sich der große Spieler E.ON hier zurückziehen würde.

Sein Vorgänger Daniel Zimmer schließt sich dieser Auffassung an. Wichtig sei, dass genügend Anbieter auf den jeweiligen Märkten aktiv sind - und das sei gegeben, sagte er dem "Tagesspiegel". Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium der deutschen Regierung.

Die Börse hat das Fusionsfieber so richtig elektrisiert. Die Aktien von RWE und E.ON haben um 9,2 und 5,4 Prozent an Wert zugelegt. Innogy-Papiere haben sogar um 12,1 Prozent zulegen können.

Der Mega-Deal für die Neuordnung

Der deutsche Energiekonzern E.ON will zunächst die RWE-Ökostrom- und -Netztochter Innogy komplett übernehmen und danach im Gegenzug den Konkurrenten RWE am eigenen Unternehmen beteiligen. E.ON würde dabei das lukrative Netzgeschäft von Innogy erhalten. Die RWE-Tochter Innogy ist maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt. Innogy hält 49 Prozent an der Kärntner Energieholding, die wiederum 51 Prozent an der Kelag hält. Zusätzlich hält Innogy einen direkten knapp 13-prozentigen Anteil am Kärntner Versorger, der knapp 1.500 Mitarbeiter beschäftigt. Diese Kelag-Anteile sollen nun also von Innogy direkt unters Dach der RWE wandern.

Die erneuerbaren Energien sollen unter dem Dach von RWE vereint werden. RWE hatte Innogy erst im April 2016 operativ an den Start und im Herbst des Jahres an die Börse gebracht. Innogy, das derzeit 41.000 Mitarbeiter beschäftigt, soll im Zuge des Deals wieder zerschlagen werden.

Die beiden Konzerne wollen den Energiemarkt in Deutschland neu aufteilen: E.ON mit Innogy wäre zuständig für Netze und die Versorgung der Kunden mit Strom und Gas. RWE würde Kraftwerke (unter anderem auch Atom- und Kohlekraftwerke) betreiben und Strom erzeugen. Diesem Fusionsplan müssen die Kartellbehörden allerdings noch zustimmen.

E.ON bringt hat es im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 38 Milliarden Euro erzielt, unterm Strich netto inklusive Sondererträgen aus rückgezahlter Brennelementesteuer soll der Konzern drei Milliarden Euro verdient haben. Ohne die Rückzahlung dürften etwa 1,3 Milliarden Euro geblieben sein, berichtet die "Wirtschaftswoche".

RWE kann nun mit einem Milliardengewinn im Rücken die geplante Zerschlagung der Tochter-Innogy vorantreiben. Nach einem Rekordverlust von 5,7 Mrd. Euro 2016 fuhr der Versorger im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 1,9 Mrd. Euro ein. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 6,5 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro gestiegen. 2018 werde das Ebitda des Konzerns auf 4,9 bis 5,2 Mrd. Euro schrumpfen, da dann der Tiefpunkt der Strompreise der vergangenen Jahre durchschlage.

Die RWE-Tochter Innogy bringt es mit Netz und Infrastruktur auf zehn Milliarden Euro Jahresumsatz, mit dem Vertrieb 30 Milliarden. Der Kauf von Innogy durch E.ON hat ein Volumen von fast 20 Milliarden Euro.

Im Aufsichtsrat von RWE sitzen auch mit Ex-Infineon Austria-Vorstandschefin Monika Kircher und Ex- Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) zwei prominente Österreicher.

Grünes Licht aus der Politik

Die deutsche Regierung begrüßte die Pläne. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Ich habe Vertrauen in unsere Energieunternehmen, dass sie auf jeden Fall die beste Variante suchen, wie sie die Energiewende und die nachhaltige Energieversorgung schaffen können".

Die scheidende Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) erklärte, es sei "gut, wenn es in Deutschland wettbewerbsfähige und international orientierte Energieversorger" gebe. Die jetzigen Pläne könnten "dazu ein Beitrag sein", erklärte Zypries. Eine Konzentration auf bestimmte Geschäftsfelder könne "notwendige Investitionen bei Erzeugung und Verteilnetzen befördern". Ihr designierter Nachfolger Peter Altmaier (CDU) mahnte, dass sich die Politik nicht in einzelne Entscheidungen von Unternehmen einmischen dürfe.

Unter Hochspannung

Österreichs Regulierungsbehörde E-Control sieht auch Auswirkungen der Fusion von RWE/E.ON auf den österreichischen Markt haben. Man wird mögliche Auswirkungen auf Österreich beobachten., heißt es bei E-Control.

Teile der betroffenen Unternehmen seien auch in Österreich tätig, zum Beispiel am Erdgasspeichermarkt, sagte E-Control-Vorstand Wolfgang Urbantschitsch am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz. Wenn es tatsächlich zu einer solchen Umgestaltung dieser Konzerne kommt, müsse man sich sehr wohl damit auseinandersetzen, welche wettbewerblichen Auswirkungen das hat.

Das sei klassischerweise eine Sache der Fusionskontrolle und angesichts der Größe dieses Zusammenschlusses sei wohl davon auszugehen, dass es die Europäische Kommission zu beurteilen habe. Im Regelfall frage die EU-Kommission bei den nationalen Wettbewerbsbehörden und wohl auch bei den Regulierungsbehörden nach, welche Auswirkungen durch ein konkretes Zusammenschlussvorhaben entstehe können.

Skepsis bei Verbraucherschützern

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Klaus Müller, forderte: "Das Bundeskartellamt muss jetzt genau prüfen, welchen Einfluss die Fusion auf private Verbraucher hat." Die Strompreise für Verbraucher dürften nicht noch weiter ansteigen, sagte Müller. Diese seien "ohnehin zu hoch".

Der Vorsitzende des Bunds der Energieverbraucher, Aribert Peters, forderte das Bundeskartellamt auf, eine Übernahme der RWE-Tochter Innogy durch E.ON zu untersagen: "Wir befürchten, dass das auch zu höheren Strompreisen für Verbraucher führt."

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