Zwei Prinzen regieren ein Mini-Reich: Herbert Hacker über das "Il Bio" in Wien

Während die großen Schlemmertempel über Gästeschwund klagen und einige bereits zusperren mussten, eröffnen gleichzeitig immer wieder kleine Lokale, die ein ganz anderes Lebensgefühl vermitteln – ohne Gourmet-Tamtam, Luxus und steife Atmosphäre.

Ein gutes Beispiel dafür ist das erst einige Wochen alte „Il Bio“ in der mittleren Burggasse. Der Name ist vielleicht nicht ganz glücklich gewählt, dafür ist die Atmosphäre in diesem winzigen Küchenlokal ohne Vergleich. Tatsächlich besteht das „Il Bio“ hauptsächlich aus einer Küche, alles andere sind nebensächlich verstreute Sitzmöglichkeiten unweit vom Zentrum des Geschehens. Daher ist es am besten, man setzt sich gleich auf einen der Barhocker direkt vor dem Herd, wo der Hausherr Roland Prinz wie ein König regiert. So als wäre man bei ihm privat zu Gast, wirft er in die Pfanne, was der Kühlschrank hergibt, empfohlen von seiner Frau Andrea, die sich um die Gäste kümmert.

Beide sind leidenschaftliche Friaul-Reisende und bringen von ihren Touren die verwendeten Produkte zum Großteil selbst mit. Ob Lardo, Käse, Olivenöl oder Salsicce, bei ihren Eintagesreisen („Mehr ist zeitlich nicht drin“, so Prinz) kaufen sie ein, was ihnen gerade in den Weg kommt, denn sie kennen die Produzenten seit ewigen Zeiten. Fischsuppe, Strozzapreti mit Pesto oder gebratene Salsicce – Gerichte dieser Art werden in einer ziemlich unaufgeregten Art zubereitet und schmecken köstlich. Dazu gibt es vom Hauswein bis zu einigen Friulanern auch die passenden Weine. Nicht nur in der Krise ein perfektes Konzept.

Name: Il Bio
Adresse: 1070 Wien, Burggasse 50; Tel.: 0676/413 9748 Öffnungszeiten: Di–Sa 11–15, 18–22 Uhr
Preise: Vorspeisen bis ca. 8, Hauptspeisen bis ca. 11 Euro

Kommentar

Standpunkte

Arne Johannsen: Erst die Pleite, dann das Dilemma

Kommentar

Standpunkte

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Standpunkte

Robert Hartlauer: Wie die Kleinen Händler den Großen Paroli bieten