Mieten statt kaufen: Der Handel entdeckt die Sharing Economy

Mieten statt kaufen: Der Handel entdeckt die Sharing Economy

Der Handel beginnt das Geschäftsmodell der Sharing Economy aufzunehmen. In ersten Pilotversuchen erproben deutsche Handelsketten die Akzeptanz von Miet-Angeboten. Handelsexperten sehen darin ein zukunftsträchtiges Geschäftsfeld.

Eine digitale Spiegelreflexkamera im 59,99 Euro im Monat, ein Beamer um 34,99 Euro oder eine Waschmaschine um monatlich 39,99 Euro. Miete. Nicht als Rate für einen Kauf: Mit Angeboten wie diesen testen große deutsche Einzelhändler derzeit den Markt für Mietangebote ab. Ausgewählte Elektronikartikel, Haushaltsgeräte und Sportartikel werden dabei um einen Bruchteil ihrer Kosten monatsweise zur Miete angeboten. Vorreiter sind dabei der Versandhändler Otto und die Elektronikkette Media Markt. Für Österreicher sind die Angebote vorerst noch nicht zugänglich.

Die Idee, die im Sportartikelhandel bereits funktioniert - der Verleih von Skiern und Skiausrüstung sowie Snowboards boomt etwa, während die Verkaufszahlen stagnieren - soll nun auch auf andere Bereiche des Handels umgelegt werden.

Für den Handelsexperten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein sind die Unternehmen damit auf dem richtigen Weg: "Es gibt gerade bei jungen Leuten einen Trend weg vom Kaufen hin zum Mieten, zur sogenannten Sharing-Economy. Die Möglichkeiten in diesem Bereich sind viel größer als bisher angenommen, wie sich hier zeigt", meint er. Zudem handelt es sich bei den angebotenen Produkten eher weniger um solche, die man auch täglich verwendet, über die man aber mitunter gerne verfügen würde.

Ein Beispiel dafür ist die von Otto Versand über das Internetportal ottonow.de zur Miete angebotene digitale Spiegelreflexkamera Canon EOS 80D inklusive 18-55mm Objektiv. Im offiziellen Canon Store wird die Kamera mit dem Objektiv derzeit zum Preis von 1.299,99 Euro verkauft. Bei Otto kann man die Kamera um 59,99 Euro monatlich mieten. Ein interessantes Offert, wenn man sich zum Beispiel im Normalfall mit der Smartphone-Kamera begnügt, bei einem besonderen Anlass oder etwa auch auf einer Reise jedoch eine hochwertige Kamera verwenden möchte.

Versuchsballons

"Die Idee, Produkte auf Zeit zu besitzen und lediglich zu mieten, hat ein neues Level erreicht. Es ist jetzt der richtige Moment, die Bereitschaft der Konsumenten für Mietangebote zu testen", betont Marc Opelt, Otto-Bereichsvorstand Vertrieb. Als Haupt-Zielgruppen für die Angebote werden vorerst Studenten, junge Familien mit Kindern oder Technikfreaks, die immer die neuesten Geräte haben oder diese zumindest ausprobieren möchten, gesehen.

Mieten statt kaufen: Technik-Produkte, Haushaltsgeräte und Sportartikel zum Mieten.

Mieten statt kaufen: Technik-Produkte, Haushaltsgeräte und Sportartikel zum Mieten.

Otto hat seinen Mietservice Mitte Dezember gestartet. Im Jänner zog Media Markt mit einem Miet-Angebot nach. Aktuell bietet die Elektronikkette rund 370 zur Miete an, darunter sind etwa Smartphones und Smartwatches, Notebooks, Tablets oder Spielekonsolen. Mittelfristig ist für Media Markt auch die Ausweitung des Miet-Services auf die stationären Märkte denkbar. Denn auch für Media-Saturn-Manager Lennart Wehrmeier steht fest: "Die Einkaufsgewohnheiten verändern sich. Konsumenten wollen mehr Flexibilität."

Media Markt Werbung für die "Mietwochen"

Media Markt Werbung für die "Mietwochen"

Media Markt arbeitet bei seinem Angebot mit dem Berliner Start-up Grover zusammen, das schon seit gut zwei Jahren Mietgeräte anbietet und diese mit dem Slogan "Weniger kaufen. Mehr erleben." bewirbt. Grover-Gründer Michael Cassau sieht in dem Mietmodell eine große Chance für den Einzelhandel. "Damit werden neue Zielgruppen erschlossen, Konsumentscheidungen beschleunigt und dadurch der Absatz gefördert."

Allerdings muss der Konsument auch zu Kompromissen bereit sein. So ist die Auswahl der Geräte bisher noch sehr überschaubar. Wer ein bestimmtes Gerät will, muss schon viel Glück haben, es zu finden. Reservierungen sind nicht möglich und gerade zur Haupturlaubszeit in den Monaten Juli und August wird es zum Beispiel recht schwer sein, dass man sich auch eine digitale Spiegelreflexkamera ausleihen kann.

Der Handelsexperte Heinemann ist aber überzeugt, dass schon bald weitere Mietangebote auf den Markt kommen. "Es werden sicher noch mehr Händler auf den Zug aufspringen und anfangen, Geräte nicht nur zu verkaufen, sondern auch zu vermieten", meint er. Infrage komme alles, was groß und teuer sei. Für ihn steht fest: "Solche Angebote passen einfach in die Zeit. Sie machen die Kunden flexibler und unterstützen den Trend zur Mobilität. Damit passen sie in das Lebensgefühl der jungen Generation, die nicht mehr so viel Wert auf Besitz legt."

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