Miba: Für das zweite Halbjahr verhaltener

Maschinen zur Fertigung von Bauteilen gehören zu den Spezialitäten von Miba.

Maschinen zur Fertigung von Bauteilen gehören zu den Spezialitäten von Miba.

Nach Zuwächsen im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der oberösterreichische Autozulieferer und Investitionsgüterhersteller Miba für die nächsten Monate zurückhaltend. Der Bereich Investitionsgüter macht dem Konzern zu schaffen. 2015/16 will man dennoch kräftig investieren. Wachsen will man vor allem in China und den USA.

Die börsenotierte oberösterreichische Miba AG, Zulieferer für die Auto- und Investitionsgüterindustrie, bleibt auf Expansionskurs und hat hier weiterhin vor allem China und die USA im Visier, auch künftig "die" Wachstumsmärkte. Zulegen will man organisch, aber auch durch Zukäufe, sagte Vorstandschef Peter Mitterbauer am Mittwoch im Bilanzpressegespräch in Wien.

Im Geschäftsjahr 2014/15 (per 31.1.) steigerte Miba den Umsatz um 10 Prozent auf 669 Mio. Euro und das Betriebsergebnis (EBIT) - ebenfalls dank günstiger Wechselkurse - um 17 Prozent von 70 auf 82 Mio. Euro. Beim EBIT wirkten sich die Währungseffekte mit 10 Mio. Euro aus, erläuterte CFO Markus Hofer. Beim Eigenkapital, das von 350 auf 422 Mio. zulegte, war der Effekt mit 27 Mio. Euro noch höher.

Kurzfristig positiv

Kurzfristig, für das heurige erste Halbjahr, ist der Miba-Chef "durchaus positiv" gestimmt. Vorhersagen für das zweite Halbjahr seien jedoch schwieriger, "das lässt uns um einiges vorsichtiger sein". Das erste Halbjahr werde sehr stark durch die Autoindustrie getrieben sein, die vom privaten Konsum begünstigt sei, der durch die billige Energie (Öl) wachse, sagte Hofer. Miba ist aber nur zu 45 Prozent im Kfz-Bereich exponiert, 55 Prozent des Geschäfts entfallen auf diverse Investitionsgüterindustrien. Und dieser Bereich liege "danieder", meinte der Finanzvorstand und verwies etwa auf die "bewegungslose" Schiffsindustrie, den nach unten gehenden Traktorbereich und den mit Fragezeichen versehenen Großturbinensektor. Auch beim gut gehenden Motorbereich sei "nicht klar, wie es im zweiten Halbjahr weitergeht". Zudem sei fraglich, wie stark China wirklich wachse, fügte Vorstandschef Mitterbauer hinzu.


Miba will speziell in Asien und den USA weiter expandieren - dort setzt der Laakirchner Konzern schon 16 bzw. 21 Prozent seines Umsatzes ab, produziert dort momentan aber nur 12 bzw. 17 Prozent der Erlöse. Von den weltweit knapp 5.200 Mitarbeitern sind 3.770 in Europa tätig (davon 2.200 in Österreich, über 1.300 in der Slowakei) und 740 in Asien (China/Indien) sowie 660 in Amerika (USA und Brasilien).

Neue Produktionsstandort in China und den USA geplant


"In den nächsten drei, vier Jahren denken wir schon über neue Produktionsstätten nach", sagte der CEO: "Diese werden vor allem in China und am nordamerikanischen Markt entstehen." Zunächst werde man die jüngsten Erweiterungen von Hallenflächen mit neuen Aufträgen füllen. Das Werk in Suzhou in China wurde verdreifacht und der Sinterstandort in McConnelsville (USA) verdoppelt. Dadurch fand auch der Personalanstieg 2014/15 vor allem in China und den USA statt. Um den Österreich-Standort müsse man deshalb keine Angst haben, betonte Mitterbauer, denn "in China produzieren wir nur für China". Derzeit stehen weltweit 22 Produktionsstandorte, davon 12 in Europa, 4 in Asien, 6 in Amerika.

Hohe Investitionen geplant

Bis zum Jahr 2020 will Miba beim Umsatz die Milliarden-Grenze knacken und dafür - über einen 7-jährigen Zeitraum betrachtet - insgesamt 500 Mio. Euro an Wachstumsinvestitionen tätigen, sagte Mitterbauer. Mittel- und langfristig gebe es ein globales Wachstum der internationalen Auto- und Antriebsstrangindustrie. Die finanziellen Mittel zur Umsetzung der Wachstumspläne seien verfügbar. Gut gerüstet sei man dafür durch 90 Mio. Euro Nettokreditguthaben, sagte Hofer, also einen Überhang des Finanzvermögens in dieser Höhe gegenüber den Verbindlichkeiten, sowie die 57-prozentige Eigenkapitalquote. Durch solide Finanzen wolle man Herr im eigenen Haus, also unabhängig bleiben.

Voriges Jahr sind die Sachanlage-Investitionen mit 53 Mio. wieder auf frühere Größen zurückgegangen - nach einem Rekordwert von 68 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2013/14, das von den großen Ausbauten in China und den USA geprägt war. Doch auch 2015/16 werde ein großes Investitionsjahr werden, kündigte Hofer mit Hinweis ebenfalls auf diese beiden Länder an. Konkrete Objekte für mögliche Zukäufe habe man noch nicht im Visier, sagte Mitterbauer, "aber wir haben einen guten Radarschirm". In den neuen Hochelektronik-Feldern und im Beschichtungsbereich (Coating) schaue man sich nach etwas Passendem um, doch auch zu Mobilität und Energie sei man auf der Suche.

Miba erzeugt Komponenten für Motoren, Getriebe und Bremsen, etwa Sinterformteile, Gleitlager, Reibbeläge, Beschichtungen und anderes. 44 Prozent der Umsätze werden im Pkw-Bereich gemacht, je 9 Prozent mit Lkws/Bussen und Baumaschinen, 8 Prozent mit Kraftwerken bzw. Energieübertragung, 7 Prozent mit Zügen/Lokomotiven, 6 Prozent mit Schiffen. Jede zweite Windstromturbine weltweit werde durch Miba-Bremsbeläge gebremst, wenn der Wind zu stark bläst, und beschichtete Zahnräder für die Luftfahrt würden den Kerosinverbrauch um 30 Prozent senken und den Lärm um 10 Dezibel, nannte Mitterbauer einige Anwendungsbeispiele. Sinterformteile für Massenausgleichssysteme bei 3-Zylindern würden im Autosektor die herkömmlichen 4-Zylinder ersetzen, seien aber ebenso leistungsstark.

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