Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Miriam Koch: Arbeitsmarkt, Ziegen, Roboter und wir

Miriam Koch: "Mittelfristig wird man wohl ein Grundeinkommen für alle und eine Reduktion der Arbeitszeiten brauchen."

Die Hälfte der Jobs ist von Robotern bedroht. Der Sturm der Flüchtlingskrise wird gegen diese sozialen Verwerfungen ein Lüfterl gewesen sein.

Das ist Rekord. Ein irisches Unternehmen gab dieser Tage bekannt, dass mithilfe des "Swiftflo-Ziegenkarussells" das Melken von Ziegen revolutioniert werde. Mit einer Robotervorrichtung sei es möglich, 1.300 Ziegen pro Stunde zu melken. Das schafft kein Mensch.

Roboter, so eine neue Studie der Universität Oxford, würden in Großbritannien in den nächsten 20 Jahren 35 Prozent aller Jobs bedrohen, in den USA knapp die Hälfte. Die Auslagerung von Jobs an Roboter kann laut der Zeitung "Guardian" bis zu 90 Prozent Arbeitskosten sparen. Einsatzmöglichkeiten gibt es viele: Selbstfahrende Autos sind im Anrollen, Amazon setzt beim Versand stark auf Roboter.

Ein Computer arbeite immer besser als ein mittelmäßiger Arbeiter, wird Amazon-Chef Jeff Bezos zitiert. Beim US-Bekleidungshändler Hointer scannt man mit dem Smartphone eine Hose, die einem gefällt, eine App erfragt die gewünschte Größe und Farbe, ein Roboter bringt sie in eine Umkleidekabine. Kindern macht das Lernen über Apps mitunter mehr Spaß als in der Schule.

Doch die Roboterrevolution hat mittelfristig enorme Auswirkungen auf den Sozialstaat und seine Finanzierung. Der Sturm der Flüchtlingskrise wird gegen diese sozialen Verwerfungen ein Lüfterl gewesen sein. Um ein Grundeinkommen für alle, eine Reduktion der Arbeitszeiten wird man in Zukunft wohl nicht herumkommen.

Nur: Werden Roboter dann Steuern zahlen? Und was ist mit den Menschen, die gern arbeiten? Möglicherweise finden Computer, die ja immer mehr Denkarbeit übernehmen können, Antworten. Falls nicht, bleibt der Trost, dass nicht alles, was technisch möglich ist, auch gemacht wird - man erinnere sich nur an die Idee vom papierlosen Büro. Oder an die Landwirte, die schon jetzt bewusst nicht alle Optimierungsmöglichkeiten ausnützen. Auch aus Liebe zur Ziege.

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