Michael Krammer streift mit HoT an der Millionengrenze

Fünf Jahre nach Unternehmensgründung, hat Michael Krammer mit Ventocom als Betreiber rund eine Million Kunden für den Lebensmitteldiskonter Hofer ins Netz geholt. 5G wird für Krammer frühestens im Jahr 2022 ein Massengeschäft. Schweigen hat sich Krammer zur 5G-Auktion auferlegt.

Michael Krammer streift mit HoT an der Millionengrenze

Das Griss um 5G ist für Michael Krammer nicht immer nachvollziehbar, ist es doch eine logische technologische Innovation im nomalen Mobilfunkzyklus.

Wien. Für Michael Krammer war in de Rückschau das Jahr 2013 doppelt relevant. Hat der ehemalige CEO von Orange Austria und Ex-Telering-Chef gleich doppelt seine Weichen für die Zukunft gestellt. Beruflich hat Krammer sein Unternehmen Ventocom gegründet. Ventocom ist ein Mobile Virtual Network Operator (MVNO), der ohne eigenes Netz, quasi zur Miete, Mobilfunkinfrastruktur von einem der drei großen Netzbetreiber nutzt, um als Dienstleister eigene Pakete zu schnüren. Ventocoms Netzpartner ist dabei Magenta (vormals T-Mobile Austria).

Die zweite Entscheidung war Präsident vom Fußballklub Rapid Wien zu werden. Hier hat Krammer im November 2019 bereits Bilanz gezogen und war zu einer erneuten Wiederwahl vor allem aus familiären Gründen nicht mehr angetreten. Bei SK Rapid hat Krammer vor allem mit dem neuen Stadion geglänzt und dazu beigetragen, dass der finanziell abstiegsgefährdete Klub mit solidem Management auf Kurs gebracht wurde, wenngleich der sportliche Erfolg (Meister, Pokalsieg) sich unter Krammers Ägide partout nicht einstellen wollte.

Mit Ventocom ist Krammer jedoch noch nicht fertig. Gleich kurz nach dem Start hattte Krammer 2015 den Lebensmitteldiskonter Hofer als prominenten Kunden gewinnen können. Seither schnürt Ventocom für Hofer Telekom unter der Marke HoT (Spruch: "Do hot's was!" Prepaid-Mobilfunkprodukte samt Aktionen etwa mit mobilem Breitband, Apple iPhones und iPads sowie Smartphones von Samsung oder Huawei zu entsprechend attraktiven Kampfpreisen.

Rund 930.000 Kunden und auf einen Marktanteil von 7,2 Prozent hat es Krammer in dem schon bis dahin recht gesättigten Markt in Österreich gebracht und vor allem der Konkurrenz Kunden abwerben können oder als Provider für die "Zweihandys" bis dato reüssiert. Der Kick: Mobilfunk zum Diskontpreis, für 9,90 Euro pro Monat zahlen die Kunden. Und im Laufe der Zeit bekommen die Kunden beim Datenvolumen und Datengeschwindigkeit nachgelegt, ohne dass sie zusätzlich dafür zahlen müssen.

Ein scharf kalkuliertes Geschäft, das aber Ventocom mit seinen zuletzt 75 Mitarbeitern in Österreich sowie Slowenien zuletzt rund 70 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Was unterm Strich zuletzt im Jahr 2019 übrig blieb, wollte Krammer nicht verraten. "Das sehen sie dann spätestens im September", gibt sich Krammer bedeckt. Dann wird die Bilanz für 2019 offiziell im Firmenbuch stehen. Dass das scharf kalkulierte Geschäft einiges abwirft, sieht man an der Bilanz 2018 mit einem Rohergebnis von 14,3 Millionen Euro, 2017 waren es noch 13,7 Millionen Euro. Nach Steuern blieb ein Gewinn von 5 Millionen Euro.

Zuletzt hat das Gratis-Roaming in der EU sowie die für Prepaid-Provider obligatorische SIM-Registrierung der Kunden auf den Profit gedrückt. Die Großhandelspreise fürs EU-Roaming drücken gerade bei Wiederverkäufern wie Ventocom auf den Gewinn. 2,5 Millionen Euro hat das Ventocom alleine im Vorjahr gekostet, sagt Krammer. Gleichzeitig hat sich das Datenroaming seit dem Frall der Roaming-Grenzen verachtzigfacht.

Die Kosten für die SIM-Kartenregistrierung haben Einmalkosten von einer Million Euro verursacht. Die laufenden Kosten belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro pro Jahr. Krammer hofft dabei auf eine Verordnung, die nun von der neuen Regierung umgesetzt wird. Diese würde eine Kostenerstattung vorsehen.

5G weit weg und doch so nah

Unter der Marke HoT strickt Krammer mit seinen mittlerweile 75 Mitarbeitern Mobilfunkpakete für den Lebensmitteldiskonter Hofer. Und zwar in Österreich sowie in Slowenien. Ebenso im Jahr 2013 wurde Krammer zum Präsident von Rapid Wien gewählt. 2019 ist er abgetreten – er hatte schon früh aus familiären Gründen eine erneute Kandidatur ausgeschlossen.

Anders als beim professionellen Ballestern in Hütteldorf bei Rapid, schaltet Krammer nun bei Ventocom wieder einemal in den Angriffsmodus - allerdings mit angezogener Handbremse, was die Äußerungen anbetreffen.

Nicht äußern wollte sich Krammer, inwieweit Ventocom sich an der nächsten Frequenzauktion für 5G-Spektrum beteiligen will und ob das überhaupt ein Thema sei. Im April wird die österreichische Telekom-Regulierer RTR weitere Frequenzbänder für 5G versteigern. "Ich darf und kann dazu nichts sagen, die Vorgaben von der RTR strikt", sagte Krammer überraschenderweise. Bisher war eine Teilnahme von Ventocom an den 5G-Auktionen noch kein Thema.

Anders als beim direkten MVNO-Mitbewerber Spusu, der bei der Auktion im Vorjahr neben den großen Netzbetreibern A1, Magenta und Drei und anderen lokalen Anbietern ebenso an der 5G-Auktion mitgeboten und so Frequenzspektrum für sein eigenes 5G-Netz erworben hatte.

Neues Glück ab 2022 mit 5G

Wesentlich auskunftsfreudiger konnte Krammer indes zur Entwicklung von 5G im Allgemeinen sein: "Ich rechne damit, dass es frühestens Mitte 2022 einen Massenmarkt für 5G geben wird." Krammer dämpft auch ein wenig die großen Erwartungen, die derzeit durch große Ankündigungen und der Teils Überbetonung der Bedeutung von 5G gehegt werden. "Ganz ehrlich, der Hype, der um 5G gemacht wird, ist nicht immer nachvollziehbar. Es handelt sich um den nächsten technologischen Schritt, der wie zu Beginn der 2000er-Jahre mit UMTS, um 2010 LTE und 4G kommen wir nun zehn Jahre später zu 5G, das freilich ein Mehr an Effizienz bringt und bringen muss, wesentlich bessere Latenzzeiten, aber nicht einen kompletten Neubau der Infrastruktur", meint Krammer, der damit die hohen Erwartungen etwas dämpfen will.

Krammer blickt bei 5G auch in die Schweiz, wo er bei Sunrise im Aufsichtsrat sitzt. Und meint: "In der Schweiz ist man schon weiter, aber interessant ist, dass man dort nicht in den Ballungszentren mit dem Ausbau beginnt." Sunrise gibt sich in der Schweiz bereits mit dem Ex-Monopolisten und Marktführer Swisscom auch bei 5G die Klinge.

Beim Konsumenten wird 5G aber erst ankommen, wenn es richtige 5G-fähige Smartphones gibt, die zudem maximal 500 Euro kosten. Doch derzeit sieht der Ventocom-Chef noch keine Endgeräte am Markt, obwohl die drei heimischen großen Netzbetreiber bereits 5G-Tarife zwischen 60 und über 100 Euro pro Monat anbieten. Ebenso wird es bei mobilem Breitband noch dauern. "Es gibt derzeit ein Router um 1000 Euro - viel zu teuer", sagt Krammer.

Ob Ventocom mit HoT dann auch weiterhin die Niedrigpreisstrategie mit dem unteren Preislimit von knapp zehn Euro halten kann, ist indes noch nicht klar. "Das ist noch weit weg, wir werden aber alles versuchen, dass wir wieder ein sehr attraktives Produkt anbieten", sagt Krammer. Jedenfalls will Ventocom weiterhin über das Magenta-Netz funken. Wie lange der Vertrag noch mit Magenta läuft? "Dazu haben wir Stillschweigen vereinbart."

Derweil kann Ventocom mit HoT noch immer konkurrenzfährige Pakete mit LTE schnüren. Noch immer ist die Wechselwilligkeit der Österreicher gegeben. Und HoT steht beim Wechsel des Telekomanbieters laut einer GfK-Studie an erster Stelle. Von Juni bis November des Vorjahres wechselten 169.000 Mobilfunkkunden den Anbieter. Zu Hofers HoT-Angebot haben 28.000 Nutzer gewechselt. Einer der drei großen Netzbetreiber, der nicht genannt wurde, hat indes eine größere Abwanderung zu beklagen.

Das schönste und die größte Überraschung zum 5. Geburtstag von HoT hat sich Krammer jedoch noch aufgehoben. Die Überraschung zum 5. Geburtstag von HoT für die Kunden folgt noch: "Da treffen wir uns im März. Und ich verspreche ihnen, dass es was Besonderes sein wird."

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