„Augen zu und durch gibt es im Mittelstand nicht“

Angst ist in der Wirtschaft kein guter Ratgeber, sagen Orsolya Hegedüs und Friedrich Wiesmüllner von Deloitte Österreich. Im Programm „Best Managed Companies“ hat das Beratungsunternehmen die Besten des Mittelstandes gesucht – und dabei viele gemeinsame Erfolgsfaktoren gefunden.

ZU DEN PERSONEN:
Orsolya Hegedüs, Partnerin bei Deloitte Österreich, betreut seit mehr als 15 Jahren nationale und internationale M&A-Projekte. Zudem ist sie im Management von Deloitte für den Bereich „Clients & Industries“ zuständig.
Friedrich Wiesmüllner, Partner bei Deloitte Österreich, ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Betreuung von Privat- und Familienunternehmen im Bereich Handel, Industrie und Dienstleistung. Er leitet bei Deloitte in Österreich und Zentraleuropa den Bereich Familienunternehmen.

ZU DEN PERSONEN: Orsolya Hegedüs, Partnerin bei Deloitte Österreich, betreut seit mehr als 15 Jahren nationale und internationale M&A-Projekte. Zudem ist sie im Management von Deloitte für den Bereich „Clients & Industries“ zuständig. Friedrich Wiesmüllner, Partner bei Deloitte Österreich, ist Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Sein Tätigkeitsschwerpunkt liegt in der Betreuung von Privat- und Familienunternehmen im Bereich Handel, Industrie und Dienstleistung. Er leitet bei Deloitte in Österreich und Zentraleuropa den Bereich Familienunternehmen.

trend: Energiepreise, Inflation, Rezessionsängste: Auf den Mittelstand kommen laut Wirtschaftsforschern harte Zeiten zu. Was beobachten Sie: Sind die Unternehmen in Krisenstimmung?
Orsolya Hegedüs: Die Unternehmen haben mittlerweile gelernt, mit den neuen Rahmenbedingungen zu leben. Lieferketten wurden diversifiziert, innovative Projekte gestartet, Investitionen gut vorbereitet. Und auch wenn aktuell alle über das Thema Energie sprechen: Für die meisten Unternehmen ist aktuell das Thema Personalknappheit jener Bereich, wo der Schuh am meisten drückt.
Friedrich Wiesmüllner: Die Wirtschaft blickt derzeit auf die Politik – das zeigt auch der aktuelle „Deloitte Austrian Tax Survey“ eindeutig. Doch den allgemeinen „Katzenjammer“ gibt es nicht. Diejenigen Unternehmen, die gut vorbereitet sind, stehen auch im aktuellen Umfeld gut da – jene, die mitten in einer Krise restrukturieren müssen, haben es natürlich nicht leicht. Insgesamt ist die Flexibilität noch wichtiger geworden. Dafür braucht es eine stabile Eigentümerstruktur und eine gute Ressourcenausstattung.

„Best Managed Companies“ findet heuer zum zweiten Mal statt. Die teilnehmenden Unternehmen wurden dabei einer ganzheitlichen Betrachtung unterzogen. Welche Veränderungen können Sie im Vergleich zum letzten Jahr beobachten? 
Wiesmüllner: Um kurz den Hintergrund zu erläutern: Mit „Best Managed Companies“ widmet sich Deloitte Österreich in Kooperation mit der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien aktiv Österreichs Mittelstand. Bei der Gala am 21. September im Raiffeisen-Haus Wien werden die Preisträger des heurigen Jahres ausgezeichnet – wir freuen uns auf die Veranstaltung und einen hochkarätigen Teilnehmerkreis. „Best Managed Companies“ ist kein Wettbewerb der Kennzahlen. Die teilnehmenden Unternehmen werden vielmehr von einer unabhängigen Expertenjury in den vier Schwerpunktbereichen Strategie, Governance & Finance, Produktivität & Innovation sowie Kultur & Commitment bewertet und von Experten von Deloitte Österreich begleitet.

Heuer aufgefallen ist, dass die bei „Best Managed Companies“ teilnehmenden Unternehmen alle im Bereich ESG (Environmental, Social, Governance, zu Deutsch: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung, Anm.) sehr stark engagiert sind – und zwar nicht nur bei Umwelt-, sondern auch bei Mitarbeiter- und sozialen Themen. Auffallend ist auch, dass die Cyber-Awareness stark ausgeprägt beziehungsweise gestiegen ist. Sämtliche Unternehmen nehmen das Thema Cybersicherheit sehr ernst. Dabei geht es nicht um Anlassfälle, sondern um das Bewusstsein für das Thema. Wie die mediale Berichterstattung zeigt, haben Intensität und Technik der Angriffe zugenommen. Einfachere Versuche wie „Fake-President-Mails“ waren gestern, heute drohen durch komplexe Attacken Produktionsstillstand oder Diebstahl sensibler Unternehmensdaten. Österreichs Mittelstand ist sehr stark im Bereich Forschung und Entwicklung und sorgt sich demnach auch, seinen Know-how-Vorsprung durch einen gezielten Angriff zu verlieren.

Welche Best Practices sind heuer bei den teilnehmenden Unternehmen aufgefallen, unabhängig von der Branche? Was können andere von diesen sehr gut geführten Unternehmen lernen?
Hegedüs: Für „Best Managed Companies“ steht der mittelfristige und langfristige Erfolg im Vordergrund. Es geht darum, nachhaltige Lösungen zu finden. Die Erfahrung zeigt, dass selbst traditionelle Unternehmen innovativ und dynamisch sein können. Oft ist der Wandel die Folge eines Generationenwechsels im Unternehmen.
Wiesmüllner: Wir leben in einer Welt, die nicht Stillstand, sondern Wandel fordert. Augen zu und durch gibt es im Mittelstand nicht. Bei den „Best Managed Companies“ ist das unternehmerische Mindset auf Flexibilität getrimmt – ohne überhastet Entscheidungen zu treffen und Bestehendes einfach über Bord zu werfen. Wir beobachten einen offenen Managementstil und ­Einbindung aller Interessen.

Österreichs Mittelstand hat in der Pandemie Resilienz gezeigt – dann kamen neue Krisen rund um geopolitische Konflikte, Energieknappheit und Preissteigerungen dazu. Wie können sich die Unternehmen für so viele Herausforderungen überhaupt entsprechend wappnen?
Wiesmüllner: Resilienz ist die Widerstandskraft gegen alles, was kommen mag. Krisen sind oft unvorhersehbar, sich auf diese vorzubereiten, ist also schwer. Aber man kann zumindest einige Maßnahmen setzen, damit sie einen nicht so hart treffen. Wer nur Optimierungen und Einsparungsmöglichkeiten bis zum letzten Cent ausgereizt hat, war in der Krise meist weniger flexibel und damit nicht so resilient. Die Frage ist also eher: Ist der Mittelstand allgemein resilienter? Was seine Ressourcenausstattung anbelangt, lautet die Antwort Ja. Insofern dürften die Besten selbst nach einer möglichen Marktbereinigung gesund dastehen.

Die Kapitalisierung in Österreichs Mittelstand ist im internationalen Vergleich beachtlich – dennoch werden Kapitalpolster durch die Inflation ­gerade aufgezehrt. Wie sollten Unternehmen im aktuellen Umfeld ihre Kapitalstruktur stärken?
Hegedüs: Wer mit seinem Kapital Verluste finanziert hat, wird eher Probleme bekommen. Doch viele haben die Mittel genutzt, um zukunftsfähige Investitionen zu tätigen. Da die Zinsen jetzt steigen, könnte der Wert so mancher Sicherheit sinken. In diesem Umfeld macht es bestimmt Sinn, über andere alternative Kapitalquellen nachzudenken und auch Eigenkapitalgeber ins Boot zu holen.
Wiesmüllner: Wir beobachten ­zugleich, dass sehr viele erfolgreiche Unternehmen genügend Kapital haben und bewusst aus der eigenen Branche hinaus in neue Geschäftsfelder gehen und in neue Geschäftsideen investieren. Das ist gerade im aktuellen Umfeld ein sehr positives Signal für die Wirtschaft. Das Kapital wird nicht gehortet, sondern auch in Start-ups oder Wachstumsunternehmen gesteckt, die oft auch ihren Fokus auf ESG legen.

Stichwort Nachhaltigkeit: ESG ist in aller Munde, und spätestens heuer haben alle Unternehmen gelernt, dass sie Teil der Energiewende sind. Sind „Best Managed Companies“ auch in diesem Bereich führend? Wie haben sich die teilnehmenden Unternehmen in diesem Bereich geschlagen? Können sie daraus Wettbewerbsvorteile ziehen?
Wiesmüllner: Ein klarer ESG-Fokus ist langfristig bestimmt ein Wettbewerbsvorteil. Früher hat die Politik mit Regulativen und Vorgaben das Thema „gepusht“, inzwischen haben die Unternehmen erkannt, dass dieser Bereich zum Schwerpunkt der Aktivitäten werden muss. In wenigen Jahren wird ein Unternehmen, das diesbezüglich kein echtes Bekenntnis vorweisen kann und nur „Greenwashing“ betreibt, keine Produkte mehr verkaufen und auch keine Mitarbeiter oder Lieferanten finden. Die „Best Managed Companies“ sind allesamt Pioniere auf diesem Gebiet und steigern die Dynamik sogar.
„Best Managed Companies“ sind First Mover – und wollen nachhaltige Werte schaffen.

www.deloitte.at/bestmanaged

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