Milliardenverlust bei E.ON und keine Besserung in Sicht

Johannes Teyssen, CEO E.ON

Johannes Teyssen, CEO E.ON

Die Energiewende ist für den Energiekonzern E.ON eine hartnäckige Energiekrise aus. Das Unternehmen muss im Halbjahr einen Verlust von drei Milliarden Euro einstecken. Konzernchef Johannes Teyssen erwartet auch für das Gesamtjahr einen Verlust.

Der Energiekonzern E.ON, das einst so stolze Flaggschiff der deutschen Energiewirtschaft, kommt aus den durch die Energiewende ausgelösten Turbulenzen nicht heraus. Der Konzern hadert weiterhin mit den enormen, durch den Ausstieg aus der Atomwirtschaft verursachten Kosten und muss zudem deutliche Wertberichtigungen an den Kohlekraftwerken und Gasspeichern der eigenen Kraftwerkstochter Uniper vornehmen.

Kurz vor dem geplanten Börsengang der Uniper im September muss Konzernchef Johannes Teyssen einen weiteren Dämpfer hinnehmen. "Unsere Bilanz ist durch die Finanzierung des Atomausstiegs, die erwartete Neubewertung unseres Uniper-Anteils und das internationale Zinsniveau angespannt", erklärte er. Konkret bedeutet das, dass rund 3,8 Milliarden an Wertberichtigungen vorgenommen werden mussten. Alleine der Wert der Uniper wurde um 2,9 Milliarden nach unten korrigiert.

Unter dem Strich trieben die Abschreibungen auf Uniper den Halbjahresverlust des Konzerns auf rund 3,8 Milliarden Euro. Und es ist noch keine Besserung in Sicht: Nach dem Börsengang im September könne es weitere "Anpassungen" geben, sagte Finanzchef Michael Sen. Insgesamt steht die Tochter nach den Abschreibungen jetzt noch mit etwa zwölf Milliarden Euro in den Büchern, Analysten hatten den Wert allerdings zuletzt schon eher bei rund fünf Milliarden Euro gesehen. Nach dem IPO der Uniper müsse der dann ermittelte Marktwert dem Buchwert gegenüber gestellt werden, erklärte Sen.

Der E.On drohen also weitere massive Abschreibungen und der dritte Jahresverlust in Folge (2014: - 3 Mrd. €; 2015: - 7 Mrd. €). "Die Notwendigkeit, Uniper Assets neu zu bewerten, hat auch weiterhin Auswirkungen auf unsere Bilanz", sagte Sen.

Brave New World?

In einem Brief an die Aktionäre beschwört Konzernchef Teyssen einmal mehr den "Aufbruch von E.ON in die neue Energiewelt". Der Chef des größten deutschen Energieversorgers will das Unternehmen auf das lukrative Geschäft mit Ökostrom, Strom- und Gasnetzen und dem Vertrieb ausrichten. Doch der Weg dorthin ist steinig. Und mit Risiko gespickt.

Die Aktie von E.ON (DE000ENAG999) verlor nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen zeitweise mehr als sechs Prozent. Die höhere Verschuldung des Konzerns lasse mit Blick auf künftige Dividendenzahlungen nichts Gutes ahnen, sagte ein Börsianer. Zudem gebe es eine große Gefahr, dass bei Uniper weitere Abschreibungen nötig seien. "Wir haben bereits Ende 2014 davor gewarnt, dass die Bilanz von E.ON nicht stark genug für eine Abspaltung ist und seitdem immer wieder bekräftigt, dass frisches Kapital gebraucht wird", schrieben die Analysten von Kepler. Eine Kapitalerhöhung in nennenswerter Höhe zeichne sich ab. "Vermeiden Sie eine Investition in E.ON zu diesem Zeitpunkt", rieten die Experten.

Die bald auf eigenen Füßen stehende Tochter Uniper steht von Anfang an unter Druck. Vorstandschef Klaus Schäfer will zahlreiche der knapp 14.000 Stellen streichen und bis 2018 Beteiligungen im Wert von mindestens zwei Milliarden Euro abstoßen. E.ON muss derweil Milliardensummen für den Atomausstieg stemmen. Teyssen hatte bereits angekündigt, Investitionen zu verschieben und Kosten zu senken. Pläne für einen Stellenabbau gebe es bei E.ON nicht. Es würden Jobs abgebaut, aber auch andernorts aufgebaut.

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