Metro-Übernahme: Milliardär Kretinsky droht zu scheitern

Metro-Großaktionär und EPH-Vorstandschef Daniel Kretinsky

Metro-Großaktionär und EPH-Vorstandschef Daniel Kretinsky

Die Übernahme des Handelskonzerns Metro durch den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky scheint nicht zu klappen. Kretinskys Offert ist an eine Schwelle von 67,5 % gekoppelt, seine Investmentgesellschaft EPGC hat aber erst 36,51 % der Aktien eingesammelt.

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky dürfte mit seinem Versuch, den deutschen Handelskonzern Metro zu übernehmen, scheitern. Zwei wichtige Großaktionäre, die Meridian Stiftung und die Beisheim Gruppe, stellen sich dem Tschechen entgegen. Die Gespräche mit beiden Teilhabern über eine mögliche Unterstützung des Übernahmeangebots sind dem Bieterkonsortium EPGC um Kretinsky zufolge gescheitert.

Das Konsortium will mindestens 67,5 Prozent der Anteile des MDax-Konzerns erwerben, konnte bisher aber nur etwas mehr als ein Drittel (36,51 %) der Stammaktien einsammeln. So konnte sich Kretinsky die Unterstützung des Großaktionärs Haniel sichern, der seine restlichen Anteile von gut 15 Prozent bereits angedient hat.

EPGC habe offene und konstruktive Gespräche geführt. Es sei aber deutlich geworden, dass das Konsortium und die beiden Aktionäre unterschiedliche Ansichten über die Bewertung von Metro haben. "EPGC bestätigt, dass weder der Angebotspreis erhöht noch die Mindestannahmeschwelle abgesenkt noch das Angebot anderweitig geändert wird. Die Annahmefrist für das Angebot endet am 7. August 2019", erklärte EPGC. Es ist allerdings nicht unüblich, dass bei Übernahmen große Pakete oft erst kurz vor Fristende angeboten werden.

Preisfrage: Was ist Metro wert?

Die gegen die Übernahme Widerstand leistende Meridian Stiftung und die Beisheim Gruppe haben sich zusammengetan und halten gemeinsam rund 20,55 Prozent der Metro-Anteile. Kretinsky kämpft zudem gegen die Empfehlung des Aufsichtsrats und des Vorstands, die Offerte wegen des zu geringen Preises abzulehnen.

Damit könnte bei Metro vieles auf eine künftige Pattsituation hindeuten. Scheitert das Angebot Kretinskys, kann dieser den nächsten Schritt gehen: Mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent kann das Konsortium ein Pflichtangebot vorlegen - zu einem deutlich niedrigeren Preis als die gebotenen 16 Euro. Haniel hat sich bereits bereit erklärt, seine Aktien auch für weniger Geld zu verkaufen.

Die Metro-Aktien (ISIN DE0007257503) hatten sich am Montag im Handelsverlauf deutlich von ihren anfänglichen Verlusten von bis zu 7 Prozent erholt und notierten am Ende knapp 2,5 Prozent tiefer. Am Freitag war der Metro-Kurs wegen dieser Spekulationen um fast 9 Prozent nach oben geschnellt.

Jung und steinreich

Daniel Kretinsky gehört zu der Gruppe der neuen, jungen, steinreichen Unternehmer, die in den Reformstaaten im CEE-Raum schnell reich geworden sind. In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt liegt er mit einem auf 2,2 Milliarden Euro geschätzten Vermögen auf Platz 924. Sein Vermögen hat er im Energie-Sektor erwirtschaftet. Kretinsky kontrolliert 94 Prozent der Anteile des Energiekonzerns EPH mit Sitz in Prag und ist damit einer der wohlhabendsten Tschechen.

Über Kretinsky privat ist wenig bekannt, außer dass er sich sehr für Fußball interessiert - 2004 stieg der heute erst 43-jährige Unternehmer zusammen mit der J&T-Gruppe seines Geschäftspartners Patrik Tkac beim Fußball-Verein Sparta Prag ein. Er spielt außerdem Golf, sammelt Kunst und mag italienische Sportwagen. Kretinsky lebt nach eigener Aussage in einer Villa, die einst der kunstinteressierte und bibliophile Bankier Jaroslav Preiss (1870-1946) für sich und seine Geliebte bauen ließ. Sonst bleibt er aber trotz seiner exponierten Position lieber im Hintergrund.

Kretinsy, der Energie-Milliardär

Mit EPH ist Kretinsky schon länger auch außerhalb Tschechiens aktiv. 2016 hat er - ebenfalls mit Tkac als Partner - die deutschen Braunkohlekraftwerke und den Braunkohle-Tagebau von Vattenfall übernommen. EPH verfügt unter anderem auch in Tschechien, der Slowakei, Italien und Großbritannien über Kraftwerke. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 25.000 Mitarbeiter. 2017 hatte sie bei einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro einen operativen Ertrag von rund 1,9 Milliarden Euro eingefahren. Das Unternehmen kontrolliert etwa einen 49-prozentigen Anteil am Gas-Pipeline-Betreiber Eustream in der Slowakei, der auch russisches Gas in die EU transportiert.

Studiert hat Kretinsky an der Universität Brünn, er hat dort Abschlüsse in Politikwissenschaften und Jus. Begonnen hat er seine Karriere als Wirtschaftsanwalt bei der im Finanz- und Banksektor tätigen J&T-Gruppe. Dort arbeitete er auch mit dem damaligen Finanzmogul und J&T-Eigentümer Tkac zusammen, mit dem er nun in Metro-Aktien investiert. Kretinsky engagierte sich mit J&T auch im Energie-Sektor, daraus entstand auch die Energieversorgungsgruppe EPH - dessen Chef und Mehrheitseigner Kretinsky nun ist.

Getreu dem Ansatz Kretinskys, dass erneuerbare Energiequellen wie Wind, Solar und Biomasse die fossilen Träger Kohle, Gas und Atom noch lange nicht ersetzen können werden und dass sich auf jeden Fall bis zum Ende der Übergangszeit mit den alten Kraftwerken noch gutes Geld verdienen lässt setzt der Milliardär vor allem auf die fossilen Energieträger.

Weitere Beteiligungen

Auch abseits des Energiesektors ist Kretinsky aktiv. So ist er an einem Medien-Unternehmen beteiligt, das das tschechische Boulevard-Blatt "Blesk" herausbringt. Mit der französischen Lagardere-Gruppe verhandelt er über die Übernahme von Zeitschriften-Titeln, darunter auch "Elle". 2015 übernahm er außerdem gemeinsam mit Patrik Tkac und der Investmentgruppe PPF von Petr Kellner den zweitgrößten tschechischen Online-Händler Mall.cz und das Preisvergleichsportal Heureka.cz

Über seine Ziele bei Metro hält sich Kretinsky erst einmal bedeckt - und in der Handelsbranche hat er sich noch keinen Namen gemacht. Er sei stolz darauf, die Gelegenheit zu bekommen, ein wichtiger Aktionär des Handelsriesen zu werden, erklärte er in einer Pressemitteilung. Über die Herausforderungen, denen sich die zuletzt kriselnde Metro im hart umkämpften Handel stellen müsse, sei er sich im Klaren. "Den Erwerb weiterer Anteile an der Gesellschaft in der Zukunft schließen wir nicht aus", fügte er hinzu. Kretinsky kündigte an, dass er bei Metro als Aktionär eine "positive Rolle" spielen und die künftige Entwicklung des Konzerns unterstützen wolle. Die Karten bei Metro werden jedenfalls neu gemischt. Dafür steht der Name Kretinsky zweifellos.

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