Zukunftserfolg braucht Frauenpower

Zukunftserfolg braucht Frauenpower
Zukunftserfolg braucht Frauenpower

Frauen in der Führungsetage sind ein Erfolgsfaktor für Unternehmen.

Kommentar von Prof. Werner Beutelmeyer, Chef des Marktforschungsinstituts market: Je größer Unternehmen, je weiter oben im Management, desto größer Männerdominanz. Besonders vor dem dem Hintergrund der Zukunftsherausforderungen ist ​Verantwortung in weiblichen Händen aber guten aufgehoben.

Es ist ein stetiger und unaufhaltsamer Vormarsch. Und in Krisenzeiten bzw. nach Krisen beschleunigt sich dieser Prozess. Nach dem 1. Weltkrieg, wo Frauen die Arbeitsplätze ihrer an der Front kämpfenden Männer eingenommen haben, erfolgte in Europa die weitgehende politische Gleichberechtigung der Frauen. Und jetzt nach der Wirtschaftskrise 2008/2009 erfolgte eine zunehmende Eroberung ursprünglich weitgehend männlich domminierter „Wirtschaftshabitate“ durch Frauen. Die Quintessenz daraus: Frauen sind in der Wirtschaft und in der Gesellschaft auf Vormarsch.

Dazu gibt es spannende Studienergebnisse: Laut einer Untersuchung von Ernst&Young (Jänner 2012) sind Frauen in Führungsetagen ein Erfolgsfaktor für Unternehmen. Diese Studie wurde unter 300 börsennotierten Unternehmen Europas durchgeführt. Analysiert wurden Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Absatz und Börsenwerte. Die Studie kam schlussendlich zu dem Ergebnis, das Unternehmen mit mindestens einer Frau in der Führungsetage erfolgreicher waren. Insbesondere Werte wie hoher Absatz und Gewinn stachen ins Auge.

Erfolg vom Team hängt vom Frauenanteil ab

US-Forscher fanden schon früher heraus, dass gemischte Teams mit einem höheren Anteil an Frauen effektiver arbeiten. Der Erfolg eines Teams hängt nicht vom IQ der einzelnen Mitglieder ab, sondern vom Anteil der Frauen. An dieser Stelle sei angemerkt: Diese Studien beziehen sich zwar auf Großunternehmen bzw. auf die US-Gesellschaft, aber es ist durchaus legitim, die Grunderkenntnisse daraus auf Österreich und auch auf österreichische KMU´s zu übertragen.

Soweit die Forschungsliteratur. Ein bemerkenswertes Forschungsergebnis zu diesem Thema gibt es auch aus der Marktforschung. Im Jahr 2010 hat market nach der Bewältigung der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise eine Frage an die Bevölkerung zur Einschätzung der Zukunft gestellt: „Einer der wichtigsten Einschnitte in den letzten 10 Jahren war ja die Wirtschaftskrise. Wenn man einmal davon ausgeht, dass sich die Wirtschaft von dieser Krise wieder in absehbarer Zeit erholt, glauben Sie persönlich, dass wir nach dieser Erholung der Wirtschaft wieder zurückkehren können zu der „Normalität“, wie wir sie vor 10 Jahren hatten, oder glauben Sie, dass es keine Rückkehr gibt zu dem, wie es einmal war, weil die Veränderungen unumkehrbar sind?“

Die demoskopische Frage klingt einfach und auch die Antworten fallen auf den ersten Blick recht logisch aus. So sagt die Mehrheit in der Bevölkerung, dass es nach der Krise in der Zukunft anders sein wird. Mit anderen Worten: Es geht nicht linear weiter wie vor 2008/09 sondern neue Herausforderungen werden sich stellen. Zukunft bedeutet also nicht „more of the same“, sondern das beschreiten neuer Wege. Und genau in diesem Punkt unterscheiden sich die Geschlechter in ihren Antworten deutlich. Frauen sehen die Herausforderung Zukunft oder das Abenteuer Zukunft viel ausgeprägter als die Männer. Männer erhoffen sich häufiger das Zukunftsmodell „more of the same“ oder die Rückkehr zur Normalität – so wie es einmal war.

Fauen sind risikobewusster

Erste Erkenntnis: Frauen sind zukunftsfähiger, weil sie umfassender in der Betrachtung der Zukunft sind. Es ist der ganzheitlichere Zugang den Frauen aufgrund ihrer multifunktionalen Lebensverantwortung tragen.

Zweite Erkenntnis: Frauen besitzen besondere emotionale Qualitäten. Die deutsche Managmentberaterin und Uniprofessorin Getraud Höhler spricht in diesem Zusammenhang von emotionaler Intelligenz. Männer haben diese deutlich weniger. Sie können mit Emotionen nicht so umgehen und zeigen diese auch nur äußerst ungern. Männer neigen bei Problemen zum „Pokerface“, also nur nichts anmerken lassen und Frauen lösen inzwischen die Probleme.

Dritte Erkenntnis: Frauen zeichnen sich durch eine besonders hohe Aktivität aus. Alleine durch die Vereinbarung von Beruf und Familie, also Erfüllung der Mutterfunktion, ist ein höheres Aktivitätspotential vorhanden. Gerade vor dem Hintergrund sich verändernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist Aktivität und Tempo wichtig. Wer Tempo macht, fällt nicht zurück.

Vierte Erkenntnis: Frauen besitzen meist in vielen Branchen die bessere Marktnähe. Nicht nur bei Nahrungsmitteln und Produkten des täglichen Bedarfs haben sie die bessere Kompetenz. Frauen sind besonders relevant bei Fragen des Wohnen, des Bauen und Renovierens sowie bei Mobilitätsentscheidungen, also bei durchaus relevanten Haushaltsinvestitionen.

Fünfte Erkenntnis: Frauen sind risikobewusster als Männer. Wir leben laut dem deutschen Soziologen Ulrich Beck in einer Hochrisikogesellschaft. Und es will gelernt sein mit Risiko richtig umzugehen. Frauen sind in diesem Punkt eindeutig sensitiver als die Männerwelt. Für ein Unternehmen ist richtiges Risikomanagement eine fordernde Aufgabe. Frauen bewältigen diese besser.

Kernthema Betriebsnachfolge

Vor dem Hintergrund, dass für 46 Prozent der österreichischen KMU´s die Lösung der Betriebsnachfolge eine sehr ernstzunehmende Thematik darstellt, ist auch das Thema Frauen in Führungsverantwortung von großer Bedeutung. Unternehmensführung ist in den letzten Jahren eindeutig schwieriger geworden.

Der Personenkreis, aus dem die Betriebsnachfolge rekrutiert wird, ist zu 81 Prozent der unternehmerische Familienverbund. 14 Prozent nutzen fähige im Unternehmen tätige Mitarbeiter und nur 4 Prozent vertrauen auf Quereinsteigern von außerhalb des Unternehmens. Betriebsnachfolge ist damit ein Kernthema für die Frauenpower in der Wirtschaft geworden und der komplexer gewordene Wirtschaftshintergrund ist bestens geeignet für den ganzheitlichen und emotionaleren Ansatz der Frauen.

Damit sei den Frauen ein „Ende der Bescheidenheit“ ans Herz gelegt. Und es gibt doch einige Argumente, warum auch in kleineren Unternehmen auf Frauenpower nicht zu verzichten ist. Im Gegenteil: Verantwortung in weiblichen Händen, vor dem Hintergrund der Zukunftsherausforderungen, ist in guten Händen.

Zur Person:

Werner Beutelmeyer ist Geschäftsführer beim market Institut für Markt-, Meinungs- und Mediaforschung. Er hat Lehraufträge an der Universität Salzburg, an der Johannes-Kepler-Universität Linz und der Universität Innsbruck.

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