Mondi-Boss: "Gegen die mächtigen Biomasse-Lobbyisten kommen wir nicht an"

Peter Oswald, CEO Mondi Europe & International, profitiert vom Boom im Online-Handel und der dadurch steigenden Nachfrage nach intelligenter Verpackung.

Peter Oswald, CEO Mondi Europe & International, profitiert vom Boom im Online-Handel und der dadurch steigenden Nachfrage nach intelligenter Verpackung.

Peter Oswald, Chef von Mondi Europa und International, sprach mit trend.at über mögliche Brexit-Folgen für den Verpackungskonzern, den Trend zu weniger Verpackung und die Auswirkung auf den Konzern, wo im Verpackungsbusiness das große Wachstum ist und warum ihm die Förderung von Biomasse gegen den Strich geht.

trend.at: Fürchten Sie durch den Brexit finanzielle Einbußen für Ihr Unternehmen?

Oswald: Wir sehen den Brexit vielmehr als Chance und haben nach dem Kursrückgang des Pfunds vor kurzem sogar den britischen Verpackungshersteller Excelsior Technologies erworben. Wir haben die Gunst der Stunde genutzt und, nachdem andere Unternehmen bei Investments in Großbritannien vorsichtig geworden, haben wir die aktuelle Situation genutzt und das Unternehmen zu einem guten Preis gekauft. Zwar sind Geschäfte in Großbritannien nach dem Votum mit höheren Risiken behaftet, aber das Land bietet seither auch Vorteile. So hat das gesunkene Pfund die britische Wirtschaft wettbewerbsfähiger gemacht.

Fürchten Sie nicht unter möglichen Zöllen nach dem Brexit zu leiden?

Oswald: Ich glaube nicht, dass die meisten Produktionsbetriebe mit Zöllen bestraft werden. Höchstens Schlüsselindustrien wie die Automobilindustrie. Hier muss ein politisches Signal gesetzt werden.

Da Sie nun eine Fabrik gekauft haben: Gehen Sie von einer steigenden Nachfrage aus?

Oswald: Die Märkte, in den unser Unternehmen tätig ist, wachsen wir pro Jahr typischerweise um zwei Prozent. Deutlich stärkeres Wachstum verbuchen wir jedoch in einzelnen Sparten wie der Verpackung von Lebensmitteln. Durch die Akquisition in England wollen wir genau das stark wachsende Segment der Konsumverpackung ausbauen. Die zwei Produktionsstätten verfügen beispielsweise über eine Hightech-Verpackungstechnik für die Mikrowellen-Dampfgarung.

Gerade im Bereich Lebensmittel gibt es einen Trend zu weniger Verpackung. Inwiefern spüren Sie diesen?

Oswald: Wir erzielen drei Viertel des Umsatzes mit Verpackungen und spüren natürlich den Trend zu weniger Verpackungen. Aber dafür werden gleichzeitig die Verpackungen technisch anspruchsvoller und die Verpackungsgrößen kleiner - was wiederum die Nachfrage erhöht. Das ist letztlich auch ein Beitrag zur Müllvermeidung, denn wer die optimale Portionsgröße kauft, muss auch weniger oder im Idealfall keine verpackten Lebensmittel wegwerfen. Verpackung ist somit Teil der Lösung. Auch die Haltbarkeit der Lebensmittel steigt durch intelligentere Verpackungen. So erzeugen wir in unserem Werk in Zeltweg beispielsweise hochwertige Verpackungsfilme für Fleisch oder Käse. Durch die spezielle Verpackung gelingt es Barrieren gegen Feuchtigkeit, Licht, Sauerstoff, Fett, Gerüche und Aromen zu entwickeln und die Lebensmittel so länger haltbar und schmackhaft zu erhalten.

In welchem Bereich erzielen Sie derzeit das höchste Wachstum?

Oswald: Im Versandhandel. Dank des stark wachsenden Onlinehandels boomt das Geschäft. In diesem Bereich verbuchen wir zweistellige Zuwachsraten. Gerade in diesem Bereich hat sich aufgrund der starken Nachfrage bei der Verpackung viel getan. Gefragt sind anspruchsvolle und wiederverschließbare Verpackungen, damit Kunden diese ohne viel Aufwand zurückschicken können, wenn die Ware nicht gefällt. Ein wichtiger Wachstumsbereich ist auch flexible Kunststoffverpackung. Diese wird immer öfter anstatt Metalldosen eingesetzt. So wird Hundefutter vielfach in neuen, kleineren Verpackungsgrößen aus Kunststoff angeboten. Durch die neuartige Verpackung fällt rund 80 Prozent weniger Material an. Die neue Verpackung ist wesentlich dünner, weshalb auch deutlich weniger C02 für Produktion und Entsorgung anfällt. Sie ist somit wirtschaftlicher und umweltverträglicher.

Die Papierindustrie kritisiert die staatliche Förderung von Biomasse für Heizungen und Treibstoffe scharf und wettert gegen die dafür nötige Verbrennung von Holz ohne, dass dieses vorher genutzt wurde. Wie sehen Sie das?

Oswald: Da treffen Sie auch bei mir einen wunden Punkt. Das ist nicht sinnvoll. Wir müssen deshalb 30 Prozent des Holzes, das wir für die Verpackung benötigen, importieren. Die weiten Transportwege verteuern natürlich die Kosten. Die nun beschlossene kleine Ökostromreform wird die Förderung, die ursprünglich auf 13 Jahre begrenzt war, um weitere sieben Jahre verlängern. Das geht in die falsche Richtung. Aber gegen die mächtigen Lobbyisten in diesem Bereich kommen wir nicht an. Würde es die staatliche geförderte Holzvernichtung nicht geben, müssten wir nicht 30 Prozent unseres Holzbedarfes importieren und könnten unseren Bedarf zur Gänze in Österreich decken. Nur bei einer stofflichen vor einer energetischen Nutzung von Holz ist die volle Ausschöpfung der Wertschöpfungskette garantiert: Veredeln vor verbrennen, muss daher das Motto sein.

Produktionsunternehmen setzen immer öfter hochintelligente Roboter ein. Ist das bei Ihnen auch der Fall und müssen Mitarbeiter deshalb langfristig um ihre Jobs fürchten?

Oswald: Wir investieren tatsächlich bereits in neuartige Roboter, die bisher von Menschen geleistete Arbeit mitunter ersetzen. Erst seit kurzem kommen in einer unserer deutschen Fabriken solche Roboter zum Einsatz. Die Maßnahmen sind jedoch nötig, um in einem Hochlohnland wie Deutschland die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Der Einsatz solcher Roboter kann letztlich dazu führen, dass die Produktion erst gar nicht mehr in Billiglohnländer verlegt wird, zumal etwa in China die Produktionskosten in den vergangenen zehn Jahren um das zehnfache gestiegen sind und heute bereits ein Drittel der Lohnkosten in Österreich ausmachen.

Über Mondi:

Das Unternehmen ist ein international tätiger Hersteller von Verpackung und Papier und beschäftigt weltweit rund 25.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Länder. Das Unternehmen verfügt über rund 100 Produktionsstätten und bietet Kunden insgesamt rund 100.000 individuelle Verpackungslösungen. Um für die Produktion genügend Holz bereitstellen zu können, bewirtschaftet das Unternehmen selbst mehr als 2,4 Millionen Hektar Wald. Die Firma operiert von Zentralen in Johannesburg, London und Wien aus. Die Aktien der Mondi Gruppe notieren in Johannesburg und London. In Österreich verfügt das Unternehmen über Produktionsstätten in Zeltweg, Frantschach, Grünburg, Korneuburg, Hilm, Ulmerfeld-Hausmening und Kematen. Mondi ist entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Verpackungs- und Papierherstellung tätig – von der Bewirtschaftung unserer Wälder über die Produktion von Zellstoff, Papier und Verbundwerkstoffen bis hin zur Entwicklung von effizienten und innovativen Industrie- und Konsumgüterverpackungen. Die Technologien und Produkte finden sich in den unterschiedlichsten Anwendungen wie Hygienekomponenten, Standbodenbeuteln, extrastarken Zementsäcken, intelligenten Einzelhandelsverpackungen und Büropapieren wieder.

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