Mobilfunker an Regierung: Hört die 5G-Signale

Österreichs Mobilfunkbetreiber haben ihre Wünsche zu 5G über das Forum Mobilkommunikation (FMK) und individuell an Infrastrukturminister Norbert Hofer deponiert. Alle warten auf die Telekomgesetz-Novelle und die Frequenzauktion, die 2018 noch stattfinden soll. Es geht um Milliarden. Die erstarkte Branche hat hohe Erwartungen an die Politik.

Mobilfunker an Regierung: Hört die 5G-Signale

Das Milliarden-Business: Verzichtet die ÖVP/FPÖ-Regierung auf Milliarden-Einnahmen aus der 5G-Auktion?

"Bitte Warten!", so könnte man die Situation der heimischen Mobilfunkindustrie derzeit beschreiben. Die 5. Mobilfunkgeneration (5G) wirft gerade ihren langen Schatten voraus. Und die Spannung dürfte sich bis zum Sommer noch verstärken, wie beim Jahresgespräch vom Branchenverband Forum Mobilkommunikation (FMK) einmal mehr deutlich wurde.

Denn heuer stehen der Mobilfunkindustrie zwei Großereignisse bevor, die für teilstaatliche Telekom Austria (A1), T-Mobile Austria sowie Hutchison Drei Austria (Drei) noch reichlich Zündstoff in sich birgt. Und die Mobilfunker Milliarden kosten könnte.

Großereignis Nummer 1 ist die Telekomgesetz-Novelle (TKG). Sie sollte recht rasch, am besten noch vor der parlamentarischen Sommerpause abgesegnet werden. Im Rahmen der Novellierung sollen die Leitplanken für die neue Mobilfunkgeneration 5G neu ausgerichtet werden. Jeder der drei Netzbetreiber hat dazu dem Verkehrsministerium seinen Wunschzettel übermittelt. Selbstredend, dass sich die Netzbetreiber einiges an Erleichterungen erwarten.

Zu den Forderungen zählen lauf FMK-Präsident und A1 Telekom Austria-CEO Marcus Grausam die "kostengünstigere Nutzung von öffentlichem Grund, die Absenkung von Frequenzgebühren" aber auch neue Regeln zum "gemeinsamen Netzausbau in ländlichen Regionen", wo es sich für einen Netzbetreiber alleine nicht rechnet teure Netze zu errichten. Der Ausbau mit 5G sei die Basis für die weitere Digitalisierung des Landes, für Themen wie "Internet of Things, Industrie 4.0 oder auch für das Autonome Fahren", sagt Grausam.

Vom Gesetzgeber wünschen sich die Netzbetreiber, dass die TKG-Novelle noch vor dem Sommer beschlossen wird, damit auch das Großereignis 2 mit der Auktion der 5G-Frequenzen noch 2018 auf Schiene gebracht werden kann.

Die Frequenzauktion soll noch im Herbst erfolgen. Bis 2025 soll österreichweit 5G und somit höhere Datenübertragungsraten auch abseits der Großstädte und Ballungsräume genutzt werden können.

Dass die Mobilfunker interessiert sind, 5G so rasch wie möglich auszubauen, gilt als verbrieft. Freilich immer in Abhängigkeit der Verfügbarkeit der neuesten Netztechnologie, Smartphones und Breitband-Cubes und ähnlichem Equipment, das die Datenübertragung schneller macht. Die Netzbetreiber haben 5G derzeit nur in Labors getestet. T-Mobile hat in Innsbruck bereits einen ersten Tests außerhalb eines Labors in einem Quasi-Echttest gestartet. Drei hat einen Test gestartet, in dem eine Vorstufe von 5G in Wien-Aspern getestet wird.

Wenn's ums Geld geht

FMK-Präsident und A1-CEO Grausam ist ob des 5G-Strategiepapiers der Bundesregierung voll des Lobes, und sprach kaum überraschend von einem "sehr, sehr begrüßenswerten Schritt".

Geht es aber um den Preis für die Frequenzen und die Kosten für den Netzausbau mit 5G, dürften es zwischen den drei Netzbetreiber und der Politik nicht mehr so kooperativ zugehen, wie es sich vielleicht die Politik wünschte. "Auf zwei bis drei Milliarden Euro" schätzt FMK-Präsident Grausam die Kosten für den 5G-Ausbau - ohne die Kosten für die Frequenzen. Auf bis zu zehn Milliarden Euro kommt die Studie des Verkehrsministeriums, was auch die Kosten für Glasfaser inkludiert, was zusätzlich noch zu den 5G-Netzen dazugerechnet werden muss. Alleine der flächendeckende Ausbau mit Glasfaser würde "6 bis 7 Milliarden Euro kosten und gut 20 Jahre dauern", meinte Grausam. "Mit 5G geht das schneller", sagt Grausam.

Ein Wink für den Infrastrukturminister

Die Mobilfunkbranche boomt und hat 2017 neue Rekorde zu verzeichnen. Und dennoch haben die drei Großen der Branche über den Branchenverband FMK ausrichten lassen, dass trotz kräftigem Anstieg von Umsatz, massivem Anstieg von Datenvolumen und Verkauf von SIM-Karten der Gewinn stagniert. Der Gesamtumsatz der Branche ist um 2,7 Prozent auf 4,12 Mrd. Euro gestiegen. Hingegen ist der Gewinn nur um 0,8 Prozent auf 1,52 Mrd. Euro gewachsen.

Letzteres ist denn auch als ein eindeutiger Wink an das Infrastrukturministerium zu verstehen. Im April hatte Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) noch von einem "nationalen Schulterschluss" zwischen Politik, Verwaltung und Wirtschaft gefordert und eindeutige Signale auch an die Adresse der Mobilfunker gerichtet.

Doch die wollen freilich den Preis für den "Rohstoff" Frequenzen jedenfalls drücken. Ein Spiel, das sich nun nach den Auktionen der Frequenzen für 3G (UMTS) und 4G (LTE) vor rund 20 bzw. fünf Jahren nun wiederholt.

Das Funksignal für Milliarden

Sollte die Auktion mit demselben Modus wie die 4G-Auktion im Jahr 2013 über die Bühne gehen, dürfte erneut ein satter Milliardenbetrag in die Staatskasse der Republik gespült werden. Eine Horrorvorstellung für die Netzbetreiber, die für die 4G-Frequenzen rund zwei Milliarden Euro in die Staatskasse bezahlt haben.

"Jeder Euro, der zu viel in Frequenzauktion fließt, fehlt dann beim Ausbau", warnt FMK-Präsident Grausam. Der Ausbau des neuen 5G-Netzes würde sich dann verzögern. Für den Standort Österreich wäre das nicht günstig.

Was freilich nur die halbe Wahrheit ist. Schließlich wollen die obersten Konzernchefs der Netzbetreiber in Mexiko, Bonn oder Hongkong als Eigentümer oder Vertreter der Aktionäre für die Frequenzen nicht mehr als notwendig in die Staatskasse Österreichs einzahlen.

Die Netzbetreiber sind dem Shareholder Value und somit ihren Aktionären mehr verpflichtet als sie dem Charme eines "nationalen Schulterschlusses" in Österreich etwas abgewinnen könnten. Ein brisantes Thema, bei dem derzeit von Seiten der Netzbetreiber bestenfalls ein freundliches Lächeln als eine Wortspende zu erhalten ist.

Die Republik Österreich auf der anderen Seite hat - "Nationaler Schulterschluss" hin oder her, wie ihn Infrastrukturminister Hofer gefordert hat - ihrerseits neben einem flächendeckenden 5G-Ausbau auch ein großes Interesse mit einem Schlag Milliarden einzunehmen. Das Budget könnte mit Milliardeneinnahmen freilich ordentlich aufgepeppt werden. Und kurzfristig würden so Budgetziele wie Nulldefizite schneller realisiert.

Eine Boombranche vor 5G

Zu den wichtigsten Zahlen: Im Mobilfunk ist das Datenvolumen im Jahr 2017 um rund 60 Prozent auf erstmals über 1 Milliarde Gigabyte gestiegen (siehe Grafik) . Die Anzahl der verkauften SIM-Karten boomt ebenso. Dank Vernetzung unterschiedlicher Geräte - im Branchensprech M2M oder Machine-to-Machine genannt - ist der Verkauf von SIM-Karten um fast eine Million Stück oder 7 Prozent auf 14,4 Millionen SIM-Karten angewachsen.

Abermals rückläufig ist die Zahl der verschickten SMS. Allerdings zugunsten vor allem von Facebook-Messenger oder WhatsApp, die einmal mehr der klassischen SMS den Rang abgelaufen haben: Wurden 2016 noch rund 3 Milliarden SMS verschickt, waren es im Vorjahr nur noch 2,4 Milliarden verschickte SMS-Kurzmitteilungen via Smartphone. Hingegen haben andere Messaging-Dienst rund 100 Milliarden Nachrichten verschickt, was für 2017 erstmals erhoben wurde. Leicht rückläufig sind auch die Handytelefonate.

Als Wermutstropfen nennt das FMK den Gewinn: Nur um 0,8 Prozent auf 1,52 Mrd. Euro ist der Gewinn (EBITDA) der drei Netzbetreiber im Vorjahr gestiegen.

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